Ungewöhnlich und vielfältig

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Di, 03. April 2018

Schwanau

Das Karfreitagskonzert in der Kirche Allmannsweier hat Passions- und Ostergefühle verbunden.

SCHWANAU-ALLMANNSWEIER. Während von Gründonnerstag bis zur Osternacht in den katholischen Kirchen Glocken und Orgeln schweigen, gehört "Musik zum Karfreitag" in vielen evangelischen Kirchen zur Tradition. Bei der Allmannsweierer Abendmusik am Karfreitag wurden Vertonungen des Passionsgeschehens ergänzt von den jubelnden Halleluja-Rufen Alessandro Grandis und dem Lachen und Jauchzen von Händels "Meine Seele hört im Sehen".

Dargeboten wurde diese musikalische Mischung, die die Gefühle der Karwoche und der Osterzeit verband, von Martin Groß an der Orgel, Ulrich Steurer an Oboen verschiedener Stimmlagen und Mezzosopranistin Viola de Galgóczy. Ebenso groß wie die Gefühlsspanne, die das gut einstündige Konzert abdeckte, war die Zeitspanne vom Barock bis zu zeitgenössischer Musik und Improvisation. Einen ersten Glanzpunkt setzte Viola Galgóczy, von Martin Groß an der Orgel begleitet, mit Alessandro Grandis "Cantabo Domino in vita mea". Freudig und beschwingt, mit ausdrucksstarker Betonung erklang dieses Jubellied, das im starken Kontrast zur Arie "Von den Stricken meiner Sünden" aus Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion stand. Dass hier kein Orchester, sondern Orgel und Oboe den Gesang begleiteten, war ebenso minimalistisch wie reizvoll. Vielleicht das Karfreitagsmotiv, der Luther-Choral "Aus tiefer Not schrei ich zu dir", erklang in der Fassung von Felix Mendelssohn-Bartholdy als Orgelsolo von Martin Groß, der allerdings eher mit seinen Improvisationen überzeugen konnte.

Klangvielfalt der Orgel im Vordergrund

Seine "Metamorphosis VII" entlang des modernen Kirchenlieds "Gott gab uns Atem" und die Choralfantasie über "Christ lag in Todesbanden", mit der das Konzert ausklang, stellten eindrucksvoll auch die Klangvielfalt der Blasius-Schaxel-Orgel in den Vordergrund.

Viola de Galgóczy und Ulrich Steurer pflegen ein großes Repertoire an spätromantischen, modernen und zeitgenössischen Werken. Im Konzert erklang das selten gespielte Solo für Oboe d’amore "Le repos de Tityre" von Charles Koechlin, das Steurer mit sanglicher Intonation interpretierte. Seine Entsprechung findet dieses Stück in den beiden Mörike-Liedern von Hugo Wolf, die Viola de Galgóczy mit großer Leidenschaft und Einfühlung sang. Überraschend zu hören, dass die beiden Stücke auch in kompositorischer Umsetzung und in der dichterischen Vorlage (bei Koechlin ist es Vergil) durchaus Parallelen aufweisen.

Die beiden Psalmvertonungen, die der Lahrer Komponist Karl Otto Bäder eigens für Viola de Galgóczy und Ulrich Steurer komponiert hat, passten hervorragend in dieses Konzert, dessen Erlös dem Albert-Schweitzer-Hospital in Lambarene zugedacht war. "Wer mit Tränen sät, wird mit Freuden ernten" und "Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder" sind emotionale Textinterpretationen, die unter die Haut gehen. Dass Bäder über längere Strecken Mezzosopran und Englischhorn (die Alt-Lage der Oboe) parallel führt, gibt den Stücken eine Intensität, dem sich auch die Zuhörer nicht entziehen können. Großer Applaus für dieses ungewöhnliche, vielfältige Karfreitagskonzert.