Der Diener ist’s dann doch nicht gewesen

Reiner Beschorner

Von Reiner Beschorner

Mi, 28. Dezember 2016

Schuttertal

Spannung bis zur letzten Minute im Stück der Trachtenkapelle.

SCHUTTERTAL-DÖRLINBACH (rb). Das Lustspiel "Köberle und die Tote im Bodensee" hat das Publikum bei der Weihnachtsfeier der Trachtenkapelle ohne einen einzigen Schuss bis zur letzten Minute in Atem gehalten. Über den oder die Täter wurde selbst in den Pausen zwischen den drei Akten ausgiebig spekuliert. Obwohl die lange Tradition aus Mangel an Schauspielern im vergangenen Jahr hat unterbrochen werden müssen, hat das Theaterspielen bei der Trachtenkapelle nichts von seiner Attraktivität eingebüßt. "Vielleicht hat die schöpferische Pause der Veranstaltung sogar gut getan", mutmaßte ein Zuschauer, der in den zurückliegenden Jahren keine Vorstellung versäumt hatte.

Die Kriminalkomödie "Köberle und die Tote im Bodensee" von Peter Schwarz ist am zweiten Weihnachtsfeiertag in der fast ausverkauften Festhalle reibungslos über die Bühne gegangen. Der Erfolg ist mit ein Verdienst von Bernhard Griesbaum und Melanie Zehnle, denen es gelungen ist, eine tolle Truppe von talentierten und erfahrenen Laienspielern um sich zu scharen. Das Leitungsduo hat bei der Verteilung der Rollen viel Fingerspitzengefühl bewiesen; auch wenn aus Karl Köberle in der Hauptrolle die Karla Köberle wurde, schienen die Figuren den Akteuren auf den Leib geschrieben und wurden dementsprechend verkörpert.

Die Komödie beginnt mit der Leiterin des Ein-Personen-Polizeipostens, Karla Köberle (Melanie Zehnle), die von ihrem Vorgänger Hermann Schwertle (Hermann Ohnemus) zu einem Segeltörn auf dem Bodensee eingeladen wird. Aufgrund der Unerfahrenheit des Seglers, der sein Hochsee-Kapitänspatent auf dem Prinschbachhütten-See gemacht hatte und dem die Sturmwarnungen auf dem Bodensee fremd waren, sind die beiden Segler mit ihrer Jolle in einen Gewittersturm geraten.

Alle haben ein Mordmotiv

Hohe Wellen hat das ungleiche Paar auf einer Insel, dem Landsitz der Greta Freifrau von Blöneskov (Deborah Ohnemus), angespült. Die Freifrau, deren Schwestern Gudrun und Gerda (Gerlinde Uhl und Theresia Zehnle), die wie Hund und Katz zusammenleben, deren Nichte Celine (Vanessa Delitsch) und der unheimlich wirkende Diener Herbert (Timo Rothweiler) bringen zusammen mit dem mysteriösen Lord Donald (Marius Griesbaum) Köberle und Schwertle an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Als dann eine im Bodensee treibende Leiche als die von Freifrau-Schwester Gudrun angesehen wird, schrillen bei Polizistin Köberle und ihrem pensionierten Vorgänger die Alarmglocken.

Weil sämtliche Bewohner des Landsitzes ein Motiv haben, die unbeliebte Gudrun umzubringen, wurden sie allesamt des Mordes verdächtigt. Während der selbsternannte Chefermittler Schwertle dem vermeintlichen Täter, Diener Hermann, eine kompliziert aufgebaute Falle stellt, zählt seine Nachfolgerin Karla Köberle lediglich eins und eins zusammen und löst den Fall so auf ihre eigene Weise. Das Ergebnis ist jedoch das gleiche.

Des Rätsels Lösung verblüffte jedoch alle Beteiligten – und auch das Publikum: Die Wasserleiche Gudrun war nämlich nicht ertrunken, sondern saß zusammengekauert in der Falle. Weil die Brücke von meterhohen Wellen überspült wurde, war sie von der Insel ans Ufer geschwommen, um ihr Handy aus dem Auto zu holen und abgekämpft zurückgekehrt, wo sie unerkannt in die Schrankfalle des ehemaligen Polizeipostenführers Schwertle tappte. "Ohne Leiche kein Mörder", philosophierten die Ermittler folgerichtig.

Die Jugendformation der Trachtenkapelle unter Dirigentin Theresia Zehnle hatte das Publikum mit festlichen Weisen auf das Theaterstück eingestimmt und ist für ihre Darbietungen mit viel Applaus belohnt worden.