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24. November 2009

Mundart macht Schule

Besonderer Workshop mit Markus Manfred Jung

  1. Deutschsstunde auf gut alemannisch: Markus Manfred Jung beim Workshop mit Neunt- und Zehntklässlern der Friedrich-Ebert-Schule. Foto: Weber

SCHOPFHEIM (mow). In der neunten Klasse der Hauptschule steht Literaturarbeit auf dem Lehrplan. Die Schüler sollen sich mit Texten und Autoren auseinandersetzen. Wie spannend so eine Deutschstunde sein kann, zeigte der Workshop mit Markus Manfred Jung, dem Autor zahlreicher alemannischer Gedichte. Das Angebot wurde von den Mundartvereinen "Muettersproch-Gsellschaft" und "schwäbische mund.art" Baden-Württembergs ins Leben gerufen.

37 Schüler einer neunten und zehnten Klasse der Friedrich-Ebert-Schule erlebten diese etwas andere Deutschstunde gemeinsam mit ihren Lehrerinnen Inge Böttger-Fisch und Brigitte Born, die über die Aufmerksamkeit und Leistungen ihrer Schüler erfreut waren. Schon im Vorfeld hatten sich die Schüler über den Autor informiert und so wussten sie, dass er in Zell geboren und in Lörrach aufgewachsen ist. Derzeit ist er Klassenlehrer einer sechsten Klasse am Theodor-Heuss-Gymnasium und unterrichtet Deutsch und Sport. Seine Gedichte in alemannisch und hochdeutsch wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Bevor es ans Arbeiten ging, erzählte Jung eine persönlich erlebte Geschichte, die sich vor einigen Jahren ereignet hatte, als seine Söhne neun und 13 Jahre alt waren und regelmäßig mit ihren Freunden, die gegenüber im Haus für Asylbewerber wohnten, Detektivspiele machten. Durch ihre Aufmerksamkeit und Neugier konnte damals bei einem Brandanschlag auf das Wohnheim in Wehr Schlimmeres verhindert und alle drei Täter von der Polizei gefasst werden.

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Durch die packend erzählte Geschichte formten sich die Worte im Kopf zu Bildern und man hatte das Gefühl, mitten im Geschehen dabei zu sein. Gedanklich schlug man sich auf die Seite der Opfer und so trägt diese Begebenheit auch ein Stück weit zur Integration bei. Auf diesem Gebiet würde an der Hauptschule gute Arbeit geleistet, so Jung. Im zweiten Teil des Workshops sollten die Schüler in Dreiergruppen kurze alemannische Gedichte von Markus Manfred Jung bearbeiten und ihre Ergebnisse der Klasse präsentieren. Alemannisch lesen, auf hochdeutsch übersetzen und auch eine kurze Interpretation des Gedichtes geben, lautete die Aufgabenstellung, die von den Schülern mit Bravour gemeistert wurde.

"Ich hätt nit denkt, dass ihr so flott sin" und auch bei manchem nicht, dass die Schüler auf diese Bedeutung kommen, zeigte sich Jung begeistert von der Mitarbeiter der Schüler. Jung erzählte auch manche Entstehungsgeschichte, die hinter den Gedichten steckt. Beispielsweise als sein Sohn Manuel beobachtete, wie ein kleines Kälbchen auf der Straße überfahren wurde oder als er bei der Post jobbend einen Berg von 80 Ansichtskarten aus Rimini mit immer dem gleichen Gruß eines Urlaubers sortieren musste, seien die Gedichte "e chälbli liit tot uf de strooß – für de Manuel" und "ferie" entstanden.

Im Namen der beiden Klassen bedankte sich Patrick, der besonders gut alemannisch schwätzen kann, beim Autor für die lehrreiche Doppelstunde. Wenige Tage zuvor hatte auch eine achte Klasse einen Workshop mit Markus Manfred Jung veranstaltet. Die schriftlichen Ergebnisse – alemannische Geschichten – seien so hervorragend, dass sie für die Teilnahme am Mundart-Wettbewerb der Muettersproch-Gsellschaft eingereicht werden können.



Autor: mow