Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

14. Oktober 2010

Kinder in Bolivien verarztet

Interplast-Einsatz galt Verbrennungsopfern / Dem indischen Mädchen Sampa geht’s viel besser.

  1. Sampa hat die Operation gut verkraftet. Foto: privat

  2. Vorwiegend waren es Kinder, um die sich das Interplast-Team in Bolivien kümmerte. Dr. Günter Zabel war mit von der Partie. Foto: Privat

SCHOPFHEIM. Nach Einsätzen in Guatemala und Süd-Vietnam war Dr. Günter Zabel vom 12. bis 27. August für Interplast in Bolivien aktiv. Das neunköpfige Team unter Leitung von Dr. Borsche, dem Interplast-Präsidenten, behandelte vorwiegend Brandverletzungen von Kindern in einer darauf spezialisierten Klinik in Cochabamba. Angenehm sei das Klima in der Großstadt auf etwa 2600 Metern Höhe gewesen, erzählte Günter Zabel.

Den Einsatz finanziert hat der Rotary-Club Leonberg, in dem ein Bolivianer Mitglied ist. Über ihn wiederum hat der Rotary-Club in Cochabamba erfahren, dass das deutsche Team Verbrennungsopfer behandelt. Eine Jugendgruppe kümmerte sich darum, dass die Landbevölkerung von dem Einsatz erfuhr. Offene Feuer seien auf dem Land nach wie vor eine der Hauptursachen, dass Kinder schwere Verbrennungen erleiden, erzählte Günter Zabel. Ein obskurer Geisterglaube tue sein Übriges, denn angeblich werden Geister vertrieben, stecke man ein Kind in kochendheißes Wasser.

Die Operationsbedingungen in dem Krankenhaus seien sehr gut gewesen, schildert Dr. Zabel. Der dortige Chefarzt sei sehr engagiert. Das Team überließ der Klinik ein Dermatom-Gerät und ein Gerät, mit dem sich Wunden "verschweißen" lassen. Nicht zuletzt die Nachsorge sei für die kleinen Patienten sehr wichtig. Ein Junge sei dabei gewesen, dessen Haut zu 70 Prozent verbrannt gewesen sei. Auch ihm hat das Team helfen können. Zabel schätzt, dass zwischen 60 und 80 Operationen bewältigt wurden. Das Team arbeitete den ganzen Tag. In manchen Fällen wäre es mit einer Operation nicht getan. Bestes Beispiel dafür ist das zehnjährige indische Mädchen Sampa, das seit dem 2. September im Wiesental ist und ihre erste Operation im Lörracher Krankenhaus inzwischen erfolgreich hinter sich hat. "Für alle Beteiligten war es ein bewegender Moment zu sehen, dass Sampas Arme nicht mehr am Körper festgeklebt, sondern frei beweglich sind," sagte Marianne Zabel. Sie war Opfer schwerster Verbrennungen. Fünf Nachoperationen sind jetzt noch nötig. Am 27. Oktober wird es mit ihrer linken Hand weitergehen, sagte Dr. Günter Zabel. Interplast sorge inzwischen dafür, dass die Familie in Indien über die Runden komme, denn der Vater von Sampa, der mit seiner Tochter mitkam, ernährt gewöhnlich die Familie. Voraussichtlich sei die Behandlung in vier Wochen abgeschlossen, just zu dem Zeitpunkt, wo sich Marianne und Günter Zabel für einen Interplast-Einsatz in Kamerun (Bangwar) auf den Weg machen. Die Stewardess Ute Sparenberg, die vom ersten Moment an hilfreich zur Seite stand, wird sich um einen Reha-Platz für Sampa in ihrem Wohnort Bad Piemont kümmern.

Werbung


Die erste Operation habe sechseinhalb Stunden gedauert, ein zehnköpfiges Team setzte sich ein. Im Lörracher Krankenhaus sei die Hilfsbereitschaft groß, jeder kenne Sampa, sagten die Zabels.

Autor: Marlies Jung-Knoblich