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08. Januar 2010 16:11 Uhr

Madame Michèle sagt Zukunft voraus

Das Orakel von Schweizer Rheinfelden

Die Zukunft liegt im Dunkeln? Nicht für Madame Michèle aus Schweizer Rheinfelden. Sie sagt von sich selbst, die Zukunft zu kennen, heilende Hände zu besitzen und die Inkarnation der Heiligen Bernadette von Lourdes zu sein. Ein Besuch in ihrem Studio.

  1. Madame Michèle in ihrem Studio. Foto: Ralf H. Dorweiler

Ein bisschen aufregend ist es schon. Auch für einen Skeptiker. Der Weg durch die Fußgängerzone Schweizer Rheinfeldens hin zur Salme Schüüre in der Kupfergasse wird von einem Kribbeln in der Magengegend begleitet. Es geht zu Madame Michèle, einer Frau, die von sich sagt, hellsehen zu können, durch ihre Hände zu heilen und die Inkarnation der Heiligen Bernadette von Lourdes zu sein.

Da steht sie vor der Salme Schüüre und dekoriert die Waren, die sie zum Verkauf anbietet. Antiquitäten, alte Holzschaukelstühle, ein Kinderwagen, viele Teddybären und überall Bilder, die Madame Michèle selbst gemalt hat. Ihren bürgerlichen Namen hat sie abgelegt.

An den Waren geht es vorbei nach drinnen, ein großer, ausgebauter Raum, der sehr wenig hat von dem, wie man sich den Raum einer Hellseherin vorstellt. Dies ist ihr Gesundheitsstudio, hier bietet sie Aloe-Vera-Badezusätze an, ihre Beratung, aber auch ein Gläschen Wasser. Das kann auch schon mal Lourdes-Wasser sein. Vier bis zehnmal pro Jahr ist sie in dem französischen Wallfahrtsort. Gurus aus der ganzen Welt, sagt sie, hätten sie als Inkarnation der Heiligen Bernadette bezeichnet.

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Anders als andere Kinder

Der hintere Teil des Raumes ist mit einem weißen Metallgitter abgetrennt, hinter dem ihre beiden Hunde liegen. Bobby, ein quirliger Australischer Hirtenhund, stürzt trotzdem gleich vor und springt an den Besuchern hoch. Beide bellen, wenn sie nicht auf einer leeren Plastikwasserflasche herumkauen. Und auch wenn Madame sonst sehr ruhig spricht, den Hunden befiehlt sie mit einem strengen Ton.

Mit fünf Jahren habe sie gewusst, dass sie anders als andere Kinder sei und zum ersten Mal den Tod eines Mannes vorhergesehen. "Die Erlebnisse häuften sich und mit der Zeit habe ich festgestellt, dass ich heiße Hände habe", sagt Madame Michèle.

Sie setzt sich auf den einzigen Holzstuhl an dem Plastiktisch und bietet den Campingstuhl gegenüber an. Es ist schier unglaublich, was sie alles über ihre Erfolge erzählt. Da sie auch als Astrologin tätig ist, könne sie anhand der Sternkonstellation auch sehen, ob jemand als Opfer geboren ist. Seinem Schicksal könne man nicht entrinnen. Sie sage ihren Kunden nur die Wahrheit – schonungslos und offen.

100 Franken pro halber Stunde

Gleichzeitig schimpft sie über den "esoterischen Müll, den andere betreiben". Vom Kartenlegen hält sie nicht viel, hat aber ein Buch geschrieben, in dem man bei Problemen eine zufällige Seite öffnen soll, auf der sich der passende Rat findet.

Das Wort "Blockaden" fällt oft im Gespräch. Sie könne helfen, sie zu lösen. Und viele Krankheiten seien sowieso durch Wasseradern verursacht. Wer ihr den Grundriss seines Schlafzimmers aufmalt, dem kann sie gleich sagen, wo die Adern verlaufen.

Neben Menschen mit Gesundheitsfragen berät die in der Schweiz aus dem Fernsehen bekannte Madame Michèle auch Geschäftsleute und "hochrangige Politiker", wie sie sagt. Die müssen für eine Beratung das Doppelte des normalen Satzes von 100 Franken pro halber Stunde berappen. Den Kunden nennt sie Umsatzzahlen, berät über Firmenstrategien und nimmt den Firmen auch Personalentscheidungen ab. "Bei manchen Firmen kommt schon die zweite Generation zu mir", sagt sie stolz. Seit 41 Jahren ist Hellsehen ihr Hauptberuf.

Autor: Ralf H. Dorweiler