Wo der Hausmeister Skalpelle schärft

Babette Staiger

Von Babette Staiger

Di, 10. Januar 2017

Schuttertal

Die Theatergruppe des Männergesangvereins Schuttertal entwarf die skurrile Version einer Schönheitsklinik auf der Tal-Bühne .

SCHUTTERTAL. Chirurgische Kunst und Kunstfehler liegen manchmal nah beieinander. Medizinisches und organisatorisches Chaos, gewürzt mit etwas Lokalkolorit und satirischer Überzeichnung, haben aus dem Stoff des Theaterstücks "Klinik für ästhetische und plastische Chirurgie an der Schutter" von Horst Helfrich dieses Wochenende in der Schuttertaler Festhalle eine gelungene Unterhaltung für die ganze Familie abgegeben.

Unter der Leitung von Ludwig Griesbaum hatte die Theatergruppe des MGV Schuttertal jedenfalls viele Lacher auf ihrer Seite. Die Idee hinter dem Stück: Was wäre wohl im Schuttertal los, wenn man dort eine Schönheitsklinik eröffnete?

Das Bühnenbild
Das von Ludwig Grießbaum und Stefan Himmelsbach konzipierte Bühnenbild ist fast schon professionell zu nennen. Die beiden Zimmerleute hatten die Idee, ausklappbare Flügel anzubringen. So ließ sich die Szene während kurzer Pausen im Nu umgestalten vom echt wirkenden Klinikempfang zum Patientenzimmer und zum grünen OP. Die Patienten hatten es schön: Der Ausblick war ein ziemlich gekonntes Tableau, das das Schuttertal von seiner schönsten Seite zeigte – Kirche, Dorf, Berglandschaft. Bühnenabgänge der Darsteller ließen sich leicht organisieren: Dank eines Aufzugs am rechten Rand, der von Bühnenhelfern, die ungesehen über dessen Eingang kauerten, bedient wurde. Über dem Sekretariat hing gleich einem Damoklesschwert eine Halogenleuchte, die natürlich immer im falschen Moment heruntersegelte und von zwei "Elektrikern" jedes Mal eilig wieder aufmontiert wurde. Alte Computer hatte man organisiert, und ein Kontakt zum Lahrer Krankenhaus stellte ausgediente Pflegebetten leihweise zur Verfügung.

Die Geschichte
Das Stück lebte von absurden Szenen, weniger von einem roten Faden. Da gibt es einen gedächtnislosen Patienten "Donnerstag" (David Schätzle), der von einem Leichenwagen überrollt in einer etwas verspäteten Notoperation gerettet wird. Lokalkolorit kommt mit der Story des Theaterbesuchers aus Seelbach ins Spiel. Robert Kleberschnäl (Michael Kern) wird während des dort aufgeführten Stücks "Winnetou" von einem vergifteten Pfeil getroffen. Die Operation erfolgt allerdings erst einen Tag nach der Notaufnahme. Nicht etwa wegen eines chronischen Personalnotstands, sondern wegen des slapstick-durchsetzten Durcheinanders auf der Bühne. Höhepunkt ist sicherlich die Story des Bürgermeisters – nicht des echten natürlich. Derjenige aus dem Theaterstück (Timon Willmann) will sich ein Paar Nierensteine entfernen lassen. Das geschieht nachts. Doch da man nur Ökostrom aus den lokalen Windkraftanlagen bezieht, und die Anwohner erwirkt haben, die surrenden Rotoren nachts abzustellen, bleibt der Patient wegen Stromausfalls kurz unbeatmet – lange genug, um ihn hinterher im Rollstuhl unzusammenhängend zu lallen. Diagnose: Ökostrom kann in Kombination mit Rücksicht auf die Anwohner zu gesundheitlichen Schäden führen.

Die Darsteller
Eigentlich wäre jeder der Laienschauspieler ob seiner Leistung erwähnenswert. 38 Rollen waren zu vergeben. Jeder stand bereits bei der Premiere absolut textsicher auf der Bühne – wenn auch die Dialoge und damit die Pointen manchmal noch mehr Flüssigkeit gebraucht hätten. Aber das ist gerade die große Herausforderung bei einer Komödie. Jede Rolle hatte ihren Eigenwert, der zum Gelingen des screwball-artigen Ineinandergreifens der Szenen beitrug. Herausgreifen kann man sicherlich Figuren wie den Hausmeister Hebbel (Michael Himmelsbach), der vordergründig wie ein Dorftrottel wirkt, doch aber mit seiner pragmatischen Art den wirren Ärzten beisteht – indem er zum Beispiel die Skalpelle in seiner Werkstatt schärft. Der Oberarzt Maximilian von Lurch (Julian Klimsch) darf seine lustmolchende Art, Frauen zu verstehen, dezent aber glaubhaft ausspielen, und Professor Gottwald Hirn (Sebastian Singler) als Projektleiter ("Kein Skandal im Hospital") darf sein arrogantes "ausgezeichnet" schön deplatziert in Szenen werfen. – Wer da nicht an den von Jan Josef Liefers zur Kultfigur destillierten Professor Börne aus dem Münster-Tatort dachte.

Ehrungen: Stefan Himmelsbach 30 Jahre als Mitwirkender in der Theatergruppe als Darsteller und Leiter Kulissenbau