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11. August 2011
Oft geht’s auch ohne teure Umbauten
Altersgerecht Wohnen: Ausreichend Licht, mehr Platz und Barrierefreiheit sind wichtig – und die Infrastruktur vor Ort.
SCHWANAU-WITTENWEIER. Wie muss eine dem Gesundheitszustand und der körperlichen Verfassung alter und kranker Menschen angepasste Wohnung aussehen? Gibt es für Umbaumaßnahmen Förderprogramme oder Zuschüsse? Oliver Eisenbarth von der "Arbeitsgemeinschaft Ambulante Hilfe" hat sich in einem Vortag in der Elzhalle mit den wichtigen Fragen zum Einrichten altersgerechter Wohnungen beschäftigt.
Unter dem Arbeitstitel "Daheim ist eben daheim" informierten sich am Dienstagabend knapp 80 Personen, darunter auch Pflegekräfte aus Sozialstationen, Nachbarschaftshilfen und Pflegediensten, über die Voraussetzungen für einen Verbleib pflegebedürftiger, alter und kranker Menschen in der bisherigen Wohnung. Der Vortrag des Referenten Oliver Eisenbarth – er ist als Schulleiter der Evangelischen Fachschule für Altenpflege Nonnenweier mit den Erfordernissen des betroffenen Personenkreises bestens vertraut – befasste sich nicht mit dem Wohnen in Pflegeheimen oder den Angeboten "betreutes Wohnen", sondern zeigte vielmehr Lösungsmöglichkeiten für ein selbstbestimmtes Leben und Wohnen zuhause auf.Werbung
In der Aussage "Man freut sich auf Zuhause" sind eigentlich die Bedürfnisse unter anderem nach Geborgenheit, Sicherheit, Unabhängigkeit oder der harmonischen Gestaltung der eigenen vier Wände für ein Wohlfühlen schon enthalten, denn nirgendwo sonst sind diese Bedürfnisse mehr erfüllt, als im eigenen Heim. Da wundert es auch nicht, dass bei Umfragen – auch in der Gemeinde Schwanau – der Wunsch nach dem Verbleib in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus bei mehr als 50 Prozent liegt und dass Umfragen in Pflegeheimen zu der Aussage Betroffener tendieren, dass man eigentlich gern in der gewohnten Umgebung geblieben wäre.
Voraussetzungen dafür sind Gesundheit und Beweglichkeit oder, falls diese nicht mehr gegeben sind, eine umfassende Betreuung und vor allem altersgerechte Wohnräume. Das darf sich nicht in der Schaffung von barrierefreien Zugängen zu Haus und Zimmer erschöpfen, sondern umfasst auch sichere, nicht zu steile Treppen, ausreichend breite Türen, geräumige Bäder mit niedrigen Wanneneinstiegen, ebenerdige Duscheingänge und vieles mehr in allen Zimmern, Fluren, Stauräumen und auch im Außenbereich.
Abhilfe können neben umfangreichen und damit auch kostspieligen Umbaumaßnahmen schon kleine Änderungen wie mit Rollstühlen überfahrbare Schwellenleisten, kleine Auffahrrampen am Hauseingang und ähnliche Konstruktionen schaffen, die ebenso bezuschusst werden können wie Umbaumaßnahmen.
Zu einem angenehmen Verbleib in der gewohnten Umgebung gehören aber auch eine komplette Infrastruktur am Wohnort, ein verbesserter Öffentlicher Personennahverkehr und die gute Erreichbarkeit für Ärzte, Not- und Anlieferdienste sowie Möglichkeiten zur Kommunikation mit den Angehörigen. Als Ansprechpartner für Aus- und Umbaumaßnahmen wurden von Oliver Eisenbarth die örtlichen Handwerksbetriebe empfohlen.
Förderungsmöglichkeiten bietet nach Auskunft des Referenten unter anderen auch die KfW-Bankengruppe mit dem Programm "Altersgerecht umbauen" und die Pflegekasse.
Autor: Reiner Beschorner
