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21. Januar 2012
Gabbert zeigte sich überwältigt
Auf Anhieb kamen 200 Interessierte zur ersten Veranstaltung zum Thema "Altersgerechtes Wohnen in Schuttertal".
SCHUTTERTAL. Ganz offensichtlich brennt den Bürgern der Gemeinde Schuttertal ein Thema auf den Nägeln: altersgerechtes Wohnen und Pflege im Ort. Bürgermeister Carsten Gabbert hat eine entsprechende Veranstaltungsreihe organisiert. Schon der erste Themenabend, bei dem Vertreter dreier Pflegeeinrichtungen ihre Konzepte präsentierten, war die Resonanz riesig: Rund 200 Besucher kamen in die Festhalle nach Dörlinbach.
"Ich bin vom Zuspruch überwältigt", gestand Bürgermeister Carsten Gabbert, "weil ich im Vorfeld keinerlei Schätzungen oder Tendenzen zum Interesse kalkulieren konnte." Mit der von ihm initiierten Veranstaltungsreihe will die Gemeinde drei Dinge herausfinden: Wie könnte ein Konzept für die drei Ortsteile Schuttertals aussehen? Welche Möglichkeiten bestehen grundsätzlich? Und welche Vorstellungen und Wünsche haben die Bürger? Um Antworten auf diese Fragen für die Zukunft konkretisieren zu können, fand am Donnerstagabend als erster Termin eine Informationsveranstaltung statt, bei der auf dem Podium die Leiter von drei unterschiedlichen Pflegeeinrichtungen ihre Konzepte vorstellten.Werbung
Siegfried Hänselmann, der als ortsansässiger Arzt ganz nah bei den Bedürfnissen älterer Menschen im Schuttertal ist, eröffnete den Abend mit der Erläuterung der aktuellen Pflegesituation in Schuttertal. Die Gemeinde verfüge bereits über ambulante Pflegedienste wie die Nachbarschaftshilfe, die Sozialstation und die Dorfhelferinnen. Für eine stationäre Pflege biete das Seniorenheim St. Hildegard in Seelbach seine Dienste an. In ländlichen Gebieten, in denen familiäre und soziale Strukturen bislang noch funktionierten, würden Pflegedienste meist noch von den Ehepartnern oder den Kindern übernommen, so Hänselmann. Bezüglich des demographischen und familiären Wandels müsse jedoch für das Schuttertal eine der bisherigen Lebensform angepasste Betreuung entstehen.
BENEVIT IN KIPPENHEIM
Kaspar Pfister, Geschäftsführer von BeneVit, betreibt neben elf Hausgemeinschaften in Deutschland seit zwei Jahren das Haus Rebenblüte in Kippenheim. Hier leben 55 Menschen in vier eigenständigen Wohngemeinschaften; der Schwerpunkt liegt auf der Selbständigkeit der Bewohner. Diese würden aktiv in Alltagstätigkeiten wie Kochen, Gärtnern, Bügeln oder die Versorgung der Haustiere eingebunden. Die gewohnte Tagesstruktur soll Erhalt, Stärkung oder Reaktivierung der Alltagskompetenz fördern. Durch die Selbstverantwortung und Minderung der Vereinsamung habe man die Erfahrung gemacht, dass die Pflegebedürftigkeit der Menschen abnahm.
ST. HILDEGARD IN SEELBACH
Die Angebote des Seniorenheims St. Hildegard erläuterte Heimleiter Johannes De Biasi. Die Einrichtung mit dem Träger Caritas Lahr bietet in drei Wohngruppen 52 Dauer- und Kurzzeitpflegeplätze. Das Spektrum umfasst die stationäre Betreuung, Tagespflege und betreutes Wohnen. Ein umfangreiches Freizeitprogramm, Gesprächskreise oder Ausflüge ermöglichten eine ausgefüllte Alltagsstruktur. Eine Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen, Schulen, Kindergärten und der Kirche ergänzten das aktive Angebot.
ST. JOSEF IN ETTENHEIM
Unter dem Motto "Ettenheimer Bürger kümmern sich um die ältere Generation in Ettenheim", entstanden dort drei Häuser für ältere und auch behinderte Menschen, erklärte Margret Oelhoff vom Förderverein St. Josefshaus in Ettenheim. Was 1986 zu Anfang auf Skepsis gestoßen sei, umfasse mittlerweile drei Häuser mit 22 Wohnungen und drei Wohngruppen mit Pflege und Betreuung durch ausgebildete Pflegekräfte. Die Idee, dass die Menschen auch im Alter in vertrauter Umgebung bleiben können, habe sich trotz fehlender öffentlicher Mittel durchgesetzt. Mit der Gründung einer Stiftung und engagiertem Ehrenamt habe der Verein diese Form des betreuten Wohnens im Heimatort schaffen können – allerdings sei dies nur Ettenheimer Bürgern vorbehalten; eine weitere Voraussetzung für Interessenten sei die Entscheidung für einen Einzug in der Anlage noch vor Eintritt eines Pflegebedarfs.
Autor: Beate Zehnle-Lehmann
