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27. Oktober 2017

Die Psyche als Verbündete

Die Ringer des RSV Schuttertal lassen sich nicht irritieren und sehen sich in der Rückrunde besser aufgehoben.

  1. Nach erledigter Übungseinheit: Die Ringer des RSV Schuttertal mit ihrem Trainer Stephan Krämer (rechts liegend). Foto: Wolfram Köhli

RINGEN Oberliga. Mit einer Englischen Woche beginnt die Rückrunde der Ringerligen. Das bedeutet drei Kämpfe in sieben Tagen. Für die Athleten des RSV Schuttertal, die sich zweimal in der Woche zum Training treffen, soll nun eine etwas erfolgreichere Saisonhälfte eingeläutet werden.

"Du bleibst unten", sagt Stephan Krämer, der im dritten Jahr für die sportlichen Geschicke der Staffel des RSV Schuttertal verantwortlich zeichnet. "Wichtig ist, dass der die Hüfte aufmacht." Stephan Krämer (48) steht mit Tomi Hinoveanu in der Mattenmitte und demonstriert, was er meint. Seine Tipps werden verfolgt von 26 Augenpaaren. In der Dörlinbacher Halle ist inzwischen eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre eingekehrt. Vorüber ist die Zeit des kleinen Fußballturniers, das spielerisch den Übergang zwischen Beruf und Hobby eingeläutet hat.

Am Dienstag ist die Mannschaft des RSV Schuttertal fast vollzählig bei der Übungseinheit. Vier Punkte zur Halbzeit, das ist zu wenig in der Oberliga, die von den Fachleuten als stark eingeschätzt wird. "Die Oberliga ist für uns super interessant", erläutert der Trainer, "wegen der vielen Derbys."

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Franz Oehler (64), Mannschaftsführer und Mädchen für alles, wie er sich selbst bezeichnet, trauert ein paar vergebenen Matchbällen in der Vorrunde nach. "Wir resignieren nicht", sagt er, "und ziehen es durch." Gemeint ist die Saison mit ihrem ungewissen Ausgang. Fast von Woche zu Woche verändert sich die Anzahl der Absteiger. Drei waren es vor einer Woche, aktuell sind es zwei. Das Ergebnis ist offen. So schweift der Blick immer etwas in Richtung Regionalliga und dem sportlichen Schicksal der südbadischen Vertreter.

Ablenken soll das niemanden in der kleinen Halle neben der Schutter. Was bei anderen Sportarten das Videostudium leistet, verdeutlicht Krämer mit Beispielen. "Wenn ihr so da drin hängt, dann passiert es so wie am Samstag." Der 48-Jährige erteilt Anschauungsunterricht mit Körperkontakt. "Ich möchte, dass ihr das Gefühl kriegt", sagt er und schieb seinen Sparringspartner auf die Seite.

Das Problem bei den Ringern aus dem Schuttertal ist auch ein wenig die zunehmende berufliche Belastung. Dabei zeigt sich aber der beachtenswerte Mannschaftsgeist. Johannes Himmelsbach steht in Gengenbach beruflich in der Verantwortung. Rafael Fehrenbacher ist sein eigener Chef in seinem Obstanbaubetrieb in Münchweier. Martin Himmelsbach lebt inzwischen in Bonndorf und arbeitet als Produktionsleiter. Arbeitsbeginn 6 Uhr in der Frühe. Stephan Krämer schwärmt von seiner Einstellung: "Er ist ein absoluter Idealist und Mannschaftsringer, der fürs Ringen lebt."

"Wir resignieren nicht."

Mannschaftsführer Franz Oehler
Und er ist immer da, wenn er gebraucht wird. Oder, wenn er Gewicht machen muss. So wie jetzt. Der 31 Jahre alte Spezialist im klassischen Stil hat eine körperlich recht entspannte Vorrunde hinter sich. Im Schwergewicht war er mit 105 Kilo ein wenig zu leicht. Jetzt bleibt er seiner Stilart treu, darf aber nicht mehr als 98 Kilo auf die Waage bringen.

Das fordert und so setzt er sich jeden Dienstag und Donnerstag ins Auto, fährt 90 Minuten ins Training und anschließend wieder zurück. "Auf der Fahrt kann ich den Tag Revue passieren lassen", versucht er der Fahrt das Beste abzugewinnen. Mit Training, so heißt es, kann man am meisten Gewicht machen. Aber warum ringt er noch für Schuttertal? "Es ist ein Stück für die Kameradschaft, ein Stück für die Heimat und ein Stück für mich selbst." Sagt es strahlend und setzt sich ins Auto, um kurz vor Mitternacht zuhause zu sein.

Es wird viel getan für diese Rückrunde, die am Samstag in Furtwangen beginnt. Die Gefühlslage bei den Ringern ist trotz des vorletzten Tabellenplatzes ausgesprochen positiv. Genährt wird dieser Optimismus durch ein schwer greifbares Gefühl. Stephan Krämer: "Wir sind psychisch stärker, die einzelnen Ringer passen besser in ihre Gewichtsklassen." Franz Oehler ergänzt: "Der eine oder andere fühlt sich in seiner Stilart wohler."

Bevor die Männer trainierten, wuselten die Kids durch die Halle. Es gibt zwar immer weniger Kinder im Schuttertal, aber bei den Ringern scheint die Nachwuchsfrage geklärt. "Das sind Original-Schuttertäler" lautet das tröstende Argument, warum rein vom Menschlichen her ein Abstieg kaum etwas verändern würde. Schade wäre es allemal – darum trainieren sie in so großer Zahl.

Die nächsten Kämpfe: Samstag, 20 Uhr: KSK Furtwangen – RSV Schuttertal, Mittwoch, 17 Uhr: Lutte Sélestat – RSVS.

Autor: Wolfram Köhli