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16. April 2011

Stunde mit dem "Knöpfles-Wäscher"

Der Mundartautor Wolfgang Wulz erteilte Neuntklässlern am Gymnasium humorvoll eine Lektion in Schwäbisch.

  1. „Mundart in der Schule“: Wolfgang Wulz erteilte der Klasse 9c am Theodor-Heuss-Gymnasium humorvoll in eine Lektion in Schwäbisch. Foto: Marlies Jung-Knoblich

SCHOPFHEIM. Aigschlofe, wie es im Schwäbischen heißt, ist gestern in der Klasse 9c keiner. Im Gegenteil: Wolfgang Wulz, überzeugter Schwabe, weckte das Interesse der Schülerinnen und Schüler für die Mundart. Seine Spezialität sind schwäbische Neckereien und Spitznamen. Als gebürtiger Heidenheimer nennt sich Wolfgang Wulz den "Knöpfles-Wäscher".

Knöpfle sind in diesem Fall Knödel. Selbige fielen einer Frau auf dem Weg zu ihrem Mann, der in der Fabrik schaffte, bei einem Sturz aus dem Korb und wurden schmutzig. Statt sie nun wegzuwerfen, wusch sie die Knöpfle im Dorfbrunnen akkurat ab. Der Mann schöpfte keinen Verdacht, aß die Knödel, fand sie nur ein wenig kalt … Deshalb, so Wolfgang Wulz, werden die Heidenheimer die Knöpfles-Wäscher genannt. Knödel seien das Leib- und Magengericht in Heidenheim.

Seinen Besuch am Theodor-Heuss-Gymnasium hatte Markus Manfred Jung, Klassenlehrer der 9c, organisiert. Beide Autoren kennen sich über den Arbeitskreis "Mundart in der Schule", ins Leben gerufen von der Muettersproch-Gsellschaft (alemannisch) und dem Verein "schwäbische mund.art".

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Das Schwäbische ist dem Alemannischen in vielen Begriffen verwandt, was Wolfgang Wulz, Studiendirektor für Deutsch und Geschichte am Goldberg-Gymnasium Sindelfingen, am Beispiel "schwäbischer Schulalltag" veranschaulichte. Da kommen die Schüler ins Klassenzimmer "naigsaut" (alemannisch ine grennt oder auch ine gsäcklet), haben sich neighoggd (ane ghockt) oder sind einfach aigschlofe (igschlofe). Ganz nebenbei erfuhr die Klasse, dass Baden-Württemberg in drei Mundartregionen eingeteilt ist: Fränkisch, Alemannisch, Schwäbisch. Den reinen Dialekt gibt es nicht, er kann viele Unterformen haben, sich sogar von Nachbarort zu Nachbarort unterscheiden. Für die Kartoffel gebe es etliche Varianten in Mundart, die von der gängigen Bezeichnung Chrumbiere, über Herdöpfel bis hin zur Erdnuss reiche. Wolfgang Wulz ist auf der Suche nach Necknamen den alten Dorfgeschichten gefolgt. Er fand nicht nur humorvolle Anekdoten, sondern stellte auch fest, dass sich hinter vielen Spitznamen auch die schwäbische Mentalität erkennen lässt. Beispielsweise bei den "Froschableckern" von Breitenholz. Als einem armen Bauern ein Frosch in die Flädlesuppe hüpfte, die ihm seine Frau gebracht hatte, zog der Mann den Frosch beherzt aus der Suppe und schleckte ihn ab, um nichts von der Suppe zu vergeuden. Ist das der sprichwörtliche Geiz des Schwaben? Mitnichten. Wolfgang Wulz erkennt darin die Sparsamkeit des Schwaben. Denn: Geizig seien die Reichen, die viel haben, aber nichts abgeben wollen; sparsam die Armen, die nichts haben und es sich nicht leisten können, das bisschen, das sie haben, zu verlieren. Markus Manfred Jung hatte die Schüler gebeten, selbst einmal zu ergründen, ob es Spitznamen für Orte in der hiesigen Region gibt. Ein Schüler fand heraus, dass Zeller "Schießhäfe" genannt werden, wenn er auch den Grund nicht kenne; Gersbacher werden Wölfe genannt. Vielleicht, weil sie so wild seien, vermutet der Schüler. Zum Schluss gab’s noch einen Sprachtest: "Schwäbisch für Rei’gschmeckte". Kein leichtes Teil. Schwäbische Begriffe galt es, ins Alemannische zu übersetzen. Bei 25 Fehlern und mehr heißt es: Ausweisung aus dem Ländle.

Markus Manfred Jung und Wolfgang Wulz lesen mit anderen Autoren heute, Samstag, um 20 Uhr im Museumskeller in der Mundart-Literaturwerkstatt.

Autor: Marlies Jung-Knoblich