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15. Juli 2015 14:16 Uhr

Genealogie

4897 Menschen, 1453 Ehen: Der Stammbaum der Müllerleiles

Der Stammbaum der Müllerleiles ist 50 Meter lang und hat 62 Seiten. Darauf sind 4897 Menschen und 1453 Ehen. Ihre Wurzeln liegen in Schuttertal – viele leben mittlerweile auch in den USA.

  1. Die Teilnehmer am Müllerleile-Treffen auf dem Kasperhof. Foto: wolfgang künstle

"Komplett ist der Stammbaum nicht", sagt Markus Müllerleile. Er muss es wissen. Sein Werk hängt im Dachstuhl des Kasperhofs in Schuttertal. Dort haben sich am Wochenende 170 Menschen getroffen, die eines gemeinsam haben: ihre Wurzeln im Kasperhof oder im gegenüberliegenden Wintererhof.

Es ist das vierte Treffen des Müllerleile-Clans und bei jedem werden es mehr Teilnehmer. Das sagt Christoph Müllerleile, der nicht nur zu den Mitbegründern des Familientreffens gehört. Der Mann aus Oberursel ist auch Organisator. "Zum obligatorischen Familienfoto bitte alle vor das Haus kommen. Starke Männer nehmen bitte eine Bierbank mit", ruft Christoph Müllerleile. Damit ihn alle hören, hat er ein Megaphon in der Hand. "Ladies and Gentlemen, please. The Badische Zeitung is here to take a picture...", kommt es dann in Englisch.

400 Jahre alter Hof des Müllerleile-Clans

Rund 35 Muellerleile, Mullerleile, Mullerlile, Millerlile, Millerlie, Millerleili oder Müllerleily kommen aus den Vereinigten Staaten oder Kanada. William kommt aus dem Bundesstaat Maine. Der Achtjährige ist hin und weg vor Begeisterung. Der Löschteich am Kasperhof wird von der Jugend in Beschlag genommen. Hinein ins Nass heißt es, während andere auf dem Trampolin springen, sich im Wettsägen messen oder einfach auf der Wiese liegen. Die älteren Herrschaften sitzen im Heustock, schneiden die Müllerleile-Familientorte an, die eigens von der Manuela Müllerleile aus Schuttertal fabriziert wurde.

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Der Kasperhof von Martin und Brigitte Müllerleile ist das Älteste noch von der Familie Müllerleile bewirtschafte landwirtschaftliche Anwesen. Gut 400 Jahre alt ist der Hof und gehört mit dem gegenüberliegenden Wintererhof zur Geburtsstätte des Müllerleile-Clans. Dieser hatte sich in zwei Linien geteilt. Die katholische, die im Schuttertal blieb und die evangelische, die über den Langenhard nach Lahr ging.

Wohin wanderten die Müllerleiles aus?

Beiden gemeinsam sind die Wurzeln und die Tatsache, dass Familienmitglieder nach Übersee ausgewandert sind. Das war im 18. und 19. Jahrhundert. Auch Kanada war Ziel der Auswanderer, aber die haben zuvor in der Batschka in Österreich-Ungarn sowie im Banat Rumänien gelebt. Seit Mittwoch wurden Familiengeschichten ausgetauscht. Denn da begann bereits die Anreise. Wanderungen rund ums Schuttertal, die Burg Hohengeroldseck gehörten ebenso zum Programm wie das Blättern in alten Familienalben, das Besichtigen von Ahnentafeln und natürlich das Ergänzen des ewig langen Stammbaums der Familie.

"Vier Einzelstammbäume haben wir jetzt auf 53 Meter vereint", erklärt Markus Müllerleile. Auf Knopfdruck zeigt der Bildschirm nicht nur an, wo und in welcher Konzentration sich die "Müllerleiles" weltweit befinden. Markus Müllerleile kann auch für jeden Einzelnen den verwandtschaftlichen Grad anzeigen. Marianne Muellerleile kommt aus Los Angeles, ist Schauspielerin und hat das erste Müllerleiletreffen im Juni 1997 im US-Staat Iowa organisiert.

170 Nachfahren trafen sich in Schuttertal

Die Kontakte beschränkten sich nicht nur auf die regelmäßigen Treffen. Marianne Mellerleile weiß, dass "One Year in America" oder eines im "Black-Forest-Wonderworld" beim Jugendaustausch schon zustande gekommen ist. Denn eines haben die Auswanderer gemacht: "Die Idylle des Schwarzwalds in den schönsten Farben beschrieben, und das hat sich gehalten", sagt Christoph Müllerleile. Auch wenn sie die Kontakte zur alten Heimat abgebrochen haben. Warum? Manchen ging es im gelobten Amerika nicht besser als der zurückgelassenen verarmten Verwandtschaft. Und im Zweiten Weltkrieg sei man nicht stolz auf Deutschland gewesen und auch nicht erpicht darauf, als Deutscher gesehen zu werden. Was dem Ahnenforscher allerdings beim Blick auf die Nachnamen wie Berberich, Behringer und Kramer auffällt, ist, dass durchaus "im Milieu weitergeheiratet wurde."

Das Idealbild der Heimat

Auffallend sei auch, dass – immerhin sind zwei Drittel der Müllerleiles aus Amerika zum ersten Mal hier – viele sich den Schwarzwald so vorgestellt haben, wie er ist. Für Christoph Müllerleile ein Zeichen, dass die Vorfahren das Idealbild der Heimat gezeichnet und hochgehalten haben.

Und wie geht es mit der Ahnenforschung weiter? "Jetzt haben wir hier noch einen halben Meter, von dem wir nicht wissen, in welchen Zweig er reingehört", so Markus Müllerleile. Hans Mueller-Laulin vor 1600 geboren und seine Ehefrau Barbara Marschner, vor 1606 geboren, stehen jedenfalls ganz oben im Stammbaum.

Das nächste Treffen steht auch schon fest. 2016 gehe es in die USA, nach Oregon oder Washington.

Autor: Bettina Schaller