Trachtenkapelle stimmt auf die besinnliche Zeit ein

Wolfgang Beck

Von Wolfgang Beck

Di, 07. November 2017

Schuttertal

Eine Stunde Kirchenkonzert in Dörlinbach in Sankt Johannes.

SCHUTTERTAL/DÖRLINBACH (wob). Es wächst an Tempo und Dynamik zusammen, was seit einem Jahr unter der Leitung von Maik Bartkowiak zusammengehört: die Trachtenkapelle Dörlinbach. Das 25-köpfige Orchester, darunter etliche junge Musiker, überzeugte vor rund 130 Zuhörern am Sonntagabend beim Kirchenkonzert in St. Johannes mit Stücken, die mal nachdenklich stimmten oder klassisch-traditionell waren, aber auch mal mit modernem Liedgut.

Seit einem Jahr hat Maik Bartkowiak den Taktstock beim Musikverein Trachtenkapelle Dörlinbach inne. Voraus gingen Monate der Ungewissheit. Lange fehlte es an einem Dirigenten, und auch die Mitwirkenden des Orchesters zeigten Auflösungserscheinungen. Der Zusammenhalt im Musikverein siegte letztlich. Mit ihm der Wille, an erfolgreiche frühere Zeiten anzuknüpfen: "Wir haben seit September intensiv auf das Kirchenkonzert geprobt", versicherte Tanja Griesbaum; sie spielte nicht nur im Blasorchester mit, sondern moderierte zudem die Stücke und stimmte die Besucher auf die besinnliche Zeit ein, zu der auch die Vorfreude auf Weihnachten gehöre.

Publikum erklatscht zwei Zugaben

Mit einem festlichen "Intrada, Präludium und Lied" hatte zuvor Bartkowiak das Konzert eröffnet. Auf den Bänken leuchteten Kerzen und sorgten für eine behagliche Atmosphäre. Für majestätische und feierliche Kompositionen ist der Niederländer Alfred Bösendorfer bekannt. Bartkowiak wählte den gefühlvollen Auftakt für das Konzert bewusst. "Winterliche Heimat" suggerierte das Stück.

Es wurde von "A sign for freedom" von Thomas Asanger abgelöst. Die Gedanken des Zuhörers glitten hierbei in eine Welt, die sich derzeit alles andere als friedlich zeigt. Mit dieser Musik sollten Zeichen der Hoffnung gesetzt werden. Der Wunsch nach Frieden wurde spürbar, dem Orchester gelang der Spagat, in dem sich dunkle Blechbläser und helle Klarinettentöne abwechselten. Friedenszeichen wurden stilvoll durch die Musik gesetzt, das Publikum applaudierte. "Wachet auf! ruft uns die Stimme" hatte einst Johann Sebastian Bach tituliert. Klassik-Stück, für Blasorchester von Albert Loritz arrangiert, traf die Atmosphäre im Kirchenraum, gut interpretiert vom Orchester. Freudige Ereignisse wurden musikalisch inszeniert, das Szenario erinnerte an eine orientalische Hochzeit. Dann "Patria" von Thiemo Kraas, eine klangvolle Arie, die nicht heimatverbundener hätte interpretiert werden können. Zarte Melodien wechselten mit schwungvollem Blech, vertraute Landschaften tauchten in Gedanken auf, die Trachtenkapelle gab ihr Bestes. "Heimat ist da, wo man sich wohl fühlt", sagte Tanja Griesbaum ans Publikum.

In der zweiten Hälfte des Konzerts erklang das Halleluhja von Leonhard Cohen, danach bewies auch "The glory of Love", dass Melodien, die zu Herzen gehen nicht falsch sein können. Statt Hass soll die Liebe unter den Menschen regieren, vermittelte in musikalischer Botschaft die Trachtenkapelle.

Mit "Anna Magdalena’s Song" ließ J. S. Bach nochmals aufhorchen, während mit einem wunderschönen "Concerto d’Amore" Jacob de Haan vertreten war, mit dem die Trachtenkapelle auf die bevorstehende Weihnachtszeit einstimmte. Darin entwickelte sich die romantische Ouvertüre des Barock zum fetzigen Swing.

Erst nach zwei Zugaben durfte sich die Trachtenkapelle vom Publikum verabschieden, das noch lange in der Kirche blieb, wo der Musikverein zu einem Umtrunk eingeladen hatte.