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20. Januar 2015

Neubau errettet THW-Helfer aus Raumnöten

"Tetris" in der Fahrzeughalle, zu wenig Spinde, zu kleine Besprechungsräume– das Technische Hilfswerk stößt im eigenen Zuhause in vielerlei Hinsicht an Grenzen.

  1. Sinnbild fürs notgedrungene Zusammenrücken beim THW: Eigentlich müsste jedes Fahrzeug eine eigene Ausfahrt haben. Hier wird hintereinander geparkt – so dicht, dass möglichst Fahrzeug und Gerät hineinpasst. Foto: André Hönig

  2. Freut sich auf die neue Unterkunft – ist bis dahin aber wie der ganze Ortsverband in der Kunst des Improvisierens gefordert: Sebastian Pfeifer. Foto: André Hönig

  3. Schlicht zu klein – der Besprechungsraum. Foto: André Hönig

  4. Lufttrocknen der Kleidung als behelfsmäßige Notlösung. Foto: André Hönig

SCHOPFHEIM. Das Schopfheimer THW (Technisches Hilfswerk) bekommt eine neue Unterkunft – voraussichtlich 2018. Am Freitag jedenfalls kam aus Berlin die Nachricht, dass dank eines Sonderprogramms die Finanzierung steht (wir berichteten). Warum ein Neubau nötig ist, hat sich die BZ vom Ortsbeauftragten Sebastian Pfeifer erläutern lassen. So ist derzeit an vielen Ecken Kunst und Können der Techniker zum Improvisieren und Überbrücken gefordert.

Ein frostiger Wind weht an diesem frühen Montagmorgen über den Hof des THW in der Grienmatt. Eigentlich würde man lieber drinnen sein, wo’s warm ist. Gleichwohl begrüßt Sebastian Pfeifer den BZ-Reporter draußen vor der Fahrzeughalle – aus gutem Grund. "Sie wollen wissen, warum die Unterkunft nicht mehr zeitgemäß ist? Das kann ich gerne zeigen und wir können hier draußen anfangen", sagt Pfeifer und deutet auf die vier Fahrzeuge, die im Freien neben der Halle stehen.

Über zwölf Fahrzeuge unterschiedlichster Größe verfügt das THW Schopfheim, allesamt neueren Typs – in der Fahrzeughalle aber ist nicht genügend Platz. Pfeifer: "Vier Fahrzeuge müssen deshalb draußen stehen – das ist nicht gut." 1300 Quadratmeter stehen dem THW zur Verfügung. Noch. Grundstück und Gebäude gehören einer benachbarten Firma, das THW ist hier nur zur Miete. Nun erweitert die Firma, rückt Stück für Stück näher ans THW heran – das THW-Areal wird daher laut Pfeifer in nächster Zeit nach und nach auf 700 Quadratmeter zusammenschrumpfen.

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1300 Quadratmeter. Das klang viel und war es auch, als das THW 1996 mit fünf Fahrzeugen einzog. Doch seitdem ist es immer enger geworden, und das nicht nur, weil der Fahrzeugpark gewachsen und die Mitgliederzahl von 35 auf 80 gestiegen ist. Auch haben sich Vorschriften und Bestimmungen, etwa für Raumgrößen, geändert. Wie sehr der Platzbedarf zugenommen hat, zeigt die Planung für den Neubau. Zwar liegt die Konzeption nicht in Händen des Ortsverbandes, sondern der BImA, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben – die BImA baut zusammen mit dem Staatlichen Hochbauamt die Unterkunft, das THW mietet sie. Doch da auf Basis von Musterplänen, die jeweils kurzerhand den örtlichen Verhältnissen angepasst werden, geplant wird, hat Pfeifer eine recht genaue Vorstellung von dem, was kommt. 3500 Quadratmeter werden demnach fürs Schopfheimer THW als angemessen erachtet – also fast dreimal soviel wie jetzt.

Pfeifer öffnet die beiden Garagentore, gibt den Blick frei auf den restlichen Fuhrpark, der sich hier Stoßstange an Stoßstange reiht. Kleine Fahrzeuge vorne, große hinten. Dazu "Wir spielen hier drin Tetris", kommentiert Pfeifer mit leicht ironischem Unterton den Anblick und meint damit das Computerspiel, bei dem herabfallende Objekte so platzsparend wie möglich aufeinander platziert werden. Bezogen auf die THW-Garage heißt das: Bevor ein hinteres Fahrzeug raus kann, müssen erst die vorderen weggefahren werden. Und den großen Lkw-Anhänger bekommt man nur von Hand raus – zehn Mann sind nötig, um ihn rauszuschieben. Die neue Fahrzeughalle hingegen wird zehn Garagentore haben, weiß Pfeifer. Und das sei auch nötig, denn "eigentlich muss heutzutage gewährleistet sein, dass im Einsatzfall jedes Fahrzeug sofort rausfahren kann." Nicht die einzige Bestimmung, die das THW ungewollt nicht erfüllt. Improvisiert wird nicht nur beim Deponieren von Ausrüstung und Fahrzeugpark, sondern etwa auch im Umkleidebereich. So müsste jeder THW-Aktive zwei Spinde haben – einen für Alltagskleidung, einen für die Ausrüstung. Geht aber mangels Platz nicht.

Was bleibt, ist, nach einem Einsatz, bei dem die Kleidung nass geworden ist wie etwa jetzt am Samstag beim Narrenbaumstellen, diese an geöffneten Spindtüren zum Lufttrocknen zu hängen. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. So hat die Jugend etwa gar keinen Spind, sondern muss die Kleidung mit nach Hause nehmen. Ins Besprechungszimmer passen nur 20 Personen – Bedarf besteht aber für 40 bis 50 Personen. Und drei Führungskräfte teilen sich acht Quadratmeter, nutzen den gleichen PC und müssen alle ohne echte Ablagefläche für Unterlagen auskommen. Pfeifer: "Wohlgemerkt – wir reden hier von Menschen, die sich allesamt im Ehrenamt engagieren. Hier gibt es keinen einzigen Hauptamtlichen."

"Wir finden immer Lösungen, dafür sind wir ja das THW."

Sebastian Pfeifer, Ortsbeauftragter
Solche Zustände seien der Motivation nicht sonderlich zuträglich – umso mehr freuen sich er und die Mitglieder daher über die Aussicht auf den Neubau und die Nachricht vom Freitag, dass die Finanzierung steht.

Pfeifer dankt ausdrücklich dem Bundestagsabgeordneten Armin Schuster (CDU), der sich schon seit Jahren stets fürs THW einsetze, aber auch Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) – und Bürgermeister Christof Nitz, der "ein Ohr für uns und uns Möglichkeiten aufgezeigt hat". Zwar seien die Grundstücksverhandlungen noch nicht abgeschlossen, doch sieht es so aus, als könnte das THW in Fahrnau bleiben. Signalisiert wurde dem Ortsverband auch bereits, dass er bis 2018 mit der neuen Unterkunft rechnen könne. Bis dahin müsse und werde man zurechtkommen, sagt Pfeifer. "Das ist zwar nicht ganz einfach, aber wir finden immer Lösungen, dafür sind wir ja das THW. Notfalls hängen wir das Material unter die Decke."

Mehr Infos zum THW: http://www.thw-schopfheim.de

THW-UNTERKÜNFTE

Die Anfänge reichen zurück ins Jahr 1952 und in die Zimmerei Kuri. Das erste eigene Domizil war ab 1953 in der Max-Metzger-Schule, 1966 wurde die alte Trafostation hinterm Amtsgericht bezogen. Dieser Ort war aber bald nicht mehr zeitgemäß, 1976 zog das THW in den Dreschschopf in Langenau. Dort kam es vor, dass das THW bei Hochwasser erst einmal die eigenen Räume trocken legen musste. 1996 folgte der Umzug in die Grienmatt.  

Autor: hö

Autor: André Hönig