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23. Februar 2012
Das Scheibenfeuer lodert
Am brennenden Holzkreuz werden am Samstag die glühenden Scheiben ins Tal geschlagen.
SEELBACH-WITTELBACH. Die Wittelbacher Schiebebuebe achten die Tradition. Das bedeutet, dass sie am Samstagabend nicht einen großen Holz- und Reisighaufen anzünden. Vielmehr wird ein fast 20 Meter hohes Holzkreuz am Schollenrain in Flammen aufgehen, wenn sie mit dem in die vorchristliche Zeit zurückgehenden Brauch des Scheibenschlagens den Winter austreiben. Die glühenden Holzscheiben symbolisieren die aufgehende Sonne und den Sieg der Sonne über den Winter. In christlicher Zeit bedeutet der Brauch die Bitte um Gottes Segen für Haus und Feld sowie eine gute Ernte.
Die Schiebebuebe folgen dabei dem überlieferten Ritual. Wenn um 18.30 Uhr das Betzeitläuten vom romanischen Wittelbacher Kirchlein ertönt, wird das große, mit Reisigwellen und Stroh umwickelte große Holzkreuz angezündet. Die Schiebebuebe beten (oder murmeln) den Englischen Gruß. Danach beginnt das Scheibenschlagen. Die glühenden Scheiben werden über den Schiebebock geschlagen und sollen möglichst weit hinunter ins Tal fliegen. Zunächst die Ehrenscheiben, für die es eine feste Reihenfolge gibt. Die Erste gilt der Heiligen Dreifaltigkeit, die Zweite dem Ortsgeistlichen, die Nächsten dann Bürgermeister und Ortsvorsteher, Gemeinde- und Ortschaftsräten, den einzelnen Straßenzügen. Nach etwa 15 bis 20 Ehrenscheiben folgen die Manöverscheiben. Auf sie warten die Zuhörer am Schollenrain gespannt. Die Schiebebuebe berichten aus dem Ortsgeschehen des vergangenen Jahres. Und mancher wünscht, sein Missgeschick wäre unentdeckt geblieben.Werbung
Um die 50 Manöverscheiben werden am Samstagabend geschlagen. Vor allem um die vorzubereiten, treffen sich die Schiebebuebe erstmals etwa ein halbes Jahr vor dem Scheibenschlagen und von da an einmal wöchentlich. Zunächst wird Material für die Manöverscheiben gesammelt und ins Schiebebuch eingetragen. Wichtig ist auch, dass genügend Jugendliche sich bereiterklären, als Schiebebuebe mitzumachen. "Mindestens acht sollten es sein", sagt Dominik Rederich. Dieses Jahr sind es die Jahrgänge 1991 bis 1995. Wenn Schiebebuebe fehlen, fragt er Ältere, ob sie nochmals mitmachen. Denn es ist nicht einfach, die mindestens acht zu finden.
Dominik Rederich
Bis Samstag sind die Schiebebuebe täglich am Schollenrain und bereiten alles vor. Der spannendste Moment ist am Samstag, wenn das große Holzkreuz aufgerichtet und mit Drahtseilen fixiert wird. Bleibt es stehen oder fällt es um und zerbricht, ist die Frage. Rederich erinnert sich nicht gut daran, dass vor zwei Jahren das Kreuz praktisch in letzter Minute aufgerichtet werden konnte. Er war damals erstmals Schiebebue. "Es liegt an der Vorbereitung, ob es klappt oder nicht", sagt er. Veranwortlich: natürlich der Schiebvadder. Er kümmert sich darum, dass Werkzeug, Schlepper und genügend Leute da sind, er kümmert sich um das Zelt, das beim Schmetterhof aufgestellt wird, er sorgt dafür, dass jeder Schiebebue seinen Strohhut mit den farbigen Bändern und das Hemd hat. Und das wichtigste: dass die Scheiben auch da sind. "Es sind 1000 Kleinigkeiten, an die du als Schiebevadder denken musst. Aber es macht Spaß. Wir machen alle mit, weil das Brauchtum erhalten werden soll. Denn das Scheibenschlagen am brennenden Holzkreuz gibt es nicht mehr oft", sagt er.
Wenn am Samstag die letzte Scheibe geschlagen ist, das Scheibenfeuer verlöscht, machen sich die Schiebebuebe auf ins Dorf. Sie sammeln Geld, um die Kosten zu decken und den Schiebebuebe im nächsten Jahr einen Grundstock zu hinterlassen.
Autor: Theo Weber
