Wer hat Gift in den Cocktail getan?

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 14. Februar 2012

Schopfheim

Beim "Dinner-Krimi" in der Alten Stadtmühle dürfen die Gäste raten, wer der "Mörder" ist / Echte Schauspieler agieren.

SCHOPFHEIM. Der Hochzeitsmarsch ertönt. Das Brautpaar kommt strahlend die Treppe hinab und begrüßt die erwartungsvolle Festgesellschaft. Doch aus der fröhlichen Feier wird bald ein Krimi- und Ehe-Drama: Ein gellender Schrei, eine vergiftete Bloody Mary, eine Köchin als falsches Mordopfer, eine Braut mit mysteriöser Vergangenheit und schon geht das Rätselraten los: Wer hat das Gift in den Cocktail getan? Wem galt der mörderische Drink?

Die Gäste beim ersten "Dinner-Krimi" in der Alten Stadtmühle Schopfheim durften Detektiv spielen und raten, welcher Verdächtige bei dem Theaterstück "Mord am Hochzeitsabend" der Täter oder die Täterin war. Für Gesprächsstoff zwischen den Menü-Gängen, für Unterhaltung und eine Prise Spannung und Nervenkitzel war jedenfalls gesorgt bei dieser gelungenen Kombination von kulinarischen Köstlichkeiten und Krimiszenen.

Erstmals war die Freiburger Theatergruppe "Freistil", die mit ihren Dinner-Krimis zwischen Freiburg und Zürich unterwegs ist, bei Rose Meyer und Herbert Schilling in der Alten Stadtmühle zu Gast. Das Restaurant in der Altstadt gab den perfekten Schauplatz für den Vierakter von Christian M. Schulz ab, der zugleich in die Rolle des Bräutigams schlüpfte. Die Premierengäste sitzen mittendrin im Geschehen, geben als "Statisterie" die Festgesellschaft ab und werden teilweise auch ins Spiel mit einbezogen. Das geht witzig los, wenn das Brautpaar von Tisch zu Tisch wandelt und die "Hochzeitsgäste" vorstellt: Die Adoptiveltern der Braut, die beste Freundin, der Ex-Tanzpartner, Angestellte der Firma des Bräutigams, Freunde aus dem Golfclub, und nicht zu vergessen "Onkel Roland", der immer wieder ins Spiel eingebunden wird und humorvoll-schlagfertig mitspielt.

Erst wird mit Sekt angestoßen, der Bräutigam führt launig das große Wort. Christian M. Schulz gibt überzeugend den selbstgefälligen, überheblichen, schwerreichen Industriellen Thomas Fischer, der seine Frau Sandra an einem anrüchigen Ort kennen gelernt hat: Sie war Tänzerin im Nachtclub "Blue Angel". Simone Ott spielt die Braut Sandra in tief dekolletierter Hochzeitsrobe mit Schleier, schwelgt in schönsten Liebesgefühlen und himmelt ihren frisch angetrauten Gatten an. Doch bald kommt heraus, dass die Dame in Weiß eine bewegte Vergangenheit und einiges zu verbergen hat und schon sechs Mal verheiratet war...

Die Emotionen kochen hoch, Eifersucht, Gefühlsdramen, Familienfehden, Verdächtigungen, Heimlichkeiten, Lügen, versteckte Briefe, verräterische Bilder, eine Notiz vom Notar, gar ein ominöses Fläschchen in der Handtasche der Braut bringen Spannung ins Spiel. Erst recht spannend wird es, als sich der Moral und Sitte predigende Herr Pfarrer, züchtig-verklemmt dargestellt von Christian Packbier, als glühender Verehrer der Braut herausstellt und diese mit Liebesbriefen bombardiert hat. Steckt hinter der frommen Maske ein Möchtegern-Casanova?

Zwischen den Tischen, hautnah dran an den Zuschauern, agieren die drei ausgebildeten Schauspieler mit Verve, Temperament und spontan-improvisatorischem Geschick in diesen Szenen, bei denen sich alles um die Frage dreht: Wer hat sich heimlich am Cocktail zu schaffen gemacht? Wer trachtet dem reichen Firmenchef nach dem Leben? Ist die Braut nur auf sein Vermögen aus?

Das schwarze Schaf der ehrbaren Familie

"Da geht's bestimmt ums Geld!", mutmaßen die Gäste, die zwischen den Krimi-Akten das dazu passend kreierte Menü genießen: "Miss Marples Rose vom verruchten Lachs an zwielichtiger Sauce...", "Agatha Christies mörderische Bloody Mary" und die "blutrünstige französische Entenbrust...".

Blutrünstig geht's glücklicherweise nicht zu während des Krimispiels im stilvollen Ambiente, und anders als bei der Queen of Crime taucht auch kein Detektiv auf, um den Fall zu lösen. Dafür hält Bräutigam Thomas seine "Hochzeitsgäste" auf dem Laufenden und berichtet, dass die Polizei den Pfarrer zum Verhör mitgenommen hat… In der letzten Szene tritt ein weiterer Verdächtiger auf den Plan: Der enterbte Bruder, ein Rockertyp in Jeans und Lederjacke, platzt in das Fest, wird ausfällig, tobt herum, bezichtigt seinen Bruder als kalten, herzlosen Heuchler und Mörder.

Christian Packbier als "schwarzes Schaf" der feinen Familie sorgt für Zoff und Actionszenen. Da geht es heftig und handgreiflich zu in diesem Bruderzwist um die schöne Sandra und das Firmenerbe. Nach vier Spielszenen und vier Gängen dürfen sich die Krimi-Gourmets als Ermittler betätigen und auf einem Zettel ihren heißen Tipp notieren. Die meisten tippen auf die Braut. Doch war sie es wirklich oder war es doch der unglücklich verliebte Pfarrer? Oder der aggressive Bruder? Wer war's? Das wird nicht verraten. Einer der Gäste, der richtig getippt hat, bekam eine vom Haus spendierte Flasche Wein.

Weitere Dinner-Krimis mit "Mord am Hochzeitsabend" in der Alten Stadtmühle finden am 23. März und 20. April statt, Beginn 19 Uhr. Der März-Termin ist ausgebucht, für die April-Vorstellung gibt es noch Karten, Tel. 07622/2446 .