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26. Juni 2012

Schwachen helfen stärkt

Euro-Waisen eines der Themen beim Landesfest des Gustav-Adolf-Werks in Friesenheim.

  1. Der Kirchengemeinderat singt: GAW-Landesfest in der Sternenberghalle. Foto: heidi fössel

FRIESENHEIM. Mit einem Gottesdienst in den Gemeinden des evangelischen Kirchenbezirks Ortenau-Region Lahr ist am Sonntag das Landesfest des Gustav-Adolfs-Werks (GAW) Baden zu Ende gegangen. In den Gottesdiensten haben die Gäste der GAW-Partnerkirchen aus dem Leben in ihren Pfarrgemeinden berichtet. Zuvor ist ein Treffen von rund 200 Teilnehmern aus Baden und den osteuropäischen Partnerkirchen und Brasilien am Samstag in Friesenheim gewesen.

In der Sternenberghalle stand eine Podiumsdiskussion mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Weiß zum Thema "Soziale Gerechtigkeit" am Beispiel von sogenannten Euro-Waisen und Zwangsprostitution im Mittelpunkt. Im Gespräch mit der BZ am Rande Diskussion betonte Friesenheims Pfarrer Rainer Janus, betroffen machten ihn die Eurosieroty, die Euro-Waisen. So werden Kinder beispielsweise in Polen genannt, deren Eltern in der EU arbeiten. Mit dem Geld wollen die zirkularen Migranten ihren Kindern in der Heimat eine bessere Zukunft ermöglichen. "Wir sagen allzu leicht, dann holen wir eine Polin, wenn wir auf der Suche nach Pflegekräften sind", so Janus. Was aber in der Öffentlichkeit keiner so richtig wahrhaben wolle, sei, was mit den Kindern der Wanderarbeiter in der Heimat passiere. "Jedes fünfte Kind in Polen ist betroffen", sagte dazu Klaus-Dieter Kottnik, der seit 2003 deutscher Berater der polnischen Diakonie ist. Mit seinem Projekt Fair-Care will er dafür sorgen, dass darauf geachtet wird, wie die Kinder der polnischen Kräfte versorgt werden. Für manche seien Großeltern da, andere seien auf sich allein gestellt.

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35 junge Christen gehen in freiwilligen Friedensdienst

"Diesen sozialen Hintergrund mit allen psychischen Spätfolgen für die Kinder müssen wir uns vor Augen führen", sagte Rainer Janus, und: "Da darf man nicht schweigen, denn Menschenhandel tritt Menschenwürde mit Füßen" – das Thema, das dann auch beim GAW-Festgottesdienst am Abend in der evangelischen Kirche Landesbischof Ulrich Fischer in seiner Predigt anklingen ließ. Er sandte im Gottesdienst 35 junge Menschen in den Freiwilligen Ökumenischen Friedensdienst aus. Sie werden in den diakonischen Werken der Partnergemeinden wahlweise mit Behinderten, Pflegebedürftigen oder Kindern arbeiten. "Von dort werden die Freiwilligen nicht zurückkommen, wie sie aus Deutschland abgereist sind", sagte der Landesbischof und griff das Motto der Landeskonferenz "Kraftvoll für die Schwachen" auf. Die GAW-Familie könne immer wieder schwache Gemeinden und Kirchen in der Diaspora unterstützen. Nun werde erneut mit 35 Friedensfreiwilligen gemäß dem Motto Hilfe geleistet. Es gelte ein Geben und Nehmen, so Fischer. Denn: "Dieses Jahr wird euch stärken in eurer persönlichen Entwicklung", sagte er. Aber sicherlich würden die jungen Menschen auch mit Situationen konfrontiert, die sie zu überfordern drohten und an die Grenzen ihrer Kräfte bringen würden.

Gerade in dieser Situation werde mit den Unterstützergruppen in der Diasporagemeinde und mit den Eltern auch aus der Ferne Hilfe kommen. Den Schwachen in der Welt würden sich die jungen Menschen im ökumenischen Friedensdienst zuwenden und das fortsetzen, was das GAW in seinen Diasporagemeinden bewirke. Arbeit in der Diakonie sei gerade durch den EU-Beitritt osteuropäischer Länder zur großen Aufgabe geworden. Und nicht nur Menschenhandel und Prostitution gehörten dazu.

Autor: Bettina Schaller


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