"Events wie Picknicks in den Weinbergen wären toll"

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Fr, 07. September 2018

Ortenaukreis

JUNGE WEINSZENE IM ORTENAUKREIS (65): Petra Himmelsbach aus Schuttertal ist Wein-Guide im Anbaugebiet Breisgau.

ORTENAU/BREISGAU (hrö). Im Ortenaukreis stoßen zwei badische Weinbaugebiete aufeinander: vom Norden her die Ortenau, sie reicht von Baden-Baden bis Diersburg/Gengenbach; vom Süden her der Breisgau, er zieht sich von Oberschopfheim bis vor die Tore Freiburgs. Viele junge und nicht mehr ganz so junge Winzerinnen und Winzer haben zuletzt Verantwortung übernommen. Wir stellen sie vor. Heute: Petra Himmelsbach aus Schuttertal, Wein-Guide.

BZ: Warum wohl trinken viele junge Leute um die 25 eher Bier als Wein – und wie ließe sich dies ändern?
Himmelsbach: Da Bier immer noch günstiger und eher ein Kultgetränk ist als ein Glas Wein, trinken die jungen Leute eher Bier. Auch auf Festen oder in Discos, wo man so hingeht, gibt es eher eine größere Auswahl an Biersorten als an Weinen. Wie ließe sich das ändern? Wenn es bei diesen Veranstaltungen Weinstände gäbe, um diverse Weine zu verkosten, könnte ich mir gut vorstellen, dass dies dann auch die junge Leute machen würden. Es müsste nur ein entsprechendes Angebot dafür geben.

BZ: Haben Sie jemals im Handel eine Flasche Wein gekauft, die mehr als 30 Euro kostet – und war sie es wert?
Himmelsbach: Ja, zwar sehr selten, aber zu besonderen Anlässen kann man das mal machen. Wenn man den Winzer kennt, gibt es da auch keine böse Überraschung.

BZ: Haben Sie jemals in einem Restaurant eine Flasche Wein bestellt, die mehr als 35 Euro kostet?
Himmelsbach: Ja, habe ich schon getan.

BZ: Trinkt überhaupt jemand in Ihrem Freundeskreis Wein?
Himmelsbach: Ja, da haben wir Glück, unsere Freunde sind auch Weinliebhaber. Dabei hat sich auch eine Gruppe gefunden, die sich alle drei Monate trifft, und jeder bringt dann seinen "neuen" Lieblingswein mit, den er dann auch selbst vorstellt.

BZ: Mit welchen Weinen kann man sich als Winzer im Anbaugebiet Breisgau am besten profilieren – und warum?
Himmelsbach: Der Breisgau ist prädestiniert für die Burgunderweine. Der Breisgau hat die entsprechenden Böden – Löß/Lehm/Kalk – und das entsprechende Klima, damit diese Burgunderweine zu tollen Weinen werden.

BZ: Welche Eigenschaften hat ein großer Wein?
Himmelsbach: Wenn das Aroma und der Geschmack mir lange in Erinnerung bleibt, sind das für mich die Eigenschaften eines großen Weines.

BZ: Was für Wein-Events müssten im Breisgau unbedingt noch eingeführt werden?
Himmelsbach: Mehr Veranstaltungen, bei denen man den direkten Kontakt zum Winzer hat, damit man ihn überhaupt einmal kennenlernen kann. Der Kontakt zum Winzer und seinen Weinen ist sehr wichtig. Auch ein Picknick in den Weinbergen fände ich toll.

BZ: An welcher Stelle bundesweit steht qualitativ das Weinanbaugebiet Breisgau?
Himmelsbach: Das kann ich so nicht sagen. Qualitativ braucht sich der Breisgau nicht zu verstecken, ist aber leider etwas in den Hintergrund getreten.

BZ: Wie könnte eine optimale badische Weinwerbung aussehen – was müsste unbedingt noch gemacht werden?
Himmelsbach: Vielleicht mehr Werbung im Radio, denn das Gehörte prägt sich gut ein, außerdem Plakatwerbung und vielleicht auch mehr punktuelle Events.

BZ: Macht es Sinn, sich beim Weinkauf an Gold- und Silbermedaillen des Badischen Weinbauverbandes zu orientieren?
Himmelsbach: Für Menschen, die noch nicht viel Wein getrunken haben, ist es sicherlich eine Hilfe, bei der Auswahl der Weine. Es gibt aber auch Winzer, die das ganze Prozedere nicht machen wollen, und wunderbare Weine haben, die medaillenreif wären.

BZ: Wie kann man erreichen, dass in Deutschland mehr badischer Wein getrunken wird, als das bisher der Fall ist?
Himmelsbach: Wenn es hier eine perfekte Lösung gäbe, wäre diese wohl schon umgesetzt worden. So ein Ansatz, wie die Badische Weinmesse in Offenburg, wäre eine gute Sache. Es muss ja nicht so groß sein. Hausmessen von Weingütern würden bestimmt helfen, das Augenmerk wiedermehr auf den badischen Wein zu lenken.

BZ: Weinprinzessin und Dirndl: Ist diese Kombination wirklich noch zeitgemäß?
Himmelsbach: Ja, finde ich schon. Eine Weinprinzessin verbindet man immer mit einem Dirndl. Und es gibt ja heutzutage auch sehr schöne, moderne Dirndl.

BZ: Sie gewinnen im Lotto zwei Millionen Euro. In welches Wein-Projekt stecken Sie das Geld?
Himmelsbach: Zuerst würde ich auf Weinreisen gehen, mich dann noch weiterbilden in Sachen Wein, und eine Vinothek eröffnen, mit vielen Wein-Events.

BZ: Beenden Sie bitte den Satz: Bier auf Wein…
Himmelsbach: Bier auf Wein muss nicht sein!

Zur Person: Petra Himmelsbach ist 46 Jahre alt und verheiratet. Sie ist gelernte Industriekauffrau und arbeite im Büro ihres Mannes "Bauunternehmen Anton Himmelsbach" in Schuttertal. Beruflich hat sie also nichts mit Wein zu tun: "Der Wein ist aber schon sehr lange mein Hobby, und um dieses zu vertiefen, habe ich dieses Jahr dann die Ausbildung zum Breisgauer Wein-Guide gemacht. Die Ausbildung hat sehr viel Spaß gemacht, und nun freue ich mich auf die Verwirklichung verschiedener Wein-Events."

Alle bereits erschienenen Beiträge der Serie bei BZ-Online unter http://mehr.bz/jungeweinszene