Schub für die Denkmalpflege

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Sa, 08. September 2018

Buchenbach

Staatssekretärin Katrin Schütz besucht auf ihrer Denkmalreise auch die beiden Gemeinden St. Peter und Buchenbach.

ST. PETER/BUCHENBACH. Auf ihrer viertägigen Denkmalreise durch alle vier Regierungsbezirke Baden-Württembergs machte Katrin Schütz, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium von Baden- Württemberg, auch im Regierungsbezirk Freiburg Station. Hier besuchte sie unter anderem das Raucherhäusle im Ensemble der ehemaligen Benediktinerabtei in St. Peter und die Vaterunser-Kapelle in Unteribental. Schütz wurde begleitet von fachkundigen Vertretern aus dem Landesdenkmalamt und dem Freiburger Regierungspräsidium.

Raucherhäusle

Inmitten der ausladenden Freifläche vor dem ehemaligen Priesterseminar innerhalb der Klostermauern in St. Peter wurde die Staatsbeamtin von Bürgermeister Rudolf Schuler und dem für Immobilien und Baumanagement beim Erzbischöflichen Ordinariat zuständigen Hauptabteilungsleiter Linus Becherer begrüßt. Katrin Schütz umriss den Zweck ihrer Reise mit der Werbung für die wertvolle Arbeit der Denkmalpflege und zitierte hierzu mit "Entdecken, was uns verbindet" das Motto des Tages des offenen Denkmals am morgigen Sonntag. "Wir wollen zeigen, dass Denkmale mehr sind als Statuen oder Bauten, sie können Brücken schlagen – zwischen Baustilen, Regionen, Kulturen und Menschen", sagte Schütz.

Beim Raucherhäusle handelt es sich um eine denkmalpflegerische Kuriosität. Es ist die eine Hälfte eines Doppelhauses, das von der Klostermauer quasi zerschnitten wird. Der eine Teil ragt nach außen und beherbergt eine Schuhmacher- und Ski-Werkstatt und gehört zur weltlichen Gemeinde, das Raucherhäusle weist dagegen nach innen zur Abtei. In seinem einzigen Raum sind Wandmalereien in Graffiti-Form und comicartige Karikaturen bruchstückhaft erhalten: Sie stammen von ehemaligen Zöglingen des Priesterseminars aus der Zeit von Ende des 19. Jahrhundert bis zum frühem 20. Jahrhundert.

Der Historiker Hans-Otto Mühleisen erzählte der staunenden Delegation, dass das Raucherhäusle 1862 in einem Text von Heinrich Hansjakob, der selbst dort als Priesteranwärter lebte, erwähnt ist.Es sei der einzige Raum in der riesigen Klosteranlage gewesen, in dem die Priester-Zöglinge ihrem Laster frönen durften und in dem sie durch das Bemalen der Wände Zeugnis über ihr Stimmungsbild ablegten.

Besonders kommt dies in dem noch erhaltenen Graffiti zum Ausdruck, das die beiden Respektspersonen, Spiritual und Regens, als Gärtner mit Gießkanne und Hacke darstellen, die eine große Zahl von aufkeimenden Zöglingen in Blumentöpfen als ihre Saat begießen, deren karikierte Mienen aber alles andere als Fröhlichkeit oder Erfüllung ausstrahlen.

Die Besucher waren sich einig, dass es sich beim Raucherhäusle weniger um ein bauhistorisch oder künstlerisch besonders wertvolles Denkmal handelt, wohl aber um ein originelles und deshalb erhaltenswertes Zeitdokument. Derzeit werden am Gebäude Notsicherungsmaßnahmen an der Bausubstanz ausgeführt.

Vaterunser-Kapelle

Die Fahrt durch den Eichwald führte die Delegation hinunter ins Ibental zur Vaterunser-Kapelle. Die Privatkapelle wurde 1964 von dem Verleger Theophil Herder-Dorneich und seiner Frau Elisabeth gestiftet und stellt ein architektonisch komplex gestaltetes Gesamtkunstwerk der frühen Moderne dar. Es wird heute von der Stiftung "Oratio Dominica" getragen.

Mechtild Herder, Schwiegertochter Herder-Dorneichs und Mitglied im Vorstand der Trägerstiftung, erläuterte nach Begrüßung der Gäste den Anlass für den Kapellenbau. "Theophil erlebte im Ersten Weltkrieg als Soldat in Frankreich, wie an den Gräbern der Gefallenen Gläubige verschiedener Konfessionen gemeinsam das Vaterunser gebetet haben." Dies habe ihn so beeindruckt, dass er eine diesem Gebet gewidmete Kapelle bauen wollte, als Ort für Gottesdienste für Frieden unter den Völkern, Konfessionen und Religionen. Die habe er nach Beendigung seiner Verlegertätigkeit in den Sechzigerjahren verwirklicht. Erst im vergangenen Jahr ist die Vaterunser-Kapelle als Kulturdenkmal anerkannt worden.

Konzeptionell und damit die Architektur bestimmend ist die enge Verbindung des Vaterunser-Gebetstextes mit der biblischen Schöpfungsgeschichte. Der Text ist auf die Segmente des sechseckigen Grundrisses verteilt. In den Nischen befinden sich skulpturartige Ausdrucksformen der Elemente und Symbole der siebentägigen Schöpfung verknüpft mit den sieben Bitten des Gebets.

Monika Loddenkemper vom Landesdenkmalamt in Freiburg verwies auf den neuzeitlichen Materialmix aus Holz, Blech, Sichtbeton und Naturstein, der durch und durch künstlerisch ausgeklügelt angeordnet worden sei. Allerdings seien einzelne Materialien am Ende ihrer Lebenszeit angekommen, und es gelte jetzt, den Originalzustand zu erhalten oder wieder herzustellen.

Der von der Stiftung für Sanierungsarbeiten beauftragte Architekt Alexander von Marschall und der Restaurator Eberhard Grether verdeutlichten dies an der Betonaußenfassade, die ursprünglich mit einer Lasur versehen worden sei, die sich teilweise abgenutzt habe und deren Ursprungsfarbe sich unter Einfluss des Sonnenlichts verändert habe. Damit keine Feuchtigkeit in die Stahlarmierung dringt, müsse nun der Beton unter Berücksichtigung des richtigen Farbtons neu beschichtet werden.

Katrin Schütz zeigte sich beeindruckt und wies auf den großen Aufwand hin, der bei einer denkmalgerechten Sanierung betrieben werden müsse. Sie versicherte, dass alle aktiv und vielfach ehrenamtlich in der Denkmalpflege engagierten Menschen mit der Unterstützung der zuständigen staatlichen Stellen rechnen könnten. Sie äußerte die Hoffnung auf viele Besucherinnen und Besucher, die sich am Sonntag beim Tag des offenen Denkmals "ein eigenes Bild von der hervorragenden Arbeit der Denkmalpflege machen können". Schütz lud dann auch alle zur offiziellen Eröffnungsveranstaltung am Samstag, 8. September, 15 Uhr, im Historischen Kaufhaus in Freiburg ein.