Klare Stimmen und klare Worttexte

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 13. Februar 2018

Schopfheim

Die Evangelische Studentenkantorei Freiburg führte den "Schwanengesang" von Heinrich Schütz in der Stadtkirche auf.

SCHOPFHEIM. Schon zum wiederholten Mal war die Evangelische Studentenkantorei Freiburg zu Gast in der evangelischen Stadtkirche Schopfheim und hat sich hier durch ihre exzellente Gesangsqualität einen hervorragenden Namen gemacht. Bei seinem jüngsten Auftritt am Samstag widmete sich der von Florian Cramer geleitete Chor zusammen mit dem Basler Vokalensemble Voces suaves und der Capella friburgensis einem bedeutenden Werk des Frühbarocks: dem "Schwanengesang" von Heinrich Schütz aus dem Jahr 1671.

Es wurde eine beeindruckende Aufführung dieses gewaltigen "Opus ultimum", des letzten Werks des Komponisten, das zu seinem religiösen und musikalischen Testament wurde. Ein Jahr vor seinem Tod vertonte Schütz im hohen Alter von 86 Jahren den kompletten 119. Psalm, den längsten aller Psalme, in elf doppelchörigen Motetten. Dazu fügte er als Anhang die Vertonung des 100. Psalms "Jauchzet dem Herrn, alle Welt" sowie das Deutsche Magnificat, ebenfalls für zwei vierstimmige Chöre, an.

Die zahlreichen Zuhörer erlebten eine in den Vokal- und Instrumentalstimmen sehr sorgfältig erarbeitete Interpretation dieses geistlichen Werks, in der auch die sensiblen Fragen der stilgemäßen Aufführungspraxis sehr gut gelöst waren in der chorischen und solistischen Besetzung und im Einsatz des historischen Instrumentariums. Die Besetzung mit der Studentenkantorei als Kapellchöre und dem solistisch singenden Vokalensemble Voces suaves sorgte für eine stimmlich differenzierte und lebendige Klangwirkung. Die acht Sängerinnen und Sänger von Voces suaves sind auf Renaissance- und Barockmusik spezialisiert und bereicherten mit ihrem lupenreinen, klaren Gesang diese Aufführung ungemein. Einen Zugewinn an Klangfarbigkeit und "Klangrede" im besten Sinne brachte auch die auf originalen Instrumenten spielende Capella friburgenis, ein Ensemble für Spätrenaissance und Frühbarock. Das Continuo war mit Orgelpositiv, Dulzian, Laute und Violone besetzt, und den beiden Chören waren auf der einen Seite Violine und Gamben, auf der anderen Zink und Posaunen zugesellt.

Unter dem umsichtigen Dirigat von Florian Cramer ergab sich ein lebendig durchpulster Gesamtklang, fließend in der rhythmisierten Struktur. Gesungen wurde in großer Genauigkeit und Prägnanz der Deklamation, hervorragend klar durchgezeichneten Stimmen und wortdeutlicher Textgestaltung. Diese prägnante, gleichwohl schlichte Deklamation, die klare Intonation und die sorgfältige Ausformulierung ließ diesen Schwanengesang sehr eindrücklich auf die Zuhörer wirken. Die Transparenz der chorischen und solistischen Stimmen, die Ausgewogenheit in den Chorblöcken, das klare Durchleuchten der polyphonen Strukturen, die berührende deklamatorische Feinheit, mit der die jungen Sängerinnen und Sänger diese Alte Musik ausleuchteten, und der warme Klang der alten Instrumente: Das alles summierte sich zu einer Aufführung, die Schütz‘ Spätwerk in seiner ganzen sakralen Tiefe, meisterlichen polyphonen Satzkunst und abgeklärten Größe dem heutigen Hörer näher brachte.

Dirigent Cramer achtete auf einen rhetorisch sprechenden Klang, ausgefeilte Stimmführung und wortdeutliche Textausdeutung in diesen Motetten, die jeweils fast klösterlich streng und schlicht in gregorianischem Psalmton beginnen und mit dem Lobpreis "Ehre sei dem Vater und dem Sohn" in ausgeschmückterem Stil beendet werden. Sehr bewegend interpretierten die Ausführenden dieses klingende Vermächtnis von Heinrich Schütz. Jede der elf Motetten erhielt ein in sich geschlossenes Klangbild. Besonders affektreich in der musikdramatischen Klangrede war die Stelle "Ich bin entbrannt über die Gottlosen" in der Vertonung "Gedenke deinem Knechte". Voller Klangprächtigkeit, Klangfülle und Festlichkeit erklang der jubilierend gesungene Lobpreis "Jauchzet dem Herrn, alle Welt" und auch im Deutschen Magnificat, dem Lobgesang Marias "Meine Seele erhebt den Herrn", beeindruckte der erhebende, beseelte Gesang der jungen Schütz-Interpreten. Großer Beifall nach diesem besonderen kirchenmusikalischen Ereignis.