Krönender Saisonabschluss

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 18. Dezember 2018

Schopfheim

Saison 2018 von "Klassik im Krafft-Areal" endet mit einem beeindruckenden Zusammenspiel / Kurzer Ausblick auf 2019.

SCHOPFHEIM. Volles Haus, begeistertes Publikum, zwei Zugaben: Schöner hätte die Saison bei "Klassik im Krafft-Areal" nicht enden können als mit dem viel beklatschten Konzert des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim unter Leitung von Timo Handschuh. Die Streicher, die zum dritten Mal in dieser Reihe zu Gast waren, hatten ein ganz der Romantik gewidmetes Programm mit Werken von Brahms und Mendelssohn mitgebracht.

Im Zentrum stand das Klavierkonzert a-Moll op. 7 von Clara Schumann, in dem die Solistin Andrea Kauten mit virtuosem Zugriff brillieren konnte. Im jugendlichen Alter von 16 Jahren schrieb die Pianistin und Komponistin Clara Schumann dieses anspruchsvolle Klavierkonzert. Und diese grandiose Aufführung war eine Hommage im Vorfeld des 200. Geburtstags von Clara Schumann, der im kommenden Jahr gefeiert wird. In Andrea Kauten, der künstlerischen Leiterin der Stiftungskonzerte in der ehemaligen Schuhfabrik Krafft in Fahrnau, hatte man eine ideale Interpretin für dieses Renommierstück, in dem die Solistin von Anfang bis Ende gefordert ist.

Voller Leidenschaft trumpfte Kauten im ersten Satz Allegro maestoso auf, der wirklich etwas Majestätisches ausstrahlt. Die Pianistin nutzt dies für einen imponierenden Auftritt, in dem sie ihre spieltechnische Brillanz, ihren zupackenden Stil und ihr Gespür für die romantische Ausdruckswelt einbringen konnte.

Im zweiten Satz, der Romance, klang Kautens Spiel lyrisch, empfindungsvoll, sehnsuchtsvoll im Zwiegespräch mit dem sonor klingenden Solocello. Furios spielte die Pianistin im dritten Satz auf, ließ es in luzider Klarheit glitzern und perlen, meisterte mit Verve und Brillanz die rasanten, fingerbrecherischen Passagen. Auch die Orchestermusiker legten sich mächtig ins Zeug, begleiteten die Solistin mit einfühlsamem Streicherklang.

Für die 130 Zuhörer war es ein beeindruckendes Erlebnis, Clara Schumanns einziges, selten aufgeführtes Klavierkonzert in einer so mitreißenden Interpretation zu erleben. Für den großen Beifall bedankte sich Andrea Kauten mit dem Stück "Knecht Ruprecht" von Robert Schumann als Solozugabe.

Eröffnet wurde der Abend vom Pforzheimer Kammerorchester mit drei Ungarischen Tänzen von Brahms Nr. 1, 3 und 5. Ihre Wiedergabe klang feurig, hatte viel Vitalität, Temperament und fing das ungarische Kolorit sehr gut ein. Mit welcher Frische, Präzision und hervorragender Streicherkultur die Pforzheimer spielen, bewiesen sie auch in der Streichersinfonie Nr. 9 von Mendelssohn-Bartholdy.

Für die treuen Zuhörer der Reihe war es der krönende Abschluss und der finale Höhepunkt einer rundum gelungenen Saison. Begonnen hatte die Reihe im April mit einem fantastischen, künstlerisch herausragenden Liederabend von Marie-Claude Chappuis und ihrem Klavierpartner Simon Bucher, der allerdings, wie bei der Gattung Kunstlied oft zu beobachten, nicht so gut besucht war wie die übrigen Konzerte. "Die, die nicht da waren, haben etwas verpasst", so die künstlerische Leiterin Andrea Kauten im Rückblick.

Enorm viel Zuspruch hatte der Auftritt der Barocksolisten, einem Ensemble von ausgewiesenen Alte-Musik-Spezialisten. Zum ersten Mal hatte es in dieser Reihe ein reines Barockprogramm gegeben, auf Anhieb mit durchschlagendem Erfolg. Auch das Solorecital von Andrea Kauten, bei dem sie ein Werk der Basler Komponistin Marguerite Alioth aufführte, fand große Resonanz. Als Publikumsmagnet erwiesen sich das Harald Rüschenbaum-Trio und der Sprecher Wolfgang Griep mit ihrer jazzigen Version der Oper "Carmen". Die Art, wie das Jazztrio die bekannten Motive aus Carmen verjazzt und die Klänge mit originellen Texten von Griep verbindet, kam bei den Zuhörern bestens an. Über Erwarten viele Besucher strömten zum Konzert des Offenburger Streichtrios und der Pianistin Andrea Kauten im November.

"Wir hatten eine tolle Saison", resümiert Andrea Kauten, die schon in der Planung für das nächste Konzertjahr 2019 steckt. Namen und Termine kann sie noch nicht nennen, nur so viel: Zu erwarten sind ein Liederabend, ein Jazzkonzert, ein Streichquartett und ein Klavierduo.