Innovation aus Schwanau

Herrenknecht stellt neues Verfahren zum Verlegen von Stromkabeln vor

Manfred Dürbeck

Von Manfred Dürbeck

Mi, 05. September 2018 um 16:01 Uhr

Schwanau

Händeringend wird nach Möglichkeiten gesucht, Strom ohne große Eingriffe in die Landschaft unterirdisch grabenlos zu verlegen. Herrenknecht will ein solches Verfahren entwickelt haben.

Betreiber von Stromnetzen suchen händeringend nach Möglichkeiten, Strom unter Verzicht auf Hochspannungstrassen und ohne große Eingriffe in die Landschaft unterirdisch grabenlos verlegen zu können. Martin Herrenknecht ist überzeugt, mit dem in seinem Unternehmen entwickelten "E-Power-Pipe" ein technologisches Verfahren anbieten zu können, das dieses Problem – ungeachtet der Kosten – lösen kann. Bei seinem Besuch in der Schwanauer Firma wurde Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, die serienreife Methode präsentiert.

Spätestens mit dem rasanten Ausbau der Windkraftanlagen vor der Küste hat sich das Problem verschärft: Inzwischen wird dort so viel Energie erzeugt, dass vorhandene Stromtrassen nicht mehr ausreichen, um sie weiter in den Süden transportieren zu können.

Die Folge: Immer wieder müssen Windräder abgeschaltet werden, Verbraucher zahlen über die EEG-Umlage die dabei entstehenden Kosten. Tobias Engel (32) hat als Projektleiter Forschung und Entwicklung bei Herrenknecht das E-Power-Pipe-Verfahren in Kooperation mit der Netzbetreiber-GmbH Amprion und der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen vorangetrieben. Finanzielle Fördermittel kamen aus Altmaiers Ministerium.

Anfragen aus dem Ausland gibt es laut Herrenknecht bereits

Drei Anforderungsprofile mussten laut Engel erfüllt werden: Das Verfahren sollte Bohrungen von über 1000 Meter Länge sicherstellen, die Installationstiefe sollte mindestens 1,5 Meter betragen und das verlegte Kabelschutzrohr sollte einen Innendurchmesser von 250 Millimetern haben. Das 2016 gestartete Verfahren erfüllt alle drei Kriterien. Und: Mit ihm können auch gekrümmte Leitungen verlegt sowie Wasserläufe und Straßen unterquert werden.



Wie bei der konventionellen Tunnelvortriebstechnik werden Vortriebsrohre hydraulisch in den Untergrund gepresst, das dabei anfallende Material im Rohr mit einer Strahlpumpe zurückgespült. Nach einem Kilometer wird das Kabelschutzrohr aus Kunststoff eingezogen, in dem dann die Hochspannungsleitung hohlraumfrei verlegt werden kann.

Nach einem Kilometer beginnt die Prozedur von vorn. Zwei Testläufe, so Engel, seien bereits ohne Komplikationen verlaufen. Derzeit sei man an den Vorbereitungen für eine weitere Bohrung in Bacharach. Laut Tobias Engel gibt es inzwischen bereits Anfragen aus dem Ausland. Interesse besteht auch, weil mit dem Verfahren auch Gas- und Wasserversorgungsleitungen verlegt werden können.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier wünscht sich, dass das Projekt erfolgreich ist

Minister Peter Altmaier wertete seinen Besuch als Signal. Herrenknecht sei schließlich Weltmarktführer und in Bereichen aktiv, die für Deutschland von großer Bedeutung sind. Dazu zähle sicher der Netzausbau, den er zur Chefsache erklärt habe. Das neu entwickelte Verfahren habe aber das Potenzial, den Ausbau zu beschleunigen.

Über die Marktchancen für das E-Pipe-Power-Verfahren aus dem Hause Herrenknecht wollte er nicht spekulieren. Das werde von den Netzbetreibern entschieden. "Ich wünsche mir aber, dass das Projekt erfolgreich ist", ließ sich der Wirtschafts- und Energieminister dann zum Abschied doch entlocken.