Friedhofshalle ins Diesseits geholt

André Hönig

Von André Hönig

Fr, 08. Dezember 2017

Schopfheim

Gebäude und Friedhof sind nicht länger getrennt, sondern bilden jetzt eine Einheit / Kritik bei Einweihungsfeier am Denkmalamt.

FAHRNAU. Die Friedhofshalle in Fahrnau befindet sich nicht mehr jenseitig des Friedhofs – also abgetrennt durch eine Mauer. Im Zuge einer Umgestaltung wurde sie ins Diesseits geholt. Friedhof und Halle bilden nun eine Einheit. Zur Feier der beinahe abgeschlossenen Arbeiten fand am Donnerstag ein Einweihungsakt statt. Voll des Lobes war Bürgermeister Christof Nitz über das bauliche Ergebnis, kritisch äußerte er sich über den vom Denkmalamt geforderten Teil-Mauererhalt.

"Man begreift das jetzt als Einheit": Mit diesen Worten brachte Nitz den Gedanken und das Ergebnis der Umbauarbeiten auf dem Friedhof Fahrnau auf den Punkt. Ging es doch bei all dem, was gemacht wurde – der Weg und der Brunnen verlegt, der Hallenvorplatz neu gestaltet, ein Teil der alten Mauer entfernt – nicht zuletzt darum, die Aussegnungshalle in die Anlage besser zu integrieren. "Die Halle war optisch gesehen bisher etwas außen vor." Nun hingegen bilde die Anlage eine harmonische Einheit. "Das ist jetzt eine runde Sache", so Nitz im Beisein von Gemeinderäten, Ortsvorstehern, Vertretern der Verwaltung und der Baufirmen und des Planungsbüros. Nitz wies darauf hin, dass nebst Planer und Baufirmen insbesondere den Mitgliedern des Arbeitskreises Friedhöfe für ihre "tolle Idee" Dank gebühre. Dieser hatte sich vor Jahren Gedanken gemacht, "wie die Situation hier auf dem Friedhof verbessert werden kann". 2014 beschloss er das Konzept für den Umbau. 2015 gab es eine erste Kostenschätzung, diese belief sich damals auf rund 363 000 Euro. Im Mai 2016 stimmte dann zwar der Gemeinderat der Umgestaltung zu – jedoch konnte das Projekt nicht auf Anhieb umgesetzt werden, da die Pläne erst einmal den Denkmalschutz auf den Plan riefen. Die Behörde legte ihr Veto gegen einen Mauerabriss ein, da es sich hier aus Sicht der Behörde um ein Kulturdenkmal handelt. Letztlich verständigten sich Stadt und Behörde auf einen Kompromiss – die Mauer wird nur teilweise entfernt, um den Gedanken verwirklichen zu können, die Halle in den Friedhof integrieren zu können. Ansonsten aber musste sie erhalten und saniert werden.

Das alles sei jetzt zwar "hervorragend gemacht wurden", sagte Nitz. Jedoch merkte er mit Blick auf den Teil-Mauererhalt an, dass dieser aus seiner Sicht jedenfalls "nicht förderlich für das Gesamtkonzept" sei. Dem stimmten auch mehrere Festakt-Gäste zu, darunter der ehemalige Hauptamtsleiter Klaus Strütt, der dem AK Friedhöfe als Sachkundiger Bürger angehört. Strütt wies darauf hin, dass es sich mitnichten hier um die erste und damit historische Mauer auf dem Friedhof handelt – der war 1835 an diesen Standort verlegt worden, zuvor fanden Beerdigungen bei der Kirche St. Agathe statt.

Doch nicht nur für die Optik hat der Teil-Mauerhalt Folgen, sondern auch finanziell. Nitz wies darauf hin, dass die Mehrkosten für die Mauersanierung auf rund 70 000 Euro beziffert wurden. Daher beschloss der Gemeinderat, eine andere Investition – ein Sternchenfeld auf dem Schopfheimer Friedhof – ein Jahr zu schieben. Es gibt beim Thema Finanzen aber auch Erfreuliches: So lag letztlich das Angebot für das Gesamtvorhaben, das nach der Ausschreibung zum Zuge kam, mit 321200 Euro "deutlich unter der Kostenschätzung", freut sich Nitz.

Im Juni war Baubeginn, jetzt sind die Arbeiten weitgehend abgeschlossen. Weitgehend heißt: Teile der Mauer müssen noch verputzt werden. Offen ist vor allem aber noch das Thema einsturzgefährdet Außenmauer in Richtung Wohnbebauung. "Das werden wir nächstes Jahr anpacken", kündigte Bürgermeister Nitz an. Neu gestaltet wurden im Zuge des Umbaus auch die Eingangstore zum Friedhof, die nun auch abgeschlossen werden. Nitz merkte dazu an, dass damit die Nutzung des Friedhofsweges als Verbindungsweg von und zur Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge ein Ende haben sollte.