Schwebendes Popcorn

Frank Berno Timm

Von Frank Berno Timm

Mi, 14. April 2010

Kreis Emmendingen

Huyun-Bi Gerhard-Choi fordert im Scholz-Haus zur Auseinandersetzung mit der Umwelt auf.

WALDKIRCH. Hyun-Bi Gerhard-Choi (der koreanische Teil des Namens bedeutet "die weise Königin") kommt mit einer Schüssel in einen der kleineren Ausstellungsräume im Georg-Scholz-Haus. Sie rollt eine grüne Folie auf dem Fußboden aus. Zum Vorschein kommt etwas, das man nicht als Kunstobjekt vermutet: auf Plastikfaden gezogener Popcorn. Die Fäden werden aus der Verpackung gelöst. Die in Basel lebende Künstlerin steigt auf eine Leiter und knüpft die Girlande an quer gespannte Schnüre – so entsteht ein richtiger Wald mit hunderten schwebender Popcorn-Teile – darunter keins, das dem anderen gleichen würde.

"Ich will das Unsichtbare sichtbar machen", sagt die aus Südkorea stammende Baslerin, die schon sehr lange in Europa lebt. Sie habe, berichtet sie, richtige Tests veranstaltet: Reis, Sand und eben Popcorn in Schüsseln auf einen Lautsprecher gestellt, aus dem Musik kam – das leichte Popcorn fing an zu springen, Reis und Sand seien zu schwer gewesen. "Das passt auch zu meiner künstlerischen Haltung – gewöhnliche Dinge zu Kunst machen". Sie beruft sich auf den Komponisten John Cage, der vom Zen-Buddhismus beeinflusst gewesen sei. "Jedes Ding", sagt Hyun-Bi Gerhard-Choi, "hat seinen Wert."

Nebenan, im großen Ausstellungsraum, dürfte es zur Vernissage am Sonntag recht eng werden. Auch hier hängen Fäden von der Decke, an die Schleifen geknüpft sind. "Familie", steht auf der einen, "guter Wein", "Glück" auf anderen. Hyun-Bi Gerhard-Choi hat Wünsche gesammelt von anderen Menschen.

Die Anspielung auf die Sitte der Schamanen, Gebetsfahnen aufzuhängen, ist gewollt – am Boden hat die Künstlerin Schalen verteilt. Die Bilder an den Wänden in diesem Raum spielen ebenfalls mit dem Ausstellungsmotto "in between": Gerhard-Choi hat Zwischenräume gezeichnet, aus denen dann Bilder entstehen.

Im zweiten, kleinen Raum findet sich eine weitere Installation, die auf einen alltäglichen Gegenstand zurückgreift: das Streichholz. Hunderte Hölzer, unabgebrannt, sind senkrecht stehend zu einem Teppich zusammengefügt. Entstanden sei die Arbeit, als überall Krieg in Asien war, sagt Hyun-Bi Gerhard-Choi, sie spricht auch von "potentieller Energie". Hyun-Bi Gerhard-Choi ist dort am stärksten, wo sie den Betrachter mit vertrauten Gegenständen abholt. Im dritten, kleinen Raum im ersten Stock hängt ein Wald aus Zeitungspapierstreifen von der Decke herunter. Hier – und so was ist schon selten im Georg-Scholz-Haus – duftet es nach bedrucktem Papier; auch das Popcorn bietet seinen Geruch an. "Da ist so viel drin von unserem Leben", spielt Hyun-Bi Gerhard-Choi auf die Geschichten an, die in den zerschnittenen Zeitungen standen. Sie schiebt die Blätter beiseite – im Inneren ist eine Lichtung freigelassen, in der sich die Besucher treffen können; eine schöne, fast private Assoziation. Im Kern ist "in between" eine grazile, fast heitere Aufforderung, sich mit der eigenen Umgebung anders auseinander zu setzen. Vernissage ist am Sonntag, 18. April, 11 Uhr.