Schwaben glänzen in Baden

Hans Jürgen Kugler

Von Hans Jürgen Kugler

Mi, 07. Februar 2018

Bad Krozingen

Tolles Konzert des Landespolizeiorchesters in Bad Krozingen.

BAD KROZINGEN. "Solange man das richtige Stück am Schluss spielt, kann man das Publikum in Baden auch mit der Musik schwäbischer Komponisten begeistern." Diese steile These stellte der Trossinger Dirigent Stefan Halder des im schwäbischen Böblingen residierenden Landespolizeiorchesters (LPO) Baden-Württemberg auf.

Das zu den renommiertesten Berufsblasorchestern Europas zählende Ensemble zeigte bei seinem Benefizkonzert zugunsten der Aktion "Weihnachtsfreude für alle" der Badischen Zeitung, dass die östlichen Nachbarn der Badener nicht nur solide Häusle bauen, sondern auch richtig gute Musik machen können.

So verwandelte sich das etwas betuliche "Lied der Schwaben" unter der kompositorischen Könnerschaft von Patrick Egge in dessen "Schwaben-Ouvertüre" nach wenigen Takten in ein modernes, sinfonisches Werk mit machtvollen Tutti und komplexen Rhythmuswechseln.

"13 Minuten Musik für gerade mal 23 Kilometer Fluss" – mit diesen Worten brachte der Dirigent die Tondichtung "Die Echaz", eine Auftragskomposition des schwäbischen Komponistenduos Nikodemus Gollnau und Johannes Mittl für das LPO, auf den Punkt. Aus dunklem Untergrund entsprangen die ersten zarten Motive, plätscherten zu musikalischen Schnipseln heran, die nicht von ungefähr an Bach gemahnten, und vereinigten sich schließlich à la Smetana zu einem "gewaltigen Strome". Das Komponistenduo liebt die augenzwinkernde Übertreibung und hat zudem ein Händchen für ungewohnte, aber effektvolle Spieltechniken. So simulierten die Bläser mit den Klappen ihrer Instrumente täuschend echt das Flattern von Fledermäusen, die entlang der Echaz nisten. Oder das gesammelte Blech blies unter der Leitung der Hörner mit viel Getöse zur Jagd auf wild tremolierende Holzbläser.

Im dritten Satz der Albsinfonie von Ralph Bernardy – ebenfalls eine Auftragskomposition des LPO – hatte der Komponist unter dem schönen Titel "Soggahupf" bekannte Volkslieder wie "Mädl ruck ruck ruck" oder "Widele, wedele, hinterm Städele" verwoben und die einzelnen Elemente mit viel Sinn fürs Tänzerische zu einem eindrucksvollen sinfonischem Werk verschmolzen.

Von filigraner Leichtigkeit (etwa beim Miss-Marple-Thema mit Flöte und Triangel) bis zu martialischer Wucht ("Last Ride of the Day" der Heavy-Metal-Band Nightwish) beherrschten die Musiker alle intonatorischen Feinheiten und stellten das hohe Niveau und die stilistische Vielseitigkeit des Orchesters eindrucksvoll unter Beweis. Auch solistisch konnten die Musiker überzeugen. Der Oboist Fabio Croce glänzte in Philip Parkers Komposition "Soliloquy & Dance" ebenso mit hauchzarter Lyrik wie mit burlesker Virtuosität.

Mit dem eingangs erwähnten "richtigen Stück zum Schluss" präsentierte das Orchester unter begeisterter Mitwirkung des Publikums den "Schwaben-Baden-Marsch" von Patrick Egge. In Baden ein Heimspiel, sind doch die ersten vier Takte der Schwaben-Hymne "Der reichste Fürst" mit dem "Badner Lied" absolut identisch.

Angereichert mit Zitaten aus der "Marseillaise" und der "Schwäb‘schen Eisenbahn" hatte dem Vernehmen nach Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann diese Auftragskomposition des LPO gar zur neuen baden-württembergischen Nationalhymne erkoren.