Ein Spiel von brillanter Leichtigkeit, Klarheit und Transparenz

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 16. Oktober 2017

Schopfheim

Die Violinistin Gwendolyn Masin und der Pianist Simon Bucher legten bei "Klassik im Krafft-Areal" in Schopfheim ein ungewöhnliches und apartes Programm vor.

Sinnliches Klangempfinden und subtiles Gespür für Atmosphärisches brachten die Geigerin Gwendolyn Masin und der Pianist Simon Bucher für ihren Auftritt in der Reihe "Klassik im Krafft-Areal" in Schopfheim mit. Das Duo legte ein ebenso ungewöhnliches wie apartes Programm vor, das sich französischer, aber auch spanisch angehauchter Kammermusik vorwiegend aus dem Impressionismus und dem frühen 20. Jahrhundert widmete.

An den Anfang stellten die beiden Künstler, die seit 20 Jahren zusammen musizieren, die g-Moll-Sonate von Debussy, die dieser als letztes Werk ein Jahr vor seinem Tod schrieb. Gwendolyn Masin erfüllte dieses späte Werk mit warmem, sich frei und klar entfaltendem Ton, großer Empfindungskraft und Leidenschaft. Die niederländische Violinistin mit ungarischen und tschechischen Wurzeln spielte dieses letzte Werk Debussys höchst intensiv im Ton und irisierend in den Farben, spürte auch dem Schmerzlichen darin mit Einfühlungsvermögen und Hingabe nach. Simon Bucher erwies sich mit klarer, subtiler Anschlagskunst und pointiertem Spiel als idealer Klavierpartner für die charismatische Geigerin.

Das Duo hatte auch noch einen frühen Debussy im Programm, das Stück "Beau Soir", das sie wunderbar lyrisch, klangpoetisch und feinsinnig aufführten. Auch in der Berceuse aus Strawinskys "Feuervogel" entfaltete die Geigerin betörenden Wohlklang. Und wie sie, wiederum in spürbar enger Harmonie mit dem Pianisten, in Gabriel Faurés "Après un reve" jene Atmosphäre des Erwachens aus Traumsphären erfasste, war sehr innig ausgehorcht, selbstvergessen, schwebend, schwerelos. Das Werk basiert auf einem Gedicht über einen Menschen, der im Traum seiner großen Liebe wieder begegnet, und dann merkt, dass es nur ein schöner Traum war.

Sehr selten hört man Olivier Messiaens "Thème et variations" für Violine und Klavier. Umso willkommener und erfreulicher war es, mit welcher Präzision, kristallklarem Klang und bezwingender Wirkung sich Masin und Bucher dieser Kammermusik des widmeten.

Auch für das iberische Kolorit zeigte das Duo ein enormes Gespür, wie das Publikum in drei Stücken aus Manuel de Fallas "Siete canciones populares espagnoles" hören konnte. Das Stück "Jota" aus diesem Zyklus erklang mit enormer geigerischer Verve, Leidenschaft und rhythmischem Feuer, das Wiegenlied "Nana" sehr empfindungsvoll, sanft und ruhig. Im zweiten Teil gab es noch mal spanische Glut im "Danse espagnol" aus de Fallas Oper "La vida breve".

Eine besondere Rarität im Programm war auch das Lied der Roxane aus der Oper "König Roger" des polnischen Komponisten Karol Szymanowski. In der Transkription dieser Arie lässt Gwendolyn Masin ihre Geige tonlich lupenrein singen und in hohe Klangsphären aufsteigen. Das Duo beendete den Abend mit Ravels zweiter Violinsonate, die sie wieder mit ausgeprägtem Klangsinn, spieltechnischer Feinfühligkeit und transparentem Klang ausleuchteten. Emphatisch spielte Masin die Cantabile-Passagen.

Im zweiten Satz, einem französisch stilisierten Blues, trafen die Geigerin und der rhythmisch sehr akzentuiert spielende Pianist hinreißend das jazzige Idiom. Im Finalsatz "Perpetuum mobile" mit seinen schnellen Tonrepetitionen und kreisenden Figuren war ihr Spiel von brillanter Leichtigkeit, Klarheit und Transparenz. Für den großen Beifall bedankten sich die Musiker mit zwei virtuosen Zugaben, darunter Fritz Kreislers "La Gitana". Das Programm haben Masin und Bucher auch auf ihrer neuen CD "Flame" eingespielt.