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21. März 2017

Musik unplugged erleben

Ausverkauftes Konzert mit Tammorra in der Kirche St. Agathe / Die Sizilianer begeistern.

  1. Tammorra gab ein fesselndes Konzert in St. Agathe: Hier Massimo Laguarda und Salvatore Meccio. Foto: Martina David-Wenk

FAHRNAU. Sie sind alte Bekannte in Schopfheim, weshalb das Konzert mit Tammorra rasch ausverkauft war. Bereits zum dritten Mal sind die Musiker aus Palermo zu Gast. Und wieder begeisterten sie das Publikum, nicht nur mit ihrer großen Musikalität, sondern auch mit witzigen und parodistischen kleinen Schauspieleinlagen.

Bernhard Wehrle hatte das Quintett im Jahr 2003 zu einem Projekt eingeladen. Der Spezialist für Folkmusik hatte als Lehrer der Realschule in Zell ein Konzert mit den sizilianischen Musikern organisiert. Sponsorensuche, Marketing und Organisation lag damals in den Händen der Schüler. Jetzt hatte er im Zuge der Konzertreihe "Akustik in Agathen" Tammorra als Veranstalter eingeladen. Selten kommen Künstler mehr als einmal nach Schopfheim, bei Tammorra macht Bernhard Wehrle gerne eine Ausnahme, die Zeit mit den Schülern ist ihm unvergessen.

Wer all das nicht weiß, Tammorra weder mit ihrem Weihnachtsstück noch Open Air im Park erlebte, für den war das Konzert eine weitere Offenbarung, wie vielfältig und facettenreich Musik sein kann.

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Da sind die Tarantelle und Serenaden Siziliens, doch Tammorra beschränken sich nicht darauf, ihre Musik überliefert zu intonieren, Jazz, Rock oder Pop helfen zur zeitgemäßen Interpretation.

Tammorra reloaded, ist nicht nur die Wiederbelebung der Band. Sie beleben auch die traditionelle Musik Siziliens neu. Daraus ist eine berauschende Mixtur entstanden, bei der man einmal mehr nicht nur sitzen und zuhören will, sondern mittanzen und mitsingen.

Immerhin mitklatschen ist möglich, was für diejenigen mit bebenden Fußspitzen vielleicht schon Tortur war. Ja, die Kirche St. Agathen ist nicht zum ersten Mal zu klein. Aber wäre der Raum größer, hätte es zum Tanzen auch keinen Platz gegeben. Dann wären noch mehr Interessierte gekommen, um Musik wieder einmal unplugged zu hören, wenn sie sich so wunderbar abhebt von den sonst so gängigen Stilen.

Die Band lebt vom zwei zu drei Verhältnis ihrer Show. Die beiden Frontleute nutzen ihre ganze Präsenz, um das Publikum zu unterhalten, die anderen drei überlassen ihnen gerne die Scherze und die Bühne. Salvatore Meccio an der Gitarre oder Bouzouki hat sechs Jahre lang als Kind in Deutschland gelebt, so kann er charmant durchs Programm führen. Massimo Laguardia ist Multipercussionist und auch etwas Komiker. Eine Wallfahrt zur heiligen Rosalie kommt als Minidramolett daher. Da wird die namensgebende Rahmentrommel Tammorra zum ehrfurchtspendenen Heiligenschein, Massimo Laguardia zur respektheischenden Heiligen. Die Geschichte funktioniert, auch wenn niemand sizilianisch spricht. Solche Ausflüge in die Albernheiten goutiert das Publikum mit Wohlwollen, und lässt sich von der unbändigen Lebensfreude anstecken.

Vittorio Catalanos bläst in die Stücke den unverwechselbaren Sound hinein. Blockflöte, Tinwhistle, Dudelsack oder Schalmei, dazu noch Saxophon oder Querflöte. Vittorio Catalanos Beitrag hüpft durch die Genres, so wie er seine Instrumente wechselt. Sein Beitrag macht den Sound von Tammorra unverwechselbar. Ein zauberhafter Konzertabend. Tammorra darf gerne ein weiteres Mal nach Schopfheim kommen.

Autor: Martina David-Wenk