Was eine Leiter alles anrichten kann

Sarah Trinler

Von Sarah Trinler

So, 09. September 2018

Schwörstadt

Der Sonntag Streit um Einstiegshilfe beim Rheinschwimmbad Schwörstadt .

Eine einfache Leiter am Ufer beim Rheinschwimmbad sorgt in Schwörstadt für Aufregung: Sie soll als Einstiegshilfe in den Fluss dienen – ist jedoch rechtswidrig. Was steckt dahinter und wie kann die verfahrene Situation beim Schwimmbad noch gerettet werden?

Wie der Name schon sagt, liegt das Rheinschwimmbad Schwörstadt direkt am Rhein. Das tut es heute noch, allerdings ohne direkten Zugang zum Fluss. Aufgrund der geänderten EU-Wasserbewertung wurde im Jahre 2013 die Wasserqualität in Schwörstadt als schlecht bewertet, die offizielle Badestelle musste abgemeldet werden. Die Gemeinde als Betreiber – mittlerweile ist das Bad verpachtet – durfte fortan keine Anreize mehr schaffen, im Fluss zu baden. Aus Haftungsgründen wurde 2015 ein Zaun zwischen Rheinufer und Bad errichtet – damals noch unter Altbürgermeister Artur Bugger. Später wurden dann auch die Stege abgerissen. Nicht nur die Mitglieder des Fördervereins, die sich ehrenamtlich über Jahre hinweg um das Bad gekümmert hatten, waren geschockt, auch die Besucher vermissten den direkten Rheinzugang. Für den Förderverein bedeutete dies indes den Anfang vom Ende – Anfang diesen Jahres erfolgte die Auflösung.

Nun geht die dritte Badesaison mit unveränderter Situation zu Ende. Für den Schwörstädter Manfred Henle untragbar: Anfang Juli machte er kurzen Prozess und installierte eigenmächtig eine Aluleiter am Uferstreifen beim Schwimmbad, mit der der Rheinzugang auch für ältere Leute weiterhin möglich sein soll. Ohne wasserrechtliche Erlaubnis und ohne die Zustimmung des Grundstückeigentümers sei dies jedoch rechtswidrig, teilte das Regierungspräsidium Freiburg mit. Der Uferstreifen ist im Besitz des Landes Baden-Württemberg. "Herr Henle versteht die Situation nicht", sagte Bürgermeisterin Christine Trautwein-Domschat im Gespräch mit Der Sonntag . Auch wenn die Richtlinien "abstrus" seien, dürfe man sich nicht einfach über geltendes Recht hinwegsetzen.

Doch Henle bleibt standhaft: Nachdem die Leiter zwei Tage später vom Bauhof wieder abgebaut wurde – das Regierungspräsidium hatte die Gemeinde "in ihrer Funktion als Ortspolizeibehörde" dazu aufgefordert –, folgte nur wenige Tage später der nächste Streich: An gleicher Stelle war erneut eine Leiter angebracht worden. Henle gab sich zu erkennen und schickte die Rechnung für die Leiter an die Gemeinde. "Ich kann störrisch sein wie ein Esel", sagte der 76-Jährige schmunzelnd. Die Leiter steht bis heute. Wenn auch diese abgebaut werden würde, bringe er eben wieder eine neue an, so Henle. Es gehe ihm nicht darum, für Ärger zu sorgen, sondern um seine Interessen zu verdeutlichen. "Rundum ist das Baden im Rhein möglich", sagte Henle, wie etwa beim Badestrand in Wehr-Brennet. In Schwörstadt gebe es allerdings keinen Flachwasserzugang, sodass es für die Sicherheit der Bürger eine Einstiegshilfe geben müsse.

Als gebürtiger Schwörstädter hängt Henle am Rheinschwimmbad und ist davon überzeugt, dass viele ehemalige Badbesucher seit Abriss der Stege fernbleiben. "Da gab es schon einen Einbruch", gesteht Trautwein-Domschat, doch brauche es Zeit, um eine geeignete Lösung zu finden. Zum Beispiel sei eine Steinschüttung für einen Flachwassereinstieg erlaubt – der Zugang wäre dennoch auf eigene Gefahr und die Gemeinde aus der Haftung. Dafür müsste allerdings viel vom Uferbereich abgegraben und auf einen Großteil der Liegewiese verzichtet werden, was laut Trautwein-Domschat nicht Sinn der Sache sei. Im Rahmen des Projekts "Rheinuferweg extended" (IBA Basel) und der gewünschten Renaturierung des Ufers gebe es weitere Möglichkeiten, die zur Entschärfung der Situation beitragen könnten. Hierfür müssten allerdings erst Vermessungen durchgeführt werden. Davon abgesehen sei es wichtig, "das Schwimmbad als Freibad zu erhalten". Den Zaun zwischen Bad und Rhein finde die Bürgermeisterin indes nicht schlimm, vielmehr würde er Familien mit Kindern eine Sicherheit bieten.

Henles Protestaktion geht weiter: Derzeit sammelt er Unterschriften für Forderungen an die Gemeinde. Unter anderem wird ein "sicherer Rheinzugang" und ein möglicher Übergang vom Bad zum Rhein, etwa durch einen elektronischen Chip, gefordert. Bislang hätten 50 Menschen unterschrieben – zu Henles Bedauern nur zwei Schwörstädter. "Ich bin der einzige Störenfried."