Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

06. November 2015

Windkraft Rohrenkopf ist genehmigt

Landratsamt Lörrach traf die Entscheidung am Montag / Behörde beurteilt nach Daten und Fakten.

GERSBACH (BZ). Am Montag, 2. November, hat das Landratsamt Lörrach den Antrag der Bürgerwind Entwicklungs-GmbH & Co. KG, Schönau, den Bau und Betrieb von fünf Windkraftanlagen auf dem Rohrenkopf genehmigt. Die Anlagen mit einer Nabenhöhe von 149 Metern und einer Gesamthöhe von 206 Metern haben eine installierte Leistung von insgesamt 15 Megawatt und sollen nördlich von Gersbach im Waldgebiet Rohrenkopf erstellt werden. "Das Verfahren war enorm aufwändig, nicht zuletzt wegen des großen Interesses der Öffentlichkeit und einer gut organisierten und der Begleitung durch eine Bürgerinitiative in Gersbach, die ihre Anliegen mit organisiert und kompetent eingebracht hat", betont Ulrich Hoehler, Erster Landesbeamter und Leiter des Dezernats Mobilität, Umwelt und Strukturpolitik.

Im Zuge des Verfahrens nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz fand eine Vielzahl von öffentlichen Informationsveranstaltungen statt. Das Landratsamt nahm an mehreren Gemeinderats- und Ortschaftsratssitzungen in Schopfheim und Gersbach teil, um über die Sach- und Rechtslage zu informieren. In den Informationsveranstaltungen wurden das Landratsamt, die Stadt Schopfheim und die Gemeinde Hasel von dem professionellen Mediations- und Moderationsteam Ewen aus Darmstadt unterstützt.

Werbung


"Das Landratsamt als Genehmigungsbehörde hat viel Verständnis für die Sorgen und Befürchtungen der betroffenen Bürgerinnen und Bürger in und um Gersbach. Wir haben uns deshalb gemeinsam mit dem Team Ewen bemüht, um in der zum Teil auch emotionalen Diskussion zu informieren und Fakten darzulegen sowie Ängste und Befürchtungen auszuräumen", so Ulrich Hoehler. "Als Behörde haben wir letztlich auf der Basis von Daten und Fakten zu entscheiden und bestimmte Belange gegeneinander abzuwägen."

Lärm/ Schattenwurf: Von vielen Gersbachern wurden Befürchtungen geäußert, dass es zu schädlichem Lärm – vor allem nachts – und zu Schattenwurf durch die Anlagen/die drehenden Rotorblätter kommen würde. Die Gutachten belegen allerdings, dass die nach den gesetzlichen Vorgaben zulässigen Werte zum Teil deutlich unterschritten werden. Versagungsgründe für eine Genehmigung seien daraus nicht abzuleiten.

Infraschall: Der für das menschliche Gehör nicht wahrnehmbare, tieffrequente Schall hat, so aktuelle Untersuchungen des Landes Baden-Württemberg, bei Einhaltung der Vorsorgeabstände keine negativen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Die Menschen seien im Siedlungsbereich somit keinerlei Gefahren ausgesetzt.

Naturschutz und Tourismus:
Dass Tourismus durch Windkraftanlagen negativ beeinflusst wird, lasse sich durch belastbare Untersuchungen nicht bestätigen, insofern sei diesem Aspekt keine Bedeutung zuzumessen. Dass der Bau der Anlagen allerdings einen erheblichen naturschutzrechtlichen Eingriff darstellt, sei unbestritten. Insofern wurden dem Antragsteller umfangreiche Naturschutz- und Landschaftspflegemaßnahmen als Ausgleich auferlegt. Ebenso erheblich sei der Eingriff in das Landschaftsbild. Dieser könne im konkreten Fall allerdings weder minimiert noch kompensiert werden. Deshalb, so die Entscheidung des Landratsamtes, hat der Antragsteller nach entsprechenden gesetzlichen Vorgaben des Landes Baden-Württemberg eine erhebliche Summe an die Stiftung Naturschutzfond Baden-Württemberg als Ersatzzahlung zu leisten. Mit solchen Mitteln werden regelmäßig Natur- und Artenschutzmaßnahmen im Land gefördert.

Artenschutz: Im Wesentlichen ging es um besonders und streng geschützte Arten, die im Bereich Gersbach/Rohrenkopf vorkommen. Im Vordergrund standen Fledermäuse und Rot- bzw. Schwarzmilan. Über Begutachtung könne belegt werden, dass durch den Bau und Betrieb der Anlagen keine signifikante Erhöhung des Verletzungs- und Tötungsrisikos für die Arten verbunden sei. Für die Fledermäuse wurde zudem ein Monitoring festgelegt, um eventuell in Zukunft notwendige Abschaltzeiten fixieren zu können. Für weitere Arten wie Waldschnepfe oder Haselmaus seien dem Antragsteller Vermeidungs-/Minimierungs- und Kompensationsmaßnahmen auferlegt worden.

Wasserversorgung /Quellschutz:
Dieser Aspekt sei von besonderer Bedeutung, da die Quellen und deren Einzugsbereich im Gebiet Rohrenkopf für die öffentliche und private Wasserversorgung von Gersbach/Schopfheim eine maßgebliche Rolle spielen. Dem Antragsteller wurde auferlegt, vor Baubeginn eine hydrologische/hydrogeologische Begutachtung vorzulegen, die eindeutig belegt, dass keine Beeinträchtigungen durch den Bau der Windkraftanlagen zu erwarten seien. Andernfalls werde die Genehmigung nicht rechtswirksam, es könne also nicht gebaut werden.

Autor: bz