Schutt raus, modernes Wohnen rein

Martin Frenk

Von Martin Frenk

Sa, 08. September 2018

Schwanau

Ein 240 Jahre altes Fachwerkhaus in Ottenheim saniert der Eigentümer aus historischer Überzeugung in mühevoller Kleinarbeit.

SCHWANAU-OTTENHEIM. "Erhalten für die Zukunft", das ist für den Ottenheimer Michael Langenbach der Grund gewesen, ein mehr als 240 Jahre altes Fachwerkhaus in der Ottenheimer Lange Straße zu erwerben – und es zu sanieren. Dabei wusste er, auf was er sich einlässt. Hat der doch in der Lehenstraße bereits ein Fachwerkhaus, in dem er auch wohnt und bei dessen Renovierung er erlebte, was es heißt auf Überraschungen und damit auf Herausforderungen gefasst sein zu müssen.

"Das Haus gefällt mir, es hat Atmosphäre und die Historie der dörflichen Vergangenheit ist geradezu zum Greifen nah", sagt Michael Langenbach. Und so sanieert er derzeit das Haus von Grund auf mit ganz viel Eigenleistung und überschaubaren finanziellen Mitteln. Da gibt es für den neuen Besitzer sehr viel Arbeit. Es gibt viel an der in zurückliegenden Jahren da und dort marode gewordene Bausubstanz zu renovieren, auszutauschen und zu erneuern. Doch es mache sehr viel Spaß, sagt Langenbach, auch wenn es manchmal schwierig sei, die Vorgaben und Richtlinien des Denkmalschutzes einzuhalten.

"Aber die Sanierung oder der Umbau des Fachwerkhauses flößen mir keinerlei Ängste ein. Wichtig ist doch nur, dass am Schluss wieder ein Haus entstanden ist, in dem es sich in hellen freundlichen Räumen, modern und freundlich leben lässt", sagt der selbständige Elektromeister. Wenn auch das herrliche Fachwerk nicht verbessert werden muss, so will Michael Langenbach doch die zur Straßenseite gelegene Giebelseite wieder in ihre ursprüngliche Form zurückbauen. In enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt ist geplant, die unter dem so genannten Welschkorndächle gelegene einstige Laube wieder freizulegen. Die Laube ist eine elsässische Eigenart in den riedtypischen Fachwerkhäusern: ein im Mauerwerk nach innen gebauter, und somit von oben überdachter Gang parallel vor den dahinter liegenden Fenstern. Vermutlich wurde sie von den Vorbesitzern auf Grund von Witterungsgründen zugemauert. Mit dem Rückbau möchte Langenbach den alten Charakter des Hauses wieder herstellen. Um die Laube jedoch vor witterungstechnischen Einflüssen zu schützen, wird er eine große, nicht störende Glasfront anbringen.

Damit wird der selbst auferlegte Auftrag des neuen Eigentümers klar: Das Haus soll nichts von seinem alten Charme verlieren, aber gleichzeitig modernisiert werden. Also Angejahrtes bewahren und aufpolieren, das Nagelneue verstecken, oder zumindest so gut integrieren, dass es nicht stört.

Um die charakteristischen Merkmale im Innenleben des Hauses aufzumöbeln und den Räumen eine neue Struktur zu geben, wurden alle anderen Räume im Erd- und Obergeschoss einer gründlichen Inspektion unterzogen. Die zurückliegende Tage und Wochen waren für Michael Langenbach deshalb überaus arbeitsreich. Schutt und alte unbrauchbare Substanz entfernen und wegfahren stand auf dem Arbeitsplan. Dieser Arbeitsschritt füllte zahlreiche Anhänger mit Bauschutt. Das Entfernen von Teilen der Wände und Decken im Inneren ließ erstmals einen Blick auf die alten Balken zu. Einige mussten ausgetauscht werden.

Und auch sonst traten Fehler der Vergangenheit zu Tage. Den Fußboden des Bades beispielsweise haben die Vorbesitzer nicht sachgerecht angelegt, sodass Langenbach bei den Renovierungsarbeiten plötzlich mit einem Fuß im Keller stand. Das meiste erledigte der handwerklich begabte Elektriker in Eigenleistung. Wobei er mit jedem Tag auf der Baustelle mehr zum Spezialisten für Restaurierung wurde. Letztendlich lohnte die Aufgabe. Denn Michael Langenbach hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sich die Mühe auszahlt, solch alte Häuser fit für die Zukunft zu machen.