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20. Oktober 2017 18:39 Uhr

Abschied aus Seelbach

BZ-Interview mit Pascal Weber

Pascal Weber, seit 2008 Hauptamtsleiter in Seelbach, ist zum neuen Bürgermeister von Ringsheim gewählt worden. BZ-Redakteur Karl Kovacs hat mit ihm über den Abschied und den neuen Job gesprochen.

  1. Pascal Weber heute als Noch-Hauptamtsleiter in Seelbach und designierter Bürgermeister von Ringsheim Foto: Christoph Breithaupt

  2. Weber 2008 als neuer Hauptamtsleiter Foto: Heidi Foessel

BZ: Wie fühlen Sie sich nach der gewonnenen Wahl?
Weber: Sehr gut, aber auch erleichtert, weil der Wahlkampf zu Ende ist. Gleichzeitig bin ich voller Vorfreude auf das neue Amt. Auf der einen Seite möchte ich sofort anfangen und meine Ideen umsetzen. Mein Anspruch ist aber, hier in Seelbach ein bestelltes Haus für den Nachfolger oder die Nachfolgerin zu hinterlassen.

BZ: Gibt es da schon jemanden?
Weber: Noch nicht. Die Stelle ist vergangene Woche ausgeschrieben worden. Jetzt werden die Bewerbungen kommen. Ich hoffe, dass sich schnell jemand für Seelbach findet.

BZ: Ist die Stelle denn attraktiv?
Weber: Ich finde sie sehr attraktiv. Ich glaube, man findet ein gutes Team im Rathaus vor. Seelbach ist eine Gemeinde, in der man sich gut einbringen kann. Es gibt viele Möglichkeiten, hier zu wirken.

BZ: Sie haben in Freiburg, Lahr und Seelbach gearbeitet, demnächst in Ringsheim. Die Kommunen wurden immer kleiner, die Positionen immer höher. War das so geplant?

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Weber: Überhaupt nicht. Eigentlich kann man sagen, dass ich in eine Kommune zurückkehre, die so groß ist wie Glottertal, wo ich unter anderem meine Ausbildung absolviert habe. Nach neun Jahren in Seelbach konnte ich nun in der Heimatgemeinde meiner Frau kandidieren. Das hat gut gepasst, zumal wir in der Region verwurzelt sind.

BZ: Welche Gründe haben noch für Ringsheim gesprochen?
Weber: Es ist eine Gemeinde, die eine gute Lage, eine gute Infrastruktur und gute Chancen für die Zukunft hat. Trotzdem bietet sie auch viel Natur. Die Gemeinde Ringsheim hat eine Größe, die ich mir als Bürgermeister zutraue. Sie entspricht dem, was ich kann und mir vorstelle.

BZ: Hatten Sie nach acht Jahren im Seelbacher Hauptamt genug?
Weber: Das kann man so nicht sagen. Ich bin dieses Jahr 40 geworden und habe mir Gedanken gemacht, wie mein beruflicher Weg weitergehen könnte. In Seelbach hätten noch viele Herausforderungen gewartet, mir wäre also nicht langweilig geworden.

BZ: Was erwartet ihren Nachfolger, ihre Nachfolgerin in Seelbach?
Weber: Ein bestelltes Haus. Im Ernst: Im Personalbereich ist man immer gefordert. Die Ortskernsanierung und der Umbau des Rathauses werden die nächste drei, vier Jahre bestimmen. Im Hauptamt wird die Integration der Flüchtlinge ein zentrales Thema sein und im Tourismus müssen immer neue Ideen kreiert werden. Auch die Weiterentwicklung der Schule und der Betreuungsangebote wird die Gemeinde weiter fordern. Es gibt genug Arbeit.
"Einen besseren Tag

gibt es nicht, um in

Seelbach aufzuhören."
Pascal Weber über seinen letzten
Arbeitstag beim Katharinenmarkt
BZ: Was werden Sie am meisten an Seelbach vermissen?
Weber: (überlegt) Ich werde sicher die Kolleginnen und Kollegen im Rathaus vermissen, wir sind ein gutes Team. Und auch die Mensa in der Schule (lacht), dort gehe ich fast jeden Mittag essen. Mit vielen Bürgern habe ich ein enges Verhältnis aufgebaut, das wird mir fehlen. Ach ja, die Berge und die Herbstsonne, die mir ins Büro scheint, wenn es in der Rheinebene neblig ist, werde ich vermissen.

BZ: Wenn Sie eine Bilanz Ihrer Zeit in Seelbach ziehen müssten, wie würde sie aussehen?
Weber: Zunächst bin ich dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, hier zu wirken und mich zu entfalten. Das hat mir als Mensch viel gebracht. Ich würde sagen, dass wir in dieser Zeit gemeinsam einiges für die Gemeinde Seelbach erreicht haben.

BZ: Zum Beispiel?
Weber: Wir konnten etwa in der Schule die Ganztagsbetreuung aufbauen, wir haben eine Mensa gebaut und beide Schulen zusammengeführt. Im Tourismus haben wir es geschafft, die Übernachtungszahlen um 25 000 auf 150 000 zu steigern. Im Kulturbereich sind wir stolz darauf, dass die Freilichtspiele eine schwarze Null schreiben und die Besucherzahlen verdoppelt wurden. Außerdem haben wir das Bürgerbüro gestärkt. Das geht bis hin zum Willkommenspaket für Neubürger und für Kinder. Es sind vor allem auch die kleinen Dinge, die viel bewirken. Insgesamt haben wir mit dem Personal, für das ich auch verantwortlich bin, die Bereiche, die für den Bürger wichtig sind, gestärkt, ohne die Personalkosten aufzublähen.

BZ: Vom 5. Dezember an sind Sie Bürgermeister von Ringsheim. Wie sieht bis dahin die Arbeit des Hauptamtsleiters Pascal Weber aus?
Weber: Mein letzter Arbeitstag ist am Katharinenmarkt-Montag. Einen besseren Tag gibt es nicht, um in Seelbach aufzuhören (lacht). Bis dahin arbeite ich daran, dass meine Nachfolgerin oder mein Nachfolger einen guten Start hat. Die Vorbereitungen, etwa für die Freilichtspiele, werden größtenteils abgeschlossen sein. Er oder sie soll aber die Möglichkeit haben, selbst zu gestalten und den Dingen eine eigene Handschrift zu geben.

BZ: Sie haben ein enges Verhältnis zu Bürgermeister Thomas Schäfer. Was hat er eigentlich dazu gesagt, als Sie in Ringsheim kandidierten?
Weber: Er war der Erste nach meinen Eltern, den ich informiert habe. Seine Reaktion hat mich sehr gefreut. Er hat gesagt: "Ich habe zwei lachende Augen. Wenn Du gewinnst, habe ich einen Bürgermeisterkollegen, mit dem ich vertraut reden kann. Und wenn du verlierst, behalte ich meinen Hauptamtsleiter."

BZ: Letzte Frage: Sie wohnen in Mahlberg, ziehen Sie nach Ringsheim um?
Weber: Ja, in den nächsten zwei bis vier Jahren ist das geplant. Es ist gut, wenn der Bürgermeister vor Ort wohnt.

Pascal Weber ist am 24. April 1977 geboren und in Elztal aufgewachsen. Er ist verheiratet mit Tina Weber und wohnt in Mahlberg. Nach Stationen in Freiburg, Lahr und Seelbach tritt er am 5. Dezember die Nachfolge von Heinrich Dixa als Bürgermeister der Gemeinde Ringsheim an.

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Autor: Karl Kovacs