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04. April 2012

Das Schwimmbad geht nicht unter

120 Bürger bei der Entscheidung des Gemeinderats dabei / Förderverein und Arbeitsgruppe werden gegründet.

  1. Volles Haus: Die drohende Schwimmbadschließung mobilisierte etwa 120 Schwörstädter, die sich im Gemeinderat drängten. Foto: Hildegard Siebold

SCHWÖRSTADT. Ausnahmezustand und Konsens zugleich herrschte am Montagabend im Schwörstädter Gemeinderat vor: Die aus Kostengründen drohende Schließung des Schwimmbads hatte die Bürger wie selten zuvor ein Thema mobilisiert. Nach eineinhalb Stunden kontroverser Diskussion war die größte Aufregung erst einmal gebannt. Bei einer Ablehnung stimmte der Gemeinderat gegen eine Schließung. Ein schnellstmöglich ins Leben gerufener Förderverein soll es nun richten.

Gut 120 Bürger hatten sich stehenden Fußes um das Ratsrund versammelt. Stühle waren angesichts dieses Ansturms Mangelware. Sie alle traten für ein gemeinsames Begehren ein: keine Schwimmbadschließung. Angesichts eines Fehlbetrags von 84 000 Euro im Haushaltsentwurf 2012 sollten Schwimmbad und Kiosk an einen Fremdbetreiber verpachtet werden. Zwei Pächter meldeten Interesse und Forderungen an. 67 000 Euro hätte die Gemeinde zuschießen sollen – zuzüglich der Aufwendungen fürs Gebäude. "Da können wir das Bad auch gleich selbst weiter betreiben", erklärte Bürgermeister Artur Bugger. Um 25 000 bis 30 000 Euro wird sich das Haushaltsloch im Entwurf in diesem Fall weiter erhöhen.

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Trotzdem waren sich Bürgermeister, Bürger und Ratsgremium im Tenor einig: Eine Schließung des "Kleinods am Rhein" muss verhindert werden. "Was haben wir denn dann noch?", fragte Günter Koch von Bürgerseite. "Das Schwimmbad ist Anziehungspunkt für Groß und Klein", befand Doris Schütz (CDU). Vier Wochen vor dem Startschuss könne man so ein Bad nicht einfach schließen. Endlich sichtbare Hinweisschilder und die intensive Bewerbung als eines der letzten verbliebenen Rheinschwimmbäder forderte sie zur Attraktivitätssteigerung. Richten soll es nach dem Wunsch von Schütz eine unterstützende Arbeitsgruppe aus Gemeinderäten und engagierten Bürgern, die Ideen für die künftige Entwicklung des Bads entwickelt.

Als "Highlight von Schwörstadt" wertete Günter Bühler (Freie Wähler) das Schwimmbad und schlug die Gründung eines an diesem Abend mehrfach geforderten Fördervereins für das Schwimmbad vor. Ohne jeden Zweifel brauche es jetzt das Engagement der Bürger. Und Schwörstadt braucht mehr Bürger. "Wir müssen wachsen, um unsere Einnahmen zu erhöhen", zeigte sich Harald Ebner (CDU) überzeugt. Es gelte, die Attraktivität von Schwörstadt zu steigern, sonst bliebe am Ende nichts mehr. Ebner forderte dazu auf, die Bürger mit jährlichen Bürgerversammlungen ins Boot zu holen. "Wenn man sie richtig weckt, dann sind sie auch da", erklärte er ob der Resonanz beim Thema Schwimmbad, das nach Einschätzung von Bademeister Gerd Tscheulin im positiven Sinne auf Minimalismus ausgelegt sei. Alle größeren Sanierungsposten seien in den vergangenen Jahren behoben worden. "Diskussionen über Eintrittspreise bringen nicht viel", befand er. Die Anhebung um einen Euro würde laut Rechnungsamtsleiter Dietmar Zimmermann gerade mal 5000 Euro in die öffentliche Kasse spülen. Tscheulin schwebt vielmehr vor, den Kiosk zu aktivieren – im Bad und außerhalb für Radfahrer über die Saison hinaus. Insgesamt möchte er das Badgeschehen attraktiver gestalten und den Rhein besser nutzen.

CDU-Gemeinderat Jörg Schmidt stellte den Antrag gegen die Schließung des Bads und für die Bildung einer Arbeitsgruppe, um den Menschen zu signalisieren: "Das Bad ist es uns wert." Lediglich Helmut Lambrecht (Freie Wähler) stimmte für eine Schließung: "Das Bad frisst uns die Haare vom Kopf."

Zuversicht äußerte hingegen Bugger: "Wenn Sie alle mithelfen, können wir das Schwimmbad retten", wandte er sich an die Bürger. Bereits am Donnerstag, 12. April, soll von 19 Uhr an im Feuerwehrschulungsraum in Schwörstadt ein erstes Treffen zur Gründung eines Fördervereins stattfinden.

Autor: Hildegard Siebold