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19. Mai 2016

Projekt "Betten für das Freizeithaus"

In der Einjährigen Berufsfachschule Holz an der Schopfheimer Gewerbeschule werden 18 Spezial-Betten für Gersbach angefertigt.

  1. Omar Youseef (vorne) und Matthias Asal demonstrierten in der Gewerbeschule, wie die Holzbetten ohne Kratzer entstehen. Foto: Monika Weber

  2. Siegfried Lörracher, Iris Feldmann, Rainer Eiche und Omar Youseef (von links) zeigen die Betten, die für das Freizeithaus Gersbach entstehen. Foto: Monika Weber

  3. Das Modell für die Betten im Freizeithaus Gersbach Foto: Monika Weber

SCHOPFHEIM. Mit einem symbolischen Knopfdruck an der CNC-Maschine startete Siegfried Lörracher von der Delegation des evangelischen Freizeithauses Gersbach am Mittwoch das Projekt "Betten für das Freizeithaus". Insgesamt 18 Betten werden in den nächsten Wochen im Rahmen des Unterrichts der Einjährigen Berufsfachschule Holz in den Holzwerkstätten der Schopfheimer Gewerbeschule entstehen. Mitte Juli sollen diese dann an ihrem Bestimmungsort montiert werden.

Die jungen Schreiner dürfen ihr Werk anschließend bei einem fünftägigen Aufenthalt in der letzten Schulwoche zum Abschluss ihrer Ausbildung selbst testen. Die Vorbereitungen zu diesem Großprojekt liefen bereits seit Mai 2015, als ein Brief von Elisabeth Störk vom Freizeithaus bei Schulleiter Ralf Dierenbach einging, in dem die Verwaltungskraft anfragte, ob die dringend benötigten Betten in einem Unterrichtsprojekt hergestellt werden könnten. "Wir sind mit dem Wiesental eng verbunden, so dass wir hier gerne auch etwas zurückgeben. Das ist ein Geben und Nehmen", sagte Zoltan Juhas, der stellvertretende Schulleiter. Zudem sei es ja eine Win-Win-Situation für beide Seiten, erklärte Rainer Eiche. In den vergangenen 20 Jahren wurde schon so manche Einrichtung in Nah und Fern mit handwerklich hochwertigen Möbeln oder Innenausbauten bereichert. Im Gegenzug erhalten die Schüler nach getaner Arbeit in der Regel eine Vergünstigung bei der Übernachtung und Verpflegung ihrer Abschlussfahrt, unterstrich Dieter Rümmele, technischer Lehrer. Bis zur Realisation brauche es jedoch "wegen der Ernsthaftigkeit mit der wir das angehen" eine längere Vorlaufzeit, in der auch geprüft werde, ob man damit nicht die heimischen Handwerker benachteilige, erläuterte Dierenbach den Prozess. Es müsse geklärt sein, ob man es überhaupt leisten könne und als nächstes, ob es in den Unterricht passt. Eigentlich werde zum Abschluss der Einjährigen Berufsfachschule Holz ein Kleinmöbelstück gebaut und so eine Hochbett-Konstruktion sei natürlich kein Kleinmöbel. Dadurch, dass sich aber die eingesetzten Verbindungen gleichen, konnte das Bettenprojekt gut in den fachpraktischen Unterricht eingebaut werden. Trotzdem überstieg die Dimension diesmal deutlich den üblichen Rahmen, was zudem eine logistische Herausforderung war, denn die große Menge an Holz muss ja auch gelagert werden. Verwendet werden hochwertige Multiplexplatten, die kreuzweise verleimt und mit einem robusten rotem Belag versehen sind. Die Materialkosten, die vom Freizeithaus getragen werden, belaufen sich auf etwas über 1500 Euro.

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Auch die Schüler leisteten bereits einiges an Vorarbeit. So wurde im CAD-Unterricht das Modell am Computer gezeichnet, die Materialmengen festgelegt und die Programme für das CNC-Bearbeitungszentrum erstellt. Ein separater Schnittplan für die Plattensäge sorgt für möglichst wenig Verschnitt. Um das Ganze anschaulich zu machen, wurde ein kleines Modell gebaut, mit dem man in die Arbeitsgespräche mit dem Freizeithaus ging. Das dortige Reinigungspersonal wünschte sich noch einige Veränderungen, um besser unter dem Bett putzen und die Matratzen leichter beziehen zu können. Die Wünsche wurden dann auch berücksichtigt. Die Schüler Johannes Albrecht und Giulia Krause präsentierten der interessierten Zuhörerschaft die Pläne der Vierbettkonstruktion mit Regalen an zwei Seiten, in die man vom Bett aus hineingreifen kann.

Kratzer auf dem Belag machten Kopfzerbrechen

Anschließend ging die Delegation zur diamantbestückten CNC-Fräse und durfte erleben, wie damit eine Platte nach den Computervorgaben gefräst wurde. Die Oberfläche sei zwar sehr kratzfest, was Rainer Eiche auch mittels eines Schlüssels demonstrierte, doch gab es bei Probearbeiten durch die extrem harten Werkzeuge trotzdem Kratzer auf dem Belag. Ein Problem, das nicht so leicht zu beheben war und dem technischen Lehrer einige schlaflose Nächte bereitet habe.

Die Lösung: Die Abrundung der scharfen Kanten wird in mehreren Schritten und an unterschiedlichen Geräten durchgeführt, zuletzt an den geschwungenen Stellen mittels einer Handoberfräse, wie der Syrer Omar Youseef an dem Werkstück demonstrierte. Beim weiteren Gang durch die Werkstätten konnte auch bereits der Prototyp eines Bettes begutachtet werden. Bei dieser Gelegenheit wiesen die technischen Lehrer darauf hin, dass man noch einige freie Plätze für die einjährige Ausbildung habe und Interessenten sich bei der Gewerbeschule melden könnten, selbst, wenn sie keinen Ausbildungsbetrieb hätten "den finden wir dann für sie".

Die Schlafstätten sind jetzt zwei Meter lang und 80 Zentimeter breit. Die alten Betten, die schon über 50 Jahre im Bestand des Freizeithauses sind, waren mit 1,80 Meter den meisten männlichen Übernachtungsgästen zu kurz. Insgesamt werden vier Vier-Bett-Konstruktionen und ein Zweier-Hochbett produziert.

Für Pfarrer Andreas Ströble war es wichtig, dass das Freizeithaus ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt, da es Bestrebungen der evangelischen Landeskirche gibt, das Haus bis zum Jahr 2020 zu verkaufen. Sollte es auf örtlicher Ebene eine neue Trägerstruktur geben, würde die Landeskirche vom Verkauf absehen. Der Austausch der über 50 Jahre alten, mehrfach geflickten Betten sei deshalb auch ein wichtiger Schritt zum Erhalt des Heims. Rege genutzt wurde die Einrichtung unter anderem auch von Konfirmandengruppen, sagt der Pfarrer und Kuratoriumsvorsitzende, "es ist Teil der evangelischen Jugendarbeit im Kirchenbezirk".

Im Haus stehen insgesamt 42 Betten für Gäste bereit. Für Gersbach ist es ein wichtiger Teil einer zukunftsfähigen dörflichen Infrastruktur, weshalb umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen geplant sind, um das Freizeithaus ab 2018 dann unter neuer Trägerschaft als Selbstversorgerhaus bereitstellen zu können. Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten kann von einer durchschnittlichen Belegung von über 4500 Übernachtungen pro Jahr ausgegangen werden.

Neben neuen Betten, soll es auch neue Böden und einen neuen Anstrich geben.

Informationen im Internet finden sich unter den E-Mailadressen http://www.gewerbeschule-schopfheim.de und http://www.freizeithaus-gersbach.de

Autor: Monika Weber