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28. Mai 2009
Im Bilderwald wechselnder Stimmungen
Der Maler Viktor Hottinger zeigt malerische Waldimpressionen in der Johanniterkapelle
RHEINFELDEN/SCHWEIZ. Der Anblick ist fantastisch: 100 weiß gestrichene Bäume hat der Maler Viktor Hottinger in der Johanniterkapelle im schweizerischen Rheinfelden zu einer effektvollen Rauminstallation aufgebaut. "Mein Bilderwald" nennt der Rheinfelder Künstler, der schon mehrfach mit außergewöhnlichen Projekten aufgefallen ist, diese besondere Ausstellung mit malerischen Waldimpressionen. Für diese Naturstimmungen im Wechsel der Jahreszeiten hat sich Hottinger eine aufwendige Art der Präsentation ausgedacht. Er hat ein Stück Wald in die Kapelle geholt und seine rund 70 Bilder statt an Stellwände eben an die weiß bemalten Stämme gehängt. So kann der Betrachter im wahren Sinn wie durch einen Wald von Bildern gehen.
Seit Jahren schon macht der Landschaftsmaler ausgedehnte Erkundungen in den Wäldern der Umgebung, um die besondere Atmosphäre aufzunehmen: die dämmrige kühle Morgenstimmung, das diffuse Licht, das durch die Bäume und Blätter fällt, die Sonnenstrahlen, die das dichte Dickicht durchdringen, das geheimnisvolle Zwielicht. Zu allen Jahres- und Tageszeiten hat der Wald für Viktor Hottinger eine Faszination, die er auf sich wirken lässt und in eindrucksvollen Acrylbildern und Aquarellen umsetzt. Morgen- und Abendwald, Frühlings-, Sommer- oder Winterwald – der Maler vermittelt das wechselnde Gesicht des Waldes in sehr sensiblen, feinfühligen, auch spontan erfassten Naturstimmungen.
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Viele lichte Grün- und Gelbtöne prägen diese Waldbilder, oft sind es atmosphärisch aufgelöste Darstellungen von dichtem Blätterwerk, vom Blätterdach, Ausschnitte von Geäst, Zweigen, Stämmen oder Wurzeln, vom Lichtschein im nächtlichen Waldesdunkel, von Lichteinfällen und Lichtwirkungen, die das Tannendunkel oder das Laub fast mystisch erhellen, von Bäumen, die sich zu Kuppeln wölben. Seien es sanft leuchtende Farbtöne des Sommers und Herbstes oder die strengeren Hell-Dunkel-Kontraste des Winterwalds mit kahlen Bäumen – stets teilt sich in Hottingers Waldlandschaften und Detailansichten die Schönheit und das intensive Naturempfinden mit. Ein Bild ragt durch seine kühne Perspektive heraus: Es zeigt den Blick in den Himmel durch einen Kranz von Baumkronen.
Schon die Dichter haben immer wieder die eigenartige Magie des Waldes "besungen". Auch Viktor Hottinger lenkt in diesem Ausstellungsprojekt den Blick auf den Kosmos Wald mit seinen unendlich vielen feinen Farbschattierungen, dem Wandel von Werden und Vergehen, den Licht- und Schattenwirkungen und Stimmungsnuancen, die er mit untrüglichem Farbgefühl auf Papier oder Leinwand bringt. Die Installation in der Johanniterkapelle ist ein Gesamtkunstwerk geworden. Wie schlanke Stelen erheben sich die Bäume, die durch die weiße Farbe auch eine verfremdende Wirkung haben und mit gesammelten Fundstücken aus dem Wald wie Federn geschmückt sind.
Ergänzend zeigt der Maler, der zuletzt mit seinem viel beachteten Projekt "Horizonte" zur Grün in Rheinfelden hervorgetreten ist, auch einige spontan und schnell gemalte Tagebuchblätter mit Walderlebnissen und -eindrücken. Diese Blätter entstanden während dreier Monate und erzählen von Begegnungen mit Waldbewohnern wie Reh, Fuchs und Hase. Ein Rahmenprogramm begleitet diese sehr sehenswerte Ausstellung, so zum Beispiel ein Waldhornkonzert oder der Vortrag eines Biologen über "Waldvögel und Federlesen".
Bis 28. Juni, geöffnet Mittwoch und Freitag 16-21, Samstag und Sonntag 11-17 Uhr.
Autor: Roswitha Frey


