Schwelgerisches emotionales Spiel

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 10. Juli 2018

Klassik

Junge Klassik mit der Cellistin Natalia Dauer und die Pianistin Julia Pleninger in Schloss Beuggen.

Aufstrebenden Musikern am Anfang ihrer Karriere eine Auftrittschance und ein Podium zu bieten, ist die Idee der neuen Reihe "Junge Klassik", die in Schloss Beuggen ein zunehmend größeres Publikum anzieht. Hinter diesem Projekt steckt die 21-jährige Cellistin Natalia Dauer aus Bad Säckingen, die an der Musikhochschule Basel bei Ivan Monighetti studiert – jenem Celloprofessor, der auch Lehrer von Weltstar Sol Gabetta war. Wie ihr Vorbild hat die Cellostudentin ihr eigenes Festival "Junge Klassik" gegründet, das seit Jahren fester Bestandteil der Laufenburger Kulturtage ist, und bringt gleichaltrige Musikerinnen und Musiker in verschiedenen Besetzungen und Kammermusikprogrammen zusammen. Eine weitere Plattform am Hochrhein hat die Initiatorin nun im Ambiente von Schloss Beuggen gefunden, wo die "Junge Klassik" neben der Schlosskonzertreihe läuft – mit großem Publikumszustrom.

Beim vierten Konzert am Sonntag im Rittersaal trat Natalia Dauer zusammen mit der Pianistin Julia Pleninger auf, die aus Waldshut stammt, an der Hochschule Zürich studiert und ebenfalls Preisträgerin der Volksbank Hochrhein-Stiftung ist. Die auf einer Wellenlänge spielenden Musikerinnen eröffneten den Duoabend mit der Sonate für Cello und Klavier e-Moll op. 38 von Brahms, in der sie in gleichberechtigter Partnerschaft agieren. Zupackendes Spiel, Leidenschaftlichkeit und Emphase bringen Natalia Dauer und ihre Klavierpartnerin für diesen Brahms mit. Den Kopfsatz gestaltet sie mit weit ausholender Cellogeste, romantischem Ton, vehementem Strich und sonorem Klang. Im tänzerischen Allegretto gefällt ihre bewegliche Bogenführung, ihr vitaler Zugriff und das dunkle Timbre, im dritten Satz die dynamische, impulsive Spielweise, der Zug ins Leidenschaftliche, der diesem Brahms gut ansteht. Auch von Seiten der mit klar akzentuiertem Anschlag und nuanciertem Klang spielenden Pianistin hatte dieser Brahms allen Elan.

Julia Pleninger weihte an diesem Tag den vom Verein "Förderung der Musikkultur am Hochrhein" angeschafften Steinway-Flügel für Schloss Beuggen ein. Und was lag näher, als zur Klangtaufe dieses Instruments ein so monumentales Werk wie Chopins Fantasie f-Moll op. 49 aufzuführen? Die junge Pianistin hatte die dramatischen, rhapsodischen Passagen jederzeit spieltechnisch souverän im Griff. Markant gestaltete sie die düsteren Teile, in sich versunken spielte sie die lyrisch-träumerischen Themen. Wie Julia Pleninger mit vollgriffigem Spiel die Dramatik aus dieser Fantasie herausholte, erntete enormen Beifall.

In Faurés Elegie ließ Natalia Dauer ihren Celloklang voller Wärme und Fülle strömen. Sie entfaltete in diesem von Melancholie und Sentiment erfüllten Einzelsatz das dunkle Timbre und die kantablen Möglichkeiten ihres Cellos mit weichem sattem Klang. Schwelgerisches, emotionales Spiel war auch in Liszts "Liebestraum" zu hören. Martinús Variationen über ein slowakisches Thema interpretierten die Cellistin und ihre Partnerin rhythmisch prägnant, voller Verve. Mit heftigem Bogenstrich, zündender Rhythmik und einem Hauch Melancholie war dieser Martinú ein wirkungsvoller Abschluss. Als Zugabe dann "Der Schwan" von Saint-Saens, zum Dahinschmelzen schön in der Cellolinie gespielt, so dass man bildhaft den edlen Schwan auf dem Rhein dahingleiten sah.

Termin: Das nächstes Konzert "Junge Klassik" in Schloss Beuggen ist am 10. August, 19.30 Uhr.