Schwäbisch Hall

Schwierige Ursachensuche nach tödlichem Crash im Landeanflug

Roland Böhm

Von Roland Böhm (dpa)

Mo, 16. April 2018 um 19:53 Uhr

Südwest

Warum fliegen zwei Kleinflugzeuge gleichzeitig einen Flugplatz bei Schwäbisch Hall an? Die Suche nach der Ursache für den Zusammenstoß in der Luft kann mehrere Wochen dauern. Zwei Piloten sind tot.

Sonntagnachmittag, 16.15 Uhr: Kein Regen. Kaum Wind. Auf dem Flugplatz Adolf Würth nahe Schwäbisch Hall ist nicht wirklich viel los. Zwei Maschinen sind im Anflug: ein 76 Jahre alter Mann aus dem Kreis Heilbronn, der mit einem Ultraleichtflugzeug aus Regensburg kommt, und ein 74 Jahre alter Pilot allein in einer Cirrus SR 20, einem viersitzigen Sportflugzeug. Er kommt aus Stuttgart. Mehrere Hundert Meter vor der Landebahn stoßen beide Maschinen zusammen und stürzen ab. Die beiden Piloten sterben. Die Wracks – teilweise ausgebrannt – liegen am Montag rund 600 Meter von der Landebahn entfernt.

Wie konnte es dazu kommen? Wurden die Piloten von der tief stehenden Sonne geblendet? Vier bis sechs Wochen werde es wohl dauern, bis die Experten das geklärt haben, sagt Germout Freitag, Sprecher der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig. Das Sportflugzeug sei mit einem Rettungssystem ausgestattet gewesen, das die Maschine als Ganzes an einem Fallschirm sicher zu Boden hätte bringen müssen. "Entweder gab es Raketenversagen, oder es wurde nicht am Auslöseknopf gezogen", erklärt Freitag.

Die Deutsche Flugsicherung in Langen am Frankfurter Flughafen kann auf der Suche nach der Ursache für den Zusammenstoß auch nur spekulieren: "Wir haben keine Lotsen dort", erklärt Sprecherin Ute Otterbein. An solch kleineren Flugplätzen werde meist auf Sicht geflogen. Das heißt: ohne Führung durch Lotsen. Die Piloten meldeten ihre Landung per Funk beim Tower an, müssten ihre Maschinen dann aber selbst zu Boden bringen. "Sie dürfen zum Beispiel nicht in Wolken fliegen, weil sie da nichts sehen, müssen auf Abstände selbst achten und ihre Mindesthöhen einhalten."

Beim Airport selbst wollte sich am Montag niemand äußern. Anfragen werden zur Polizei weitergeleitet. Per "Safety Letter" werden Piloten darauf hingewiesen, dass ein Mischverkehr aus Maschinen im Sicht- und im Instrumentenflug den An- und Abflug zu einer Herausforderung für Piloten mache. Rund 30 000 Flugbewegungen gibt es dort pro Jahr.

Was der Tower über die Flüge der beiden Unglücksmaschinen wusste und ob es eventuell eine Warnung an die Piloten gab, muss untersucht werden. Zwei bis fünf Tage seien die Experten der BFU nach solchen Unfällen in der Regel am Ort, sagt Freitag, vor allem, um den Unfall zu dokumentieren und Zeugen zu hören. Erste Zeugen hätten sich auch gemeldet, hieß es am Montag. Der Sachschaden wird auf mehrere Hunderttausend Euro geschätzt.

In jedem Fall seien solche Zusammenstöße zweier Maschinen in der Luft nach wie vor selten, betont Freitag. Als einer der wohl größten Fälle dieser Art gilt der Zusammenstoß einer russischen Passagiermaschine und eines DHL-Flugzeugs über Überlingen vor 16 Jahren mit 71 Toten. Dass es erst im Januar so einen Unfall mit vier Toten nahe Karlsruhe gab, sei reiner Zufall. Im Badischen waren ein Rettungshubschrauber und ein Sportflugzeug in der Luft zusammengestoßen. Die Ursache sei noch nicht abschließend geklärt.