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20. März 2017 17:08 Uhr

Neue Sonderausstellung "Sesam öffne dich"

Schopfheims Museum öffnet seine Schatztruhe

Die neue Sonderausstellung "Sesam öffne dich" im städtischen Museum ist seit Sonntag geöffnet – präsentiert werden 270 ganz besondere Objekte.

  1. Zu den Schätzen, die gezeigt werden, gehören historische Stammbüchern und Poesiealben von Schopfheimer Familien Foto: Roswitha Frey

  2. Flaschen aus der früheren Brauerei Herbster Foto: Roswitha Frey

  3. und beispielsweise dieser Feuerwehrhelm von 1900. Foto: Roswitha Frey

SCHOPFHEIM. Einen Blick in seine Schatzkammer gewährt das Museum der Stadt in der neuen Sonderausstellung "Sesam öffne dich". Für diese Schau hat Museumsleiterin Ulla K. Schmid 270 Gegenstände, die sonst im Magazin schlummern, ans Licht geholt. Es handelt sich um eine Auswahl von 270 Objekten, die in den vergangenen 15 Jahren für die Sammlung angeschafft wurden. Teils sind es Ankäufe, zum überwiegenden Teil Schenkungen.

"Das Museum öffnet seine Schatztruhe", sagte Bürgermeister-Stellvertreter Ruthard Hirschner bei der Vernissage am Sonntag. Ulla K. Schmid erläuterte den Gästen die Vielfalt der Exponate und dankte den 46 Privatpersonen aus Schopfheim, Hausen, Gresgen, Tegernau, Häg-Ehrsberg, Maulburg, Steinen, Lörrach, Rheinfelden, Weil, Mannheim und München, die dem Museum historische Stücke überlassen haben. Es wurden Dinge hervorgeholt, die für die Schopfheimer Stadtgeschichte bedeutsam oder originell und ungewöhnlich sind.

Unter zeitgeschichtlichen Aspekten verwies Schmid auf zwei Kinderkleider aus der schweren Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als es an allem mangelte. Diese Kleidchen sind mit Liebe und Fürsorge aus Stoffresten und ausrangierten Kleidungsstücken zusammengenäht. Ebenso berührend ist eine Puppenstube von 1942 im Stil einer Schwarzwaldstube, die der Schopfheimer Volksschullehrer Oskar Hoppe für seine Töchter gefertigt hat. Von Hoppe sieht man überdies ein Winterbild der alten Villa Jutzler.

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Interessante Dokumente der Schopfheimer Gewerbegeschichte sind eine Kuchenplatte und Lieferantenrechnungen aus der 1890 gegründeten Konditorei Dattler, eine Waage aus dem ehemaligen Café Schwarzwaldstübli sowie Flasche und Glas der einstigen Brauerei Winterhalter, belegt um 1914, eine Sprudelflasche aus der einstigen Limonaden- und Mineralwasserfabrik Adolf Castelli. In einer Vitrine sieht man Flaschen und Gläser aus der früheren Bierbrauerei Herbster sowie Kleiderbügel aus dem ehemaligen jüdischen Textilgeschäft Hirschel. Als einzigartige Zeitzeugnisse wertet Schmid das kostbarste Stück, das prächtige Hochzeits- und Familienbuch der Eheleute Anna Kym-Krafft und Camyll Kym von 1878. Im Original liegt es in der Vitrine aus, als Kopie kann man es in der Leseecke in aller Ruhe anschauen.

Zu den wertvollen Dokumenten gehört auch das Stammbuch der Ernestine Gottschalk, Tochter des Fabrikanten Ernst Friedrich Gottschalk, mit gezeichnetem Porträt und Widmung des Vaters. Weitere Stammbücher historischer Persönlichkeiten und Familien der Stadt sowie ein schönes Poesiealbum von Martha Mayer, Tochter aus einer Schopfheimer Gastwirts-Familie, sind in der Erinnerungs-Vitrine aufbewahrt. Als "medizinisches Relikt" gilt der Hebammenkoffer einer Hebamme aus Tegernau, die 35 Jahre lang im Kleinen Wiesental gewirkt hat. In dem Koffer befindet sich unter anderem ein hölzernes Hörrohr.

Einen breiten Teil der Schau machen schulgeschichtliche Gegenstände vom Theodor-Heuss-Gymnasium und der Friedrich-Ebert-Schule aus – darunter beeindruckende Schulwandbilder von 1900/1930 mit detailgenau gemalten naturkundlichen Darstellungen von Korallen, Pilzen oder einer Sandwespe.

Feuerwehrhelm und "Volksgasmaske"

Solche Schulwandbilder aus dem Mikrokosmos der Natur dienten einst als Anschauungsmaterial im Unterricht und werden heute, so Schmid, "antiquarisch teuer gehandelt". An einstige Pennäler-Zeiten erinnern eine Schulbank und ein Schulranzen aus Fahrnau um 1950.

Ebenfalls zu sehen sind Produkte aus dem früheren Handarbeitsunterricht an der Volksschule und dem Gymnasium, vom Handarbeitsbeutel über gestrickte Waschlappen bis zur Nähtasche.

In ihrer Einführungsrede listete Ulla K. Schmid einige Superlative auf: Das älteste Stück ist ein koloriertes Belagerungsspiel von 1820, das jüngste ein Telefon mit Wählscheibe aus der Schopfheimer Stadtverwaltung – etwas, das die junge Handy-Generation nicht mehr kennt.

Das herzigste Exponat ist eine bestickte Puppenschürze, das kleinste die Figürchen der Zinnsoldaten-Sammlung, das leichteste die Tischdecke aus feinster Filethäkelei und Seidengarn von 1930, und das unheimlichste die Volksgasmaske von 1939, die in der Kriegszeit in jedem Haushalt vorhanden sein musste. In der Vitrine "Besonderes" entdeckt man einen Feuerwehrhelm der Freiwilligen Feuerwehr Schopfheim um 1900.

Alle diese Objekte aus dem Magazin, die erstmals öffentlich gezeigt werden, geben Einblick in die umfassende Sammlung des Museums.

Die Ausstellung läuft noch bis 18. Juni, geöffnet mittwochs 14 bis 17 Uhr, samstags 10 bis 17 Uhr, sonntags 11 bis 17 Uhr.

Autor: Roswitha Frey