Fit für Gentherapie

Hans Christof Wagner

Von Hans Christof Wagner

So, 02. September 2018

Schweiz

Der Sonntag Novartis-Konzern kündigt Investition in Fricktaler Standort an.

Nachdem der Novartis-Konzern mit seinen Stellenstreichungsplänen an den Standorten Wehr und Basel 2017 eher für Negativschlagzeilen gesorgt hatte, kommen vom Pharmariesen nun gute Neuigkeiten: Im Werk Stein sollen 90 bis 120 Millionen Franken investiert werden und 450 neue Stellen entstehen.

In den kommenden drei Jahren will Novartis laut einer Medienmitteilung des Unternehmens in Stein mindestens 90 Millionen Franken investieren und neue Arbeitsplätze in einer Größenordnung von 260 bis 450 schaffen. Hintergrund ist die Zulassung einer Krebstherapie mittels Gentechnik in der EU. Wie viele neue Jobs es tatsächlich sein werden, hieß es, hänge von der Nachfrage nach der neuen Therapie ab. Diese sei schwer abzuschätzen, da der Ansatz sehr neu ist und man in der Branche entsprechend noch wenig Erfahrungen damit habe.

Kymriah, wie die Novartis-Innovation heißt, ist kein normales Krebsmedikament, sondern eine Einmalbehandlung, welche die körpereigenen Abwehrzellen des Krebspatienten verwendet, um die Krankheit zu bekämpfen. Den Patienten werden Zellen entnommen, diese werden dann im Werk in Stein gentherapeutisch verändert und dem Kranken erneut zugeführt. Jüngst hat dieses Verfahren die behördliche Zulassung in der EU für die Behandlung für Leukämie und Lymphdrüsenkrebs erhalten. Stein soll ab 2020 den europäischen Markt bedienen. Für die Schweiz ist die Zulassung beantragt. Novartis hofft, diese im Herbst von den Schweizer Behörden zu erhalten.

Am Standort in der Fricktal-Gemeinde Stein ist laut Novartis trotz der Erweiterungspläne kein Neubau geplant, die neue Anlage wird in ein bestehendes Gebäude integriert. Fraglich ist aber, zu wie vielen Neueinstellungen es tatsächlich kommt. Teile der bisherigen Belegschaft könnten für den geplanten moderneren Unternehmenszweig umgeschult werden, auch solche vom Werk in Wehr, wie die Novartis-Pressestelle auf Nachfrage des Sonntag bestätigt. Generell hätten die aktuellen Pläne aber keinen Einfluss auf den Standort Wehr. Novartis äußerte sich zuversichtlich, unter ihren Beschäftigten auf das notwendige Interesse zu stoßen und genügend qualifizierte Mitarbeiter für die neuen Stellen in Stein zu finden.

Bis es soweit ist, wird das Verfahren noch in einem externen Unternehmen in Frankreich angewandt. Novartis selbst wendet es schon in einem US-amerikanischen Werk an. Doch der logistische Aufwand, von dort den europäischen Markt zu beliefern, wäre zu hoch.