Schneewittchen kam aus Schutterwald

Christine Storck

Von Christine Storck

Mi, 25. April 2018

Schutterwald

Musical-Wochenende als Auftakt zu 750-Jahr-Feierlichkeiten / Mehr als 150 Mitwirkende.

SCHUTTERWALD. Die Nervosität bei Schauspielern und Sängern war förmlich zu spüren – zuletzt stand das Musical-Wochenende anlässlich des 750. Geburtstags der Gemeinde Schutterwald an. Zwei ehrenamtlich erarbeitete, aber sehr professionell dargebotene Aufführungen begeisterten die Zuschauer. Seit rund einem Jahr probten die mehr als 150 Mitwirkenden fleißig für "Schneewittchen und die acht Zwerge – allein in Schutterwald". Es war die Auftaktveranstaltung zum großen Jubiläumsjahr.

Bei Ausgrabungen an der Mörburg kamen bisher unbekannte Dokumente ans Licht: Alles deutet darauf hin, dass sich das Märchen von Schneewittchen nicht hinter den sieben Bergen, sondern in Schutterwald zugetragen hat – und zwar hinter den Höfener Müllbergen bei den acht Zwergen. Das moderne Musical der Frankfurter Komponistin Lisa Huth wollte alle Fragen rund um diesen Mythos neu beantworten. Auf einer Zeitreise in der Welt der schönen jungen Frau mit der "Haut weiß wie Schnee" und den Haaren "schwarz wie Ebenholz" konnten die Zuschauer einiges Überraschende entdecken. Da gab es fabelhafte Wesen, die über sich hinaus wuchsen, Auftragsmörder, die sich am Ende doch noch ein Herz fassten, eine skrupellose Stiefmutter, die nichts als Schönheit kennt und den Kuss der wahren Liebe, der alles Böse besiegte – oder etwa nicht?

"Es ist ein Musical in, über und mit Schutterwäldern", berichtete Musikpädagogin und Dirigentin Christina Schuller, die das Projekt leitete. Und eine gute Gelegenheit, alle Institutionen der Gemeinde einzubeziehen. Der Waldstreit zwischen Schutterwald und Offenburg spielte in der Geschichte ebenso eine Rolle wie historische und aktuelle örtliche Begebenheiten.

Stück entstand aus einer Diplomarbeit

Das Besondere: Neben 15 erwachsenen Darstellern waren mehr als 150 Kinder aus den Kindergärten der Gemeinde sowie Kinder und Jugendliche der Mörburgschule als Laienschauspieler, im Chor oder Orchester oder auch beim Bühnenbild mit dabei. Die Jüngsten waren vier Jahre alt, die Ältesten Mitte 60. Alle meisterten ihren Auftritt mit Bravour und beeindruckend professioneller Wandlungsfähigkeit. Annabel Krög zum Beispiel war in der Rolle der resoluten Zwergenchefin Theres zu sehen. Mit jede Menge frechen Sprüchen hatte sie ihre Zwergenbande voll im Griff. Die gebürtige Schutterwälderin ist schon auf vielen Bühnen aufgetreten, sei es bei der örtlichen Narrenzunft "Die Pflumedrucker", der Theatergruppe "Vorhang uff" oder im Gospelchor "Swinging Spirit". Die böse Stiefmutter wurde von Heidi Rausch gespielt. Für die erfahrene Sängerin der Formation "Belcanto" war die Musicalbühne eine ganz neue Herausforderung. Aber mit ihrer geschulten Stimme und dem Schauspieltalent begeisterte sie die Halle.

Donnernden Applaus erntete der freche Spiegel, den Laurent Marreau verkörperte. Der gebürtige Franzose ist aktiver Musiker und Vorstand im örtlichen Musikverein, im Musical übernahm er seine erste Theaterrolle. Das wunderschöne Schneewittchen, dem die böse Stiefmutter vergeblich nach dem Leben trachtete, wurde gespielt und charmant gesungen von Carmen Kratzer. "Ich wollte schon immer so ein Projekt machen", zeigte sich Christina Schuller begeistert. Als es um die Gestaltung des Jubiläumsjahrs ging, habe sie dem Organisations-Team ihre Idee vorgestellt. Das Stück sei aus der Diplomarbeit einer Studienkollegin entstanden, erzählte sie. Es wurde bereits in Aschaffenburg aufgeführt. Von dort habe man auch einige Original-Requisiten bekommen – und die Erlaubnis, die Geschichte auf Schutterwald umzumünzen.