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10. März 2014 14:54 Uhr

Typisierungsaktion

Hilfe für Noemi: 3500 Menschen lassen sich Blut abnehmen

Das Schicksal der achtjährigen Noemi bewegt Südbaden: Das Mädchen ist an Krebs erkrankt – und die Menschen ziehen alle Register, um ihm zu helfen. Kürzlich kamen durch einen Zumba-Tanz 1000 Euro zusammen, nun übertraf eine Typisierungsaktion alle Erwartungen.

  1. Vor der Schopfheimer Stadthalle stehen die Menschen Schlange, um der kleinen Noemi zu helfen. Die Hoffnung ist groß, einen passenden Knochenmarkspender zu finden. Foto: Hans-Jürgen Hege

  2. Tausende Menschen wie diese junge Frau ließen sich Blut abnehmen. Foto: Hans-Jürgen Hege

  3. Mit Würstchen verkürzte sich die Wartezeit. Foto: Hans-Jürgen Hege

  4. 3500 Menschen gaben Blut für Noemi (Symbolbild). Foto: dapd

Lange Schlangen vor der Schopfheimer Stadthalle: Rund 3500 Menschen ließen sich am Sonntag Blut abnehmen, um der achtjährigen Noemi, die an Krebs erkrankt ist, zu helfen. Nun prüft die DKMS, ob ein möglicher Knochenmarkspender dabei ist.
"Unglaublich!" – sprach- und fast auch ein wenig ratlos ob des Ansturms standen Organisatoren und DKMS-Mitarbeiter aus Tübingen vor der Stadthalle und vor einem kleinen Problem: "Wo fange ich zuerst an?" Silvia Tortomasi, die Initiatorin der Hilfsaktion für das krebskranke Mädchen Noemi, und Daniel Wilhelm, der die Aktion von Seiten der Deutschen Knochenspenderdatei (DKMS) betreute, hatten mit einem großen Andrang zur Registrierung geeigneter Knochenmarkspender gerechnet. Aber was sich am Sonntag in Schopfheim abspielte, übertraf dann doch kühnste Erwartungen. Die Menschen standen Schlange, um sich der Prozedur zu stellen und dazu beizutragen, Noemis Leben zu retten. Gezählt wurden am Ende rund 3500 Menschen, die sich Blut abnehmen ließen.

Helferaufrufe über Facebook

Mit Imbiss- und Getränkeständen versuchte der Elternbeirat der Max-Metzger-Schule, die Noemi besucht, die Menschenmassen während des Wartens bei Kräften zu halten. Im Saal waren rund 70 Helfer im Einsatz, bei denen sich die potenziellen Lebensretter registrieren lassen mussten. Und circa 30 Arzthelfer und -helferinnen wurden ein paar tausend Mal den Spruch los: "Achtung, gleich piekt’s!" Sie füllten ein Röhrchen mit Blut und klebten ein Pflaster auf den Einstich. Das DRK war mit Liegen vertreten, um im Notfall rasch eingreifen zu können.

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Querbeet durch alle Bevölkerungsschichten standen die Spender in Reih und Glied. "Ich warte gern", sagte einer. Sein Nachbar fügte hinzu: "Es ist schönes Wetter. Wir freuen uns darüber. Und wir freuen uns darauf, helfen zu dürfen." Eine Einstellung, die sich tätowierte Mitglieder von Motorradclubs wie dem Lörracher Club 77 ebenso zu eigen machten wie der Club "United Tribunes", der mit gleich 14 Leuten vor Ort war und es "tip-top" fand, was da in der Markgrafenstadt über die Bühne ging. Im unüberschaubaren Getümmel rund um die Stadthalle wimmelte es von Mitgliedern vieler Vereine. Was sich da abspielte, war nicht nur für Siegfried Schmid, den Hausmeister der Stadthalle, "beeindruckend und einfach unglaublich".

5000 Kanülen im Gepäck

Viele hatten aus den Zeitungen von der Aktion erfahren. Helferinnen und Helfer wurden weitestgehend via Facebook rekrutiert. 5000 Kanülen hatte die DKMS im Marschgepäck. "Ja, ja, wir waren gut gerüstet. Trotzdem haben wir nicht damit gerechnet, dass so viele Spender kommen würden", sagte eine Mitarbeiterin des Wilhelm-Teams überwältigt von der Hilfsbereitschaft, die auch gegen Ende der Aktion, das auf 16 Uhr terminiert war, nicht abriss. Da waren Überstunden angesagt. Keiner sollte vergebens gewartet haben oder gar vor verschlossenen Türen stehen. "Alle kommen dran", versicherten die Helfer unterm Kupferdach und hielten dann auch ihr Versprechen zumindest denen gegenüber, die zwischen 18 und 55 Jahren waren und deshalb ins Raster passten und – das war eine weitere Bedingung zur endgültigen Registrierung – "gesund" in der Stadthalle erschienen sind.

"Die Veranstaltung war ein voller Erfolg", zog Michael Klemme, der zweite Vorsitzende des Fördervereins der Max-Metzger-Schule, ein vorläufiges Fazit. "Wir hatten auf 1500 Typisierungen gehofft, da es beim Aufruf im Jahr 1996 etwas mehr als 1000 waren. Das gestrige Ergebnis übertraf also alle Erwartungen", sagte Klemme, dessen Verein 4000 Besucher gezählt hat, von denen 3428 als Spender infrage kamen.

"Danke an alle, die da waren."

Noemi Farone
Unterhaltung gab es mit Tanzeinlagen von Silvia Tortomasis Schützlingen aus der "Carpe Diem Move Academy". Die mobile "L’Apino Kaffee Bar" steuerte Heißgetränke zur Verpflegung der Massen bei, der Elternbeirat hatte Waffeln, Würste und Kaltgetränke im Angebot. Und der Popcorn-Service Schopfheim spendierte die poppigen Körner.

Nicht nur Blut wurde gegeben. Die Blutspender erwiesen sich auch großzügig im Hinblick auf Geldspenden. Rund 30.000 Euro kamen allein am Sonntag zusammen. Damit erhöht sich das Guthaben auf dem Spendenkonto auf etwa 65.000 Euro. Auch wenn insgesamt 150.000 Euro benötigt werden, macht die große Hilfsbereitschaft nicht zuletzt Noemis Familie Mut, die sich am Abend über die Aktion "unsäglich" freute. Das belegt nicht zuletzt ein Facebook-Chat, in dem sich Noemi Farone an Initiatorin Silvia Tortomasi wandte: "Silvia, tust du das aufnehmen für mich? Würde es gerne sehen, wie viele Menschen kommen. Und sagst Danke an alle, die da waren."
Spenden

DKMS-Spendenkonto: Sparkasse Schopfheim-Zell (BLZ 68351557), Kontonummer: 3299799

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Autor: Hans-Jürgen Hege