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21. Januar 2012

"Vorrangig ist die Würde des alten Menschen"

Vielfältige Anregungen zu einem altersgerechten Wohnen im Schuttertal / Carsten Gabbert: "Die Diskussion ist losgetreten".

SCHUTTERTAL. Im Anschluss an die Vorträge der Referenten über die unterschiedlichen Pflege- und Betreuungsstrukturen bestand die Möglichkeit der Fragestellung und Diskussion. Die Mitglieder des Podiums bezogen hierzu Stellung und brachten zudem ihre persönliche Meinung zu adäquaten Möglichkeiten im Schuttertal ein.

Die von den Besuchern am häufigsten gestellte Frage betraf die Finanzierung der Pflege. Kaspar Pfister erklärte, dass die Kosten hier den allgemeinen Pflegesätzen entsprächen und auch ein Sozialhilfe fähiges Konzept beinhalteten. Dem schlossen sich Johannes de Biasi und Margret Oelhoff an. "Unsere Wohn- und Betreuungsform ist bezahlbar", so Oelhoff, "Nahezu alle unsere Bewohner können die Kosten mit ihrer Rente begleichen. Sie zahlen Miete, Neben- und Lebenskosten wie gewohnt. Sollte ein Pflegebedarf eintreten, gelten die üblichen Sätze".

Ein Bürger schlug die Errichtung eines Demenzzentrums im Schuttertal vor. Hierzu erklärte de Biasi, dass das Seniorenheim in Seelbach bereits die Einrichtung einer speziellen Betreuung insbesondere für Demenzkranke einer schweren Form in Betracht ziehe. Da St. Hildegard für das gesamte Schuttertal errichtet worden und die Gemeinde Schuttertal nicht unerheblich an den Kosten dafür beteiligt gewesen sei, sei der Bedarf an einem Seniorenheim gedeckt. Im Übrigen müsse jedes Pflegeheim diese Klientel aufnehmen.

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Für Unmut im Podium sorgte die Stellungnahme eines Besuchers, der nach eigenen Angaben selbst einen Beruf in der Pflege ausübe und die Informationen der Podiumsteilnehmer bezüglich der Finanzierung als falsch bezeichnete. Die vorgebrachten Vorwürfe würden nicht stimmen. Oft würden die Kinder zur Kasse gebeten, wenn die Rente der Pflegebedürftigen nicht ausreiche. Pfister und Oelhoff widersprachen: Die Kosten für die Einrichtungen seien überwiegend mit der vorhandenen Rente tragbar. "Das ist jedenfalls unsere Erfahrung." Der weitere Vorwurf des Gastes, die Veranstaltung sei eher eine Werbe- als eine Informationsveranstaltung, wies Bürgermeister Carsten Gabbert vehement zurück. Die Gemeinde habe eine Auswahl an Referenten getroffen, die eine Spanne an unterschiedlichen Pflege- und Betreuungskonzepten vorstellen sollten. Dies diene der Ideenfindung für mögliche Formen im Schuttertal.

Dem schloss sich eine Zuhörerin an: "Ich bin dankbar für diesen Abend. Ich wollte nicht über mögliche negative Zustände informiert werden, sondern gute Denkansätze hören. Abschließend äußerte sich Siegfried Hänselmann: "Entscheidend für künftige Strukturen in unserer Gemeinde ist vor allem der Wunsch der betroffenen älteren Menschen. Pflege sollte im gewohnten Umfeld und mit Aufrechterhaltung der bisherigen Lebensstrukturen stattfinden. Nicht zu vergessen die Nähe zur Familie und die bleibende Einbindung in soziale Netze."

"Eine gute Lösung

sind überschaubare

Wohngemeinschaften"

Kaspar Pfister
Oelhoff schlug vor, kleine, überschaubare Einheiten für das Schuttertal einzurichten. Jede Gemeinde müsse ihre eigene Variante in der Pflegelandschaft finden. Vorrangig sei die Würde des alten Menschen. Pfister schloss sich dem an, er brachte den Vorschlag des Einsatzes eines "Kümmerers", der zu den Menschen nach Hause gehe und sich nach den Bedürfnissen erkundige. Eine gute Lösung fand er in der Einrichtung überschaubarer ambulant betreuter Wohngemeinschaften oder Wohnungskomplexe. Carsten Gabbert bedankte sich für die vielfältigen Anregungen. Er sah sein Vorhaben, eine Diskussion zum Thema loszutreten, mehr als gelungen an. Seinen Bürgern legte ans Herz, mit ihren Wünschen, Fragen und Ideen jederzeit an ihn oder die Gemeinderäte heranzutreten.

Autor: bzl