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30. April 2015

Auf ein Käffchen ins Satz

Das Café Satz im Freiburger Stadtteil Stühlinger ist alles andere als ein normales Café .

  1. Kaffeekultur auf rotem Plüschsofa Foto: privat

  2. Hängt über dem Eingang Foto: privat

Auf dem Schild, das draußen über dem Eingang hängt, steht "Café Satz – Lesen und Genießen". Ich gehe hinein. An der Tür steht, dass das Café von Montag bis Freitag zwischen 13 und 18.30 Uhr geöffnet hat. Daneben hängt ein Zettel, der an die Lesung für Kinder erinnert, die jeden ersten Mittwoch im Monat stattfindet. Außerdem können die Räumlichkeiten des Cafés zum Beispiel für Konzerte, Vorträge, Filme und private Feiern gemietet werden.

Ich betrete das Café Satz und staune wie immer über die vielfältige und ausgefallene Zusammensetzung der Einrichtung. Am bequemsten erscheint mir heute der gepolsterte Sessel weiter hinten. Nachdem ich mich gesetzt habe, greife ich nach der Getränkekarte, die neben einer Blumenvase und einer Kerze auf dem Tisch steht. Die Karte sieht aus wie ein Comic, auf dessen ersten paar Seiten die Getränke aufgelistet sind. Was nehme ich heute – die Bio-Rhabarber-Limonade oder doch lieber eine Tasse mit fair gehandeltem Kaffee aus biologischem Anbau? An der Theke suche ich mir eines der leckeren, selbstgebackenen Kuchen- und Tortenstücke aus.

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Nach dem Bestellen betrete ich durch eine Schiebetür das "S’Antiqua", das Antiquariat neben dem Café. Von Büchern mit den Themen Musik oder Wissenschaft bis hin zu Kinderbüchern und historischen Romanen gibt es hier alle Arten von Lektüre oder CDs. Ein Band spricht mich besonders an, und so nehme ich ihn heraus und kehre zu meinem Platz zurück. Ich schmökere eine Weile in dem Buch und genieße die gemütliche und angenehme Atmosphäre.

Da wird mir auch schon mein Kaffee gebracht und ich wechsele ein paar freundliche Worte mit der Bedienung. Ich liebe die Haltung der Café-Mitarbeiter, denn hier fühle ich mich nicht einfach als Kundin in einem Café, sondern als willkommene Besucherin. Die Mitarbeitenden sind auch gerne zu einem Gespräch bereit. Mit Ausnahme der fest angestellten Leitung Verena Lenz arbeiten hier alle ehrenamtlich. Man spürt, dass jedem hier der Einsatz im Café gefällt. Für Verena ist das Café Satz ein Ort der Begegnung von Menschen unterschiedlichster Nationen und Altergruppen. Und tatsächlich macht die Verschiedenheit und Einzigartigkeit der Leute, die hierher kommen, auch für mich jede Stunde im Café zu einer besonderen und interessanten Zeit.

Besucher des im November 2012 eröffneten Café Satz unterstützen gleichzeitig die Arbeit des "S’Einlädele" auf der anderen Straßenseite. Diese sozialdiakonische Einrichtung wurde schon 1991 gegründet. Es ist ein Second-Hand-Laden, der gleichzeitig Lebensberatung und Seelsorge anbietet. Ausrangierte, aber gut erhaltene Spielsachen, Klamotten, Haushaltswaren, Bücher, Schmuck und vieles mehr können einfach im Laden oder im Café abgegeben werden und werden dort verkauft. Von der Tasse, aus der ich gerade meinen Kaffee trinke, dem grünen Sessel, in dem ich sitze, dem Buch, mit dem ich mich vergnüge, bis zum Klavier in der Ecke, dem Spiegel an der Wand oder der bunten Schirmlampe auf der Fensterbank kann man hier alles kaufen.

Mit den Einnahmen des "S’Einlädele" werden Menschen in der Ukraine unterstützt. Der Laden hilft zum Beispiel die Organisation "Vaterhaus" in Kiew, die 1996 mit dem Ziel gegründet wurde, Waisen- und Straßenkindern und Kindern aus schwierigen Familienverhältnissen zu helfen. Es gibt auch die Möglichkeit, eine Kinderpatenschaft zu übernehmen, um es einem Kind zu ermöglichen, einmal selbst über sein Leben zu entscheiden, anstatt nur ums Überleben zu kämpfen.

Durch seine Hilfe zur Selbsthilfe schafft das Projekt auch Arbeitsplätze zum Beispiel in einer Bäckerei, einem Friseursalon oder einem Bauernhof in der Ukraine. Auch Einzelpersonen vor Ort werden unterstützt, kann ich auf der Homepage des "S’Einlädele" lesen.

Verena Lenz, die selbst vor kurzem in der Ukraine war, erzählt mir von der wirtschaftlichen Not, der großen Unsicherheit und der Wehmut, die Krieg und Inflation in der Bevölkerung hervorgerufen haben. Sie würde am liebsten sofort und überall helfen. Das sei aber natürlich immer nur begrenzt möglich. Aber wenn sie nur an einzelnen Orten und Projekten in der Ukraine Licht bringt und Hoffnung vermittelt, kann sich das multiplizieren und Menschen dazu ermutigen, nicht aufzugeben.

Autor: Eva Kopp, 8b,