17. Februar 2009
Liebe, Sehnsucht und Verzweiflung
Die niederländische Chanteuse Loes Snijders besang die großen und kleinen Dramen der Liebe mit ausdrucksstarker Stimme.
SCHOPFHEIM. Sie singt von der Liebe, dem ersten Kuss, den großen Gefühlen und Ausbrüchen von Leidenschaft, Sehnsucht und Verzweiflung: Die niederländische Chanteuse Loes Snijders war mit ihrem Programm "La femme en rouge" zu Gast in der Schopfheimer Kulturfabrik.
Es hat schon fast Tradition, dass die Volkshochschule einmal im Semester zu einem solchen Abend zum Thema Sprachen und Kultur einlädt und die zahlreichen Besucher konnten sich schon mal mit einem Glas Rotwein oder Sekt auf den französischen Chansonabend einstimmen."La femme en rouge" – die Frau in Rot. Dieser Titel passte auch auf die Sängerin, die in einem weiten roten Hosenrock und roter Weste auftrat – Ton in Ton mit ihrem Pianisten Jürgen Mayer, der sie sehr pointiert begleitete und Snijders Spiel um die großen und kleinen Dramen der Liebe auch bestens mitspielte. Die im Raum Nürnberg lebende Chansonkünstlerin ist eine Theaterfrau von starker Bühnenpräsenz. Das merkt man schon daran, wie sich Snijders singend durch die Publikumsreihen bewegt und sich in ihren humorvoll-ironischen Ansagen immer wieder direkt an die Zuhörer wendet.
Werbung
Ihre Art des unterhaltsam-amüsanten und doch intensiven Vortrags kam auch gut an: Zum einen die kleinen Geschichten, mit denen die Sängerin auf die jeweiligen Liedtexte einging, zum anderen die Chansons von Jacques Prévert, Jacques Brel oder Edith Piaf, die sie sehr ausdrucks- und gefühlvoll auf Französisch sang. Loes Snijders kommt vom Theater, vom Schauspiel her, hat auch eine klassische Gesangsausbildung, ist langjähriges Mitglied von Comoedia Mundi und auch international in Varietés aufgetreten – alles das spielt mit hinein, wenn sie ihre Gesangsauftritte mit großen Gesten und expressiven Gefühlen untermalt. Dabei gelingt es ihr auch sehr schön mit ihrer kräftigen, eher dunkel-herben Stimme, das Brüchige, das Zartbittere, das Bittersüß-Melancholische mancher Liebeslieder rüberzubringen.
Sie begann mit Chansons von Jacques Prévert wie "Les enfants qui s’aiment" – einem Lied über die erste Liebe, die ersten zarten Gefühlsregungen. "Können Sie sich noch erinnern?", fragt Loes Snijders ins Publikum und singt das Chanson so sehnsuchtsvoll, als würde sie soeben aus einem Traum erwachen. Es gibt auch mehr traurig-wehmütige und poetische Chansons in ihrem Programm, etwa "Les Feuilles mortes" oder das Lied über das Ende einer Liebe: "Je ne t’aime pas". Tränen, Abschied und Schmerz, verletzte Gefühle, das Leiden an der Liebe, dies drückt Loes Snijders in ihrem Gesang eindringlich aus.
Und natürlich hat sie auch ein Chanson von Edith Piaf mitgebracht, denn ein Chansonabend ohne den Spatz von Paris, ohne die Königin des Chansons – das ginge nicht. Also singt Loes Snijders eines der schönsten Piaf-Lieder "La Vie en rose" mit viel Herzblut und Leidenschaft, fast ebenso flammend wie das titelgebende "La femme en rouge". Zwischendurch bringt die Chanteuse auch immer wieder eine gute Portion Humor, Witz und Augenzwinkern mit ein, etwa in ihre theatralisch inszenierte Version von Jacques Brels "Les paumes du petit matin".
Voller Sentiment und Schwung geht es nach der Pause weiter mit Kurt Weills hinreißendem "Youkali", jenem Land unserer Sehnsucht, jener kleinen Insel, die wie ein Traum ist, in dem man alle Sorgen vergessen kann.
Auch in den Brecht/Weill-Songs wie "Denn wie man sich bettet, so liegt man" findet Loes Snijders mit ihrem überaus akzentuiert spielenden Klavierpartner einen passenden kabarettistischen Ton voller Schärfe und unerbittlichem Rhythmus – wenn auch das Klavier manchmal akustisch etwas laut wirkte. Stark auch ihre Interpretation des "Surabaya-Johnny", wo sie sie packend und dramatisch zugleich die ganze Hassliebe, Verzweiflung und Trotz einer von der Liebe enttäuschten Frau darstellt.
Die Sängerin schlägt den Bogen noch weiter zu dem berühmten Hildegard-Knef-Hit "Für mich soll’s rote Rosen regnen" und Tom Waits Song "Martha" und stellt auch hier ihre enorme gesangliche Vielseitigkeit unter Beweis. Und als Zugabe brachten die beiden Künstler noch Jacques Brels bekanntes Chanson "Amsterdam" – für die Niederländerin Loes Snijders auch eine Liebeserklärung an ihre Heimat.
Autor: Roswitha Frey




