Nordische Junioren-Weltmeisterschaft

Schwarzwald-Trio mit Medaillenchancen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 17. Januar 2019 um 20:30 Uhr

Skilanglauf

Langläufer Janosch Brugger von der WSG Schluchsee startet bei der U-23-Weltmeisterschaft, Kombiniererin Anna Jäkle und Skispringer Luca Roth bei der Junioren-WM im finnischen Lahti

SKI NORDISCH. Es war ein Skifest, das unvergessen bleibt. Im Januar 2010 wurde in Hinterzarten und auf dem Notschrei die Nordische Junioren-Weltmeisterschaft ausgerichtet, die bis heute als organisatorischer und stimmungsvoller Höhepunkt gilt. Am Sonntag beginnt im finnischen Lahti die Nordische Junioren-WM und U-23-WM. Unter den 37 Sportlern des Deutschen Skiverbands sind Weltcup-Langläufer Janosch Brugger von der WSG Schluchsee, die Schonacherin Anna Jäkle (15) in der Nordischen Kombination und der Wahl-Hinterzartener Luca Roth, der im Skispringen ein Medaillenkandidat ist.

Janosch Brugger ist ganz entspannt: Der 21-jährige Lenzkircher hat bereits Erfahrung mit U-23-Weltmeisterschaften. Bei seiner Premiere 2018 in Goms (Schweiz) schaffte er es auf seiner Paradestrecke, 15 Kilometer klassisch, als Siebter auf Anhieb in die Top Ten. Diesmal in Finnland strebt der junge Schwarzwälder mit mehr Trainings- und Wettkampfkilometern in den Beinen und deutlich mehr Erfahrung die Top Fünf an. Die erste Gelegenheit bietet sich dem Sprint-Juniorenweltmeister von 2017 am Montag im Sprint. Der wird in der klassischen Technik ausgetragen, genau wie vor zwei Jahren in den USA, als Brugger sensationell den Titel gewann. Beim Skatingsprint in Goms schied er im Halbfinale aus und wurde Zwölfter. Am kommenden Mittwoch steht das Einzelrennen über 15 Kilometer Skating auf dem Programm der männlichen U 23, zwei Tage später bietet das Massenstartrennen über 30 Kilometer klassisch die letzte Chance auf eine Spitzenplatzierung. Dass Janosch Bruggers Leistungskurve nach oben geht, hat laut Andreas Schlütter, dem sportlichen Leiter der deutschen Langläufer, der Weltcup-Sprint in Dresden am vergangenen Samstag gezeigt. Am Elbufer erreichte der Youngster im deutschen Weltcup-Team erstmals das Viertelfinale und sammelte als 27. weitere Punkte in der Gesamtwertung. Als aktuell 41. ist er dort die Nummer acht der U-23-Athleten. Zumindest Johannes Hoesflot Klaebo (Norwegen) scheidet als Konkurrent aus – dem 22-jährigen Weltcup-Spitzenreiter ist die Eliteliga wichtiger. Für Janosch Brugger dagegen ist die U-23-WM sein Saisonhöhepunkt, die WM der "Großen" in Seefeld im Februar verdiente Zugabe.

Anna Jäkle ist zurückhaltend bis zur Schüchternheit. Reden lässt sie den Herrn Papa. Erst am Sonntagabend habe seine Tochter erfahren, dass sie an der Junioren-WM teilnehmen dürfe, erklärt ihr Vater, der Schonacher Hansjörg Jäkle, der 1994 in Lillehammer Olympia-Gold im Teamspringen gewonnen hatte. Die 15-Jährige vom Ski-Team Schonach-Rohrhardsberg gilt sowohl im Skispringen als auch in der Nordischen Kombination als herausragendes Talent. Zu Beginn des Winters gelangen ihr bei Deutschlandpokal-Wettbewerben vier Siege. Am vergangenen Wochenende glänzte die Schülerin in der Heimat. Zweimal musste sie sich als Zweite beim Alpencup nur knapp geschlagen geben. Nach dem Springen ging sie als Fünft- und Zweitplatzierte in die Loipe und war auch bei den Laufzeiten unter den besten Athletinnen. Der Heimvorteil hielt sich indes in Grenzen. Von der Schonacher Langenwaldschanze ist auch die Lokalmatadorin noch nicht häufig gesprungen. Am Sonntagmorgen fliegt Anna Jäkle nach Finnland – und das als gefühlte Junioren-Vizeweltmeisterin. Bei der JWM 2018 hatte sich Anna Jäkle bei einem Demonstrationswettkampf in Kandersteg (Schweiz) den zweiten Platz gesichert. Am Mittwoch, 23. Januar ist die Schonacherin in Lahti zuerst auf der 100-Meter-Schanze gefordert und kämpft dann im Langlauf über fünf Kilometer um den JWM-Titel in der Nordischen Kombination.Was sich Anna Jäkle erhofft? "Sie will einfach einen guten Wettkampf machen", sagt ihr Vater und Heimtrainer Hansjörg Jäkle. Vieles hänge davon ab, wie der Sprung läuft. Seine Tochter konzentriere sich auf ihre Technik. "Wer sich eine Medaille zu verbissen als Ziel setzt, wird sie nicht holen", so Jäkle.

Luca Roth (18) vom SV Meßstetten, jetzt daheim in Hinterzarten, ist ein Flieger. Schlaksig, schmal, mit kräftiger Haartolle und Oberschenkeln, in denen jede Menge Energie steckt. "Der Luca hat’s drauf", ist Skisprung-Landestrainer Rolf Schilli überzeugt, der dem Schwaben bei der Junioren-WM in Lahti im Teamspringen eine Medaille zutraut, "die aus Gold sein kann". Roths Formkurve zeigt steil nach oben: Beim Continentalcup in Klingenthal landete er jüngst auf Rang sechs – nur knapp hinter dem ehemaligen Weltcup-Gesamtsieger Severin Freund. JWM-Favorit im Einzelspringen am kommenden Donnerstag ist der Oberaudorfer Constantin Schmid, der an diesem Wochenende im polnischen Zakopane für den formschwachen Olympiasieger Andreas Wellinger im DSV-Weltcupteam einspringt. Und was gelingt Luca Roth, der bei der JWM 2018 nur Ersatz ohne Einsatz war, als Solist in Lahti? "Alles ist möglich", so Rolf Schilli.