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28. April 2016

"Wildhouse" steht für super Blues

Zum 50. Konzert gaben sich Bluesmusiker aus Europa ein Stelldichein im Waldhaus Schweigmatt / Wirt Ühlin hatte volles Haus.

  1. Live at the Wildhouse: Bluesgrößen gaben sich zum 50. Konzert ein Stelldichein, darunter waren Miguel Talavera und Joan Paa Cumellas aus Barcelona Foto: Martina David-Wenk

  2. Mr. Blue Rivers aus Basel und Foto: Martina David-Wenk

  3. Magda Piskorczyk aus Polen. Foto: Martina David-Wenk

RAITBACH. Strahlende Gesichter allenthalben, auch beim Wirt Frank Ühlin und dem musikalischen Leiter Klaus Deuss, beim 50. Konzert im Waldhaus in Schweigmatt. Deuss konnte sein Glück kaum in Worte fassen. Und Frank Ühlin sieht sich durch die Erfolgsgeschichte der Blueskonzerte in Schweigmatt bestätigt.

Wo anfangen bei der großen Bluesnacht auf der Schweigmatt? Zuallererst bei der ganz einmaligen Atmosphäre in einem der hintersten Winkel des Landkreises. Der Wald beginnt gleich hinterm Haus. Wenn es denn nicht geschneit und geregnet hätte, läge einem das ganze Wiesental samt Basel zu Füßen. "Als mich nach einem Konzert im Tal Frank Ühlin um Unterstützung für eine Bluesreihe in Schweigmatt bat, habe ich ihn für verrückt erklärt," sagt Klaus Deuss, der auch in Weil am Rhein die Blueskonzerte organisiert.

"Drei Probekonzerte hatten wir vereinbart, und dann wollten wir weiterschauen. Und daraus sind nun 50 Konzerte geworden." Alte Bekannte treffen sich an der Theke, den Musikern begegnet man im Gang und im Treppenhaus – es gibt kaum einen Veranstaltungsort in der Regio, bei dem sich Musiker und tanzende Gäste so nahe sind wie auf der Schweigmatt im Waldhaus. Auch Schopfheims Bürgermeister Christof Nitz hat sich als Bluesfan geoutet und geschwärmt, wie ihm das Waldhaus mit seinen Konzerten ans Herz gewachsen sei.

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Irgendwann ist bei einem Musiker aus dem Namen Waldhaus "Wildhouse" geworden, womit die Reihe ihren Markennamen gefunden hat. "Live at the Wildhouse" beschreibt diese besondere Atmosphäre aus Countryclub und hochklassigem Blues perfekt. "Wir sind hier alle eine Familie," lobt Frank Ühlin das Organisationsteam der Blueskonzerte. Die Vereinsmitglieder des im Herbst 2015 gegründeten Vereins Exbluesive helfen selbstverständlich mit, doch zieht die Reihe noch weitere Kreise. Die örtliche Feuerwehr organisiert die Parkplatzsuche, und die DLRG hat ihr Zelt gestiftet. Man hilft sich, wo man kann. Auch für die Musiker, die zum Jubiläum gekommen sind, ist das Waldhaus eine besondere Adresse. Elf sind für den Jubiläumsgig vorbeigekommen, mit "höchstens der Hälfte" hatte Klaus Deuss bescheiden gerechnet. Kai Strauss und die Electric Blues Allstars waren für diesen Abend gebucht, elf weitere kamen dazu – wie sollte das Programm bis 22 Uhr bewältigt werden? Doch hier oben beschweren sich höchstens Fuchs und Hase, und so stand den vielen musikalischen Begegnungen also nichts im Weg.

Die europäische Crème der Bluesmusiker treffe sich im Waldhaus, sagt Klaus Deuss. René Hemmig aus Basel ist sogar "Exbluesive"-Mitglied. Seine Formation "Mr. Blue and the tight groove" verwandelte zum ersten Mal das Waldhaus in einen Bluesclub aus dem schwärzesten Chicago. Die bekannten Stücke "Kansas City" oder Jimi Hendrix’ "Hey Joe" waren so nahe am traditionellen, landläufigen Blues und keinesfalls angestaubt. Sänger Mr. Blue Rivers sang sich in die Herzen der Zuhörer, spätestens als er musikalisch noch beim Reggae vorbeischaute. Blues ist eine Seelenmusik, und die klingt je nach Region unterschiedlich und ähnelt sich trotzdem.

Miguel Talavera und Joan Pao Cumellas aus Barcelona brachten einen ganz anderen Blues mit, schneller, südländischer und moderner , ihnen gelingt die perfekte Symbiose. Joan Pao Cumellas an der Mundharmonika war ein absolutes Ereignis. Alle warteten auf Magda Piskorczyk. Vier Jahre ist es her, als sie selbst die Kenner der Szene im Waldhaus überraschte. So viel Blues hat die Musikerin aus Polen in ihrer Stimme, und es sieht so aus, als entstamme sie einem Rollenspiel im Elfenland. Blues ist bei weitem keine Männerdomäne, auch Sängerinnen lieben die Atmosphäre am Rande des Schwarzwalds im Schopheims Teilort. Solche Abende lassen es einem warm werden, egal wie es draußen aussieht.

Autor: Martina David-Wenk