Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

13. September 2017

"Es zieht derzeit keiner aus"

Wohnbau-Geschäftsführer Nostadt berichtet über Wohnungsmarkt und Eisweiher-Bauprojekt.

  1. Aussichten: Mit Blick auf den angespannten Wohnungsmarkt wird das geplante Neubauprojekt der Wohnbau Lörrach im Gebiet Eisweiher im Gemeinderat ausdrücklich begrüßt. Foto: Erich Meyer

  2. Thomas Nostadt Foto: BZ

SCHOPFHEIM. Mit der Wohnbau Lörrach "baut" die Stadt auf den richtigen Partner – darin war man sich am Montag im Gemeinderat einig. Nicht nur, weil die Wohnbau Lörrach den von der einstigen Städtischen Wohnbau Schopfheim übernommenen Wohnungsbestand konsequent saniert. Sondern auch, weil sie im Eisweiher nun ihr erstes Neubauprojekt in Schopfheim angeht. Dass der Bau neuer Wohnungen notwendig ist, zeigte ein Blick auf den aktuellen Wohnungsmarkt.

Sanierungen: Wie Wohnbau-Lörrach-Geschäftsführer Thomas Nostadt am Montagabend im Gemeinderat informierte, wurde im vergangenen Jahr die Sanierung der Häuser Schustergasse 9 und 11 (14 Wohnungen) abgeschlossen, im Jahr davor war das Nachbargebäude Schustergasse 5 und 7 (zwölf Wohnungen) an der Reihe. Außerdem wurde 2016 das Gebäude Schwarzwaldstraße 70 (sechs Wohnungen) saniert. Im Moment sei die Wohnbau an den Häusern in der Roggenbachstraße 18 bis 26 (30 Wohnungen) sowie 23 bis 25 (zwölf Wohnungen) dran – insgesamt investiert die Wohnbau Lörrach hier Gesamtaufwand mehr als drei Millionen Euro. Außerdem bereite sie sich auf die Sanierung der denkmalgeschützten Schlierbachstraße 1 (sechs Wohnungen) vor. Diese Arbeiten sollen 2018 beginnen.

Werbung


Mittlerweile sei damit der größte Teil des einstmals im Jahr 2007 von der Städtischen Wohnbau Schopfheim übernommenen Gebäudebestandes modernisiert.

Neubau Eisweiher: Wie berichtet, wird die Wohnbau Lörrach einen der drei neuen Wohnanlagen bauen, die im Gebiet Eisweiher entstehen sollen – es ist ihr erstes Neubauprojekt überhaupt in Schopfheim. Die Wohnanlage soll rund 70 Mietwohnungen umfassen – nicht alle, aber ein gewichtiger Anteil davon werden Sozialwohnungen sein. Ferner wird die Anlage auch einer Wohngruppe für zehn pflegebedürftige Senioren Platz bieten. Wie Nostadt berichtete, läuft derzeit der Architektenwettbewerb. Diesen hat die Stadtbau Lörrach – das Tochterunternehmen der Wohnbau – europaweit ausgeschrieben und mit 80 000 Euro dotiert.

Zur Teilnahme aufgerufen wurden die drei jüngst in Lörrach beim Wettbewerb "Weberei Conrad" zuvorderst platzierten Architekturbüros, ferner wurden aus eingegangenen Bewerbungen zehn weitere Büros ausgewählt. "Das kostet zwar Zeit", so Nostadt – dies zahle sich aber hoffentlich in Form von Entwürfen mit hoher baulicher Qualität aus. Am 17. November werde die Jury tagen, Nostadt hofft "auf ein klares und gutes Ergebnis", so dass dann nächstes Jahr der Bau beginnen könne.

Wohnungsmarkt: Zwei Zahlen zeigen laut Nostadt ganz deutlich, wie es um den Schopfheimer Wohnungsmarkt bestellt ist. So stehen derzeit 989 Interessenten/Haushalte auf der Warteliste der Wohnbau Lörrach allein für den Raum Schopfheim. Das seien rund 2000 Menschen, die sich Hoffnungen auf eine Mietwohnung machen. Dem stehen derzeit pro Jahr gerade mal 20 Mieterwechsel gegenüber. Im Klartext heiße das: "Es zieht im Moment keiner mehr aus. So sind die Verhältnisse – das ist nicht lustig."

Lob und Debatte: Bürgermeister Christof Nitz freute sich sowohl über die Sanierungen wie auch über das Neubauprojekt. "Sie sind auf einem guten Weg – wir sind auf einem guten Weg." Es sei deutlich, dass "wir gut aufgehoben sind bei der Wohnbau Lörrach". Ähnlich äußerte sich Artur Cremans (SPD). Er habe dies zwar in den Vorjahren schon immer gesagt, jetzt aber mit dem Neubauprojekt sehe er sich in dieser Auffassung zusätzlich bestätigt. Er begrüße es ausdrücklich, dass die Wohnbau Lörrach im Eisweiher ein "anspruchsvolles Projekt" verwirklichen wolle. Er sei sich sicher, dass die ein Projekt mit "Leuchtturm"-Charakter werde. Heidi Malnati (CDU) lobte insbesondere das innovative Denken bei der Wohnbau Lörrach. Ernest Barnet (Grüne) schloss sich zwar dem Lob der Vorredner an und erklärte, er sei sich sicher, dass beim Eisweiher "was Schönes herauskommt" – Barnet wies aber auch darauf hin, dass 989 Interessenten nicht bedeuten, dass "da jetzt 989 Leute auf der Straße stehen." Damit erntete er freilich Widerspruch von Peter Ulrich (SPD). Er wies darauf hin, dass sich dahinter "prekäre und schwierige Verhältnisse" verbergen. Da gehe es etwa um junge Leute, die ausziehen wollen, mangels Wohnung aber weiter bei ihren Eltern wohnen. Oder um junge Familien, die eigentlich eine größere Wohnung benötigen. "Das ist ein Riesenproblem – da müssen wir ran". Ulrich hatte zuvor in der Sitzung die Bildung einer interfraktionellen Arbeitsgruppe "bezahlbarer Wohnraum" angestoßen .

Autor: André Hönig