Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
08. Februar 2012
Schöne Erfolge, zu wenig Mitglieder
Dem Schopfheimer Kaninchenzuchtverein mangelt es an Nachwuchszüchtern / Keine Teilnahme am Städtlifest mehr möglich.
SCHOPFHEIM. Zusehends kleiner werden die Brötchen, die der Kaninchenzuchtverein C-173 zu backen in der Lage ist. Bei der Jahreshauptversammlung im Gasthaus "Hans-Sachs" fielen der "Bericht des Zuchtwerbewartes" (Richard Knittel), der Tagesordnungspunkt "Neuaufnahme" sowie die "Ehrungen" mangels Masse ins Wasser.
Es fehlt geeigneter Nachwuchs. Junge Menschen, die Spaß am spannenden Hobby rund um die Zucht der pelzigen Kuscheltiere Freude haben, sind laut Vorsitzendem Horst Knittel kaum noch zu finden. Vor allem Vereine ohne eigenes Vereinsheim seien ganz übel dran und müssten, wie die Schopfheimer mittlerweile auch, ums Überleben bangen. Was bleibt ist die Hoffnung, dass sich die Zeiten wieder ändern könnten. Bis dahin werden Auflösungserscheinungen zunehmend konkret: Das Vereinszelt wird nach dem bereits ein Jahr alten Beschluss der Mitglieder verkauft, Ausstellungskäfige werden befreundeten Vereinen wie dem Kaninchenzuchtverein Kandern unter der Bedingung vermacht, dass sie im Falle einer eigenen Ausstellung – der C-173 kann aufgrund fehlender Züchter und damit fehlender Tiere keine Ausstellung mehr organisieren – zur Verfügung gestellt werden. Und: Die Beteiligung am Straßenfest ist zumindest im bisherigen Umfang nicht mehr möglich.Werbung
24 Mitglieder, darunter vier aktive Züchter, zündeten längst das letzte Fünkchen Hoffnung auf eine Wende. Schließlich haben sie viel Arbeit, viel Freizeit und viel Schweiß in den Traditionsverein investiert. Trotzdem klang Horst Knittels Jahresbericht ein wenig nach einem schmerzhaften Abschied von lieben Gewohnheiten. Schlimm genug, dass der Verein nun schon zum zweiten Mal keine eigene Ausstellung ausrichten konnte und dass es müßig sei zu glauben, dass sich das im aktuellen Zuchtjahr 2012 bessern wird. "Das ist leider angesichts des hohen Alters der Züchter zu bezweifeln", klagte Horst Knittel, der mit einer Art "Aufbäumen" darauf hinwies, dass sein C-173 vergangenes Jahr mit immerhin acht Tieren erfolgreich (Walter Dietsche wurde Kreismeister) an der Kreisschau in Zell vertreten war.
Zum Städtlifest konnten laut Knittel noch einmal "alle Kräfte mobilisiert" werden. Das Fest sei "gut für den Verein" gewesen, vor allem finanziell, wie Kassierer Karlheinz Jahns bemerkte, der den Verlust aus dem Vorjahr ausgleichen und den Notgroschen auf der hohen Kante um ein erkleckliches Sümmchen aufstocken konnte. Aber das werde sich in den nächsten Jahren schnell relativieren: "Die fetten Jahre sind zunächst mal vorbei. Wenn sich nichts ändert, geht’s spätestens ab dem übernächsten Jahr kontinuierlich bergab", befürchtete Jahns wohl nicht ohne Grund, denn Horst Knittel kündigte an: "Aus heutiger Sicht haben wir am Straßenfest vermutlich zum letzten Mal teilgenommen, da wir aus Altersgründen sowie wegen der zur Verfügung stehenden Personen einfach nicht mehr in der Lage sind, so ein großes Fest über vier Tage hinweg durchzuführen. Für 2012 sind wir deshalb nicht angemeldet."
Angemeldet bleibt der Kaninchenzuchtverein zu den Veranstaltungen seiner Freunde in Kandern und im elsässischen Waldighoffen. Auch heuer wieder stehen "sehr gesellige Treffen" mit diesen Vereinen auf dem Kalender. Bei den Anlässen, die Knittel im Visier hat, bekommen die Züchter des Vereins, für die Ulla Werner in den vergangenen zwölf Monaten rund 30 Tiere tätowiert hat, die Chance, ihre Langohren fachkundigem Publikum vorzustellen.
Alle anderen Änderungen, die wegen der veränderten Verhältnisse zwangsläufig folgen werden, will die Vorstandschaft mit den Mitgliedern bei den regelmäßigen Monatsversammlungen zeitnah diskutieren. Am Donnerstag gab’s erste Vorschläge, wie das Vereinsvermögen künftig zu verwenden sei. Noch sperrt sich Knittels Team gegen die "Geldverschwendung".
Zusammen mit den wiedergewählten Vorstandsmitgliedern Hanspeter Werner (2. Vorsitzender), Kassierer Karlheinz Jahns, den zwei Beisitzern Edwin Feller und Max Räuber sowie den beiden Kassenprüfern Hans Metzger und Ferdinand Leber, wollen sie darauf achten, dass der Verein in einer Form erhalten bleibt, die es ohne Probleme ermöglicht, auf bewährten Traditionen neu aufzubauen.
Autor: Hans-Jürgen Hege
