Fulminanter Klavierabend

Edward H. Tarr

Von Edward H. Tarr

Mo, 24. Oktober 2016

Schopfheim

Andrea Kauten im Krafft-Areal in Schopfheim.

Zu Beginn ihres Klavierabends am Samstag spielte die ungarisch-schweizerische Pianistin Andrea Kauten drei der sechs kleinen Präludien, die Johann Sebastian Bach 1720 im didaktisch angelegten "Clavier-Büchlein" für seinen ältesten Sohn Wilhelm Friedemann komponiert hatte. Ihre Auslegung dieser Miniaturen war transparent: Das langsame Präludium d-moll BWV 935 geriet düster, dasjenige in c-moll BWV 934 virtuos. Diese Werke wirkten wie die Vorspeise zu einem üppigen Mahl.

Die 24 Préludes op. 28 von Frédéric Chopin (1839-39) sind ein Zyklus durch die zwölf Dur- und Moll-Tonarten nach dem Vorbild der Präludien aus Bachs Wohltemperiertem Klavier. Hier war die linke Hand der Pianistin herausgefordert wegen der stark bewegten Begleitung, über der sich lange melodische Haltetöne zogen. Die Pianistin besitzt Strahlkraft in den Fingern. Ihr Spiel glitzert und glänzt, ist kraftvoll im Anschlag, gewürzt von weiblicher Ausdruckslust. Besonders kräftig gelangen ihr die Sätze con fuoco beziehungsweise molto agitato, während sie das Präludium c-moll, Largo, mit einer chromatisch absteigenden Basslinie, subtil und leise interpretierte.

Nach einer kurzen Pause interpretierte Andrea Kauten am klangvollen Steinway-Flügel die originale Klavierfassung von Modest Mussorgskis Bilder einer Ausstellung (1874). Die Suite entstand anlässlich einer Gedenkausstellung für den russischen Architekten und Maler Viktor Alexandrowitsch Hartmann (1834-73). Die fünfzehn einzelnen Sätze sind so unterschiedlich, wie die Bilder, die sie musikalisch beschreiben, und Andrea Kautens differenzierte und kräftige Interpretation ließ die Bilder förmlich aufleben. Die zahlreich erschienenen Zuhörer dankten ihr für diese gelungene Deutung dieser Programmmusik mit langanhaltendem Applaus, für den sie sich mit einer Zugabe bedankte.