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22. Mai 2010

Für Deutschland ans Limit gehen

Kai Horschig ist bei der Weltmeisterschaft im 24-Stunden-Lauf persönliche Bestzeit gelaufen / Jetzt ist der Spartathlon im Blick.

WIECHS. Einfach (welt-)meisterlich, diese Leistung: Kai Horschig aus Wiechs hat die Farben Schwarz-Rot-Gold bei der Weltmeisterschaft der Ultramarathonläufer bestens vertreten. Im deutschen Nationaltrikot lief er persönliche Bestzeit: 240 Kilometer in 24 Stunden. Kaum zuhause, schnürt er aber schon wieder die Laufschuhe für die nächsten Herausforderungen.

Dieses Lachen. Beim Zieleinlauf mit der Fahne in der Hand. Es ähnelt jenem auf dem Bild am Vortag. Auch wenn es nun ein wenig müder, gequälter wirkt. 24 Stunden zuvor, da marschieren Deutschlands beste Ultraläufer bei der internationalen Flaggenparade in roten Trainingsanzügen und dem Bundesadler auf der Brust durchs französische Städtchen Brive. Kai Horschig gehört dazu – und sein Gesicht strahlt voller Zuversicht. Die Augen leuchten. Vorfreude pur.

Zwischen den beiden Aufnahmen liegt ein gewaltiger Kraftakt. Extremste Strapazen für Körper und Geist. 240 Kilometer und 505 Meter hat Kai Horschig bei diesem Rennen in 24 Stunden bewältigt. Persönlicher Rekord. Um satte vier Kilometer hat er sein bisher bestes Ergebnis übertroffen. Zweitbester Deutscher, Rang 24 weltweit (bei 229 Läufern), beziehungsweise Platz 16, bezogen auf die europäischen Läufer – der Lauf wurde zugleich als Europameisterschaft gewertet. Zudem Siebter mit der Mannschaft.

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Für Horschig in jeglicher Hinsicht ist das WM-Erlebnis also prima gelaufen. Es war sein erster Auftritt im deutschen Dress, erst im Frühjahr war er vom Deutschen Leichtathletikverband für die Nationalmannschaft nach seinem Sieg beim Lauf in Barcelona nominiert worden. Als Neuling gleich eine so bärenstarke Leistung abzuliefern – nicht alle haben ihm das zugetraut. Aber Kai Horschig hat ein dickes Ausrufezeichen gesetzt.

"Die Weltmeisterschaft war ein Traum von mir", sagt der 44-Jährige. Und so war er bis in die Haarspitzen motiviert – selbst Halsschmerzen, Anzeichen einer Erkältung, konnten ihn nicht bremsen. "Am Vortag hatte es mit dem Kratzen im Hals angefangen – da auszufallen, wo man doch so hart auf dieses Ziel hingearbeitet hat, wäre echt das Schlimmste gewesen."

Ein Großteil des Team hatte sich übrigens bei ihm und seiner Frau Heike in Wiechs für die Anreise getroffen.

Gemeinsam ging’s in Kleinbussen nach Brive. Überhaupt dieser Teamgeist und diese Kameradschaft. Horschig hat schon einige Ultraläufe hinter sich, nicht nur 24-Stunden-Läufe sondern etwa auch den Marathon des Sables. "Da ist man zwar auch kollegial zueinander", die Atmosphäre jetzt bei der WM sei aber noch einmal "etwas ganz Außergewöhnliches gewesen."

Betreuer, Physiotherapeuten, Sportler – alle haben sich gegenseitig unterstützt und motiviert. Ein Hauch von Olympia lag in der Luft. "Im Nationaltrikot zu laufen, ist natürlich sowieso etwas Besonderes. Da bin ich schon stolz drauf." Und natürlich auf seinen Schlussspurt. "Ich wollte die 240 Kilometer unbedingt knacken" und so raffte er sich auf den letzten Runden – gelaufen wurde ein rund 1,2 Kilometer langer Parcours – nochmals auf und knackte, begleitet vom Jubel der Teammitglieder und seiner Frau Heike, die 240er-Kilometer-Marke.

Appetit auf die nächsten sportlichen Herausforderungen

"Hinterher dann konnte ich erst einmal fast nicht mehr gehen." Dafür überfiel ihn kurz darauf eine Heißhungerattacke, wie er sie bisher noch nie erlebt hat. Im nächsten Restaurant stürzte er sich auf Riesensteaks und Pommes.

Das Kaloriendefizit ist also wieder ausgeglichen. Sein Appetit auf nächste sportliche Herausforderungen ist aber größer denn je. Zum einen wäre er schon ganz gerne bei der nächsten Weltmeisterschaft dabei. "Ich hab Blut geleckt", gibt Horschig unumwunden zu. Diese findet im Schweizer Brugg statt – also quasi direkt um die Ecke. Ein Heimspiel.

Dann ist da der Mont-Blanc-Lauf. Auch den hat er auf dem Zettel. 165 Kilometer, 10 000 Höhenmeter. Zweimal hat er schon teilgenommen, jedes Mal musste er verletzungsbedingt aufgeben. Das wurmt ihn gewaltig. Schon deshalb will er unbedingt nochmals antreten.

Und dann wird er auch noch beim Spartathlon starten, ein Ultramarathon über 246 Kilometer. Die Strecke von Athen nach Sparta – sie muss innerhalb 36 Stunden zurückgelegt werden. "Hier teilgenommen zu haben, ist einfach ein Muss in der Vita eines Ultraläufers."

Infos zu Kai Horschig und seinen Läufen unter http://www.kai-horschig.de

Autor: André Hönig