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17. Juni 2017

Auch Nachkommen begaben sich auf Spurensuche

Historischer Verein Schutterwald enthüllt Gedenktafel für US-Pilot John Thomas McErlane / Nichte des Co-Piloten reiste aus USA an.

  1. Lorna Polley ist die Nichte des Co-Piloten der abgestürzten Maschine. Die Amerikanerin folgte der Einladung von Clemens Herrmann (l.), Vorsitzender des Historischen Vereins Schutterwald, und Bürgermeister Martin Holschuh zur Feier. Foto: Karin REimold

SCHUTTERWALD. Zum Gedenken an Pilot und Lebensretter John Thomas McErlane und seine acht Besatzungsmitglieder wurde am Mittwochabend die Erinnerungstafel nahe Schutterwald feierlich enthüllt.

"Was ein spät geschriebenes Buch noch alles bewirken kann", sagte Clemens Herrmann, Vorsitzender des Historischen Vereins Schutterwald, bei seiner Ansprache. Vor zwei Jahren hatte der Schutterwälder Eugen Hansmann in einem Kapitel den geschichtsträchtigen Absturz in seinem Buch "Kindheit unter Kreuz und Hakenkreuz" geschildert. Eine Szenerie, die für die Bewohner von Langhurst auch ganz anders hätte ausgehen können. "Grad 50 Meter hinter uns links stürzte der Bomber ab", erzählte Herrmann den gut 50 Interessierten, die in den Wald gekommen waren. Er deutete auf jene Stelle, an der der US-Pilot John Thomas McErlane heute, 72 Jahre später, für seine Heldentat geehrt wird. Am 21. Januar 1945 war McErlane, wie berichtet, mit seinem Bomber-Flugzeug auf dem Rückweg von Mannheim nach Straßburg. Zwei Triebwerke waren ausgefallen, und der Flieger drohte in Langhurst auf spielende Kinder abzustürzen. Er befahl seiner Mannschaft abzuspringen und riss die Maschine noch einmal hoch über das Dorf hinweg. Ein heroischer Einsatz, der ihn das Leben kostete. Zeitzeugen, wie Edgar Kranz sind sich bis heute sicher: "Er hat uns damit das Leben gerettet."

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Seine Überzeugung und Dankbarkeit erzählte er auch seinem Sohn Reiner vor anderthalb Jahren. Diesen und seine Frau Christiane Kluge ließ die Geschichte nicht mehr los. Sie kontaktierten einen Veteranenverein in den USA und waren völlig überrascht. "Die Resonanz war riesig, die Amerikaner schickten uns eine Flut an Dokumenten, alte Luftbilder, GPS-Daten – innerhalb einer Stunde", erzählte Kluge. Die Männer der einstigen Besatzung hatten alle ein hohes Alter erreicht und sind in den vergangenen zehn Jahren verstorben.

Doch die Nachkommen zeigten großes Interesse. So kam die Nichte des Co-Piloten, Lorna Polley, extra aus den USA nach Schutterwald gereist, um bei der Enthüllung der Gedenktafel dabei zu sein. Ihr Onkel habe ihr viel über den Krieg erzählt, von seiner deutschen Kriegsgefangenschaft habe sie unzählige Briefe von ihm. 1994 starb Lieutenant Earl H. Hansen. "Er hatte noch ein sehr schönes Leben, wurde nach dem Krieg Hollywood-Schauspieler", berichtet Polley, die mit ihrem Lebensgefährten anschließend noch die Absturzstelle absuchte. Denn erst im April diesen Jahres hatten Herrmann und der Historische Verein dort noch Überreste des zerstörten Flugzeuges finden können.

Die Nichte des Co-Piloten ist aber längst nicht die einzige, die sich auf die Spuren ihrer Vorfahren begeben hat. "Es wollten noch viel mehr Nachkommen der damaligen Besatzung kommen, allein der Termin passte nicht. Aber sie wollen definitiv kommen", freut sich Herrmann.

Und vielleicht wird der Wald sogar Schauplatz einer amerikanischen Filmproduktion. Denn Michael Pillsburg, Enkel des Navigators an Bord, will die Geschichte seines Großvaters sogar verfilmen. Gut möglich, dass bald einige Amerikaner auf ihrer Deutschlandreise die Absturzstelle auf ihrer Sightseeing-Liste haben werden. Dort erinnert eine mehrsprachige Tafel samt Dokumentation an die Tat. Doch vor allem die Bewohner von Langhurst und Schutterwald werden dank der Erinnerungstafel den Lebensretter nicht mehr vergessen.

Über weitere Zeitzeugen freut sich der Historische Verein Schutterwald, Kontakt: Tel. 0781/53385

Autor: Karin Reimold