Der wahre Star der Freilichtspiele in Seelbach ist ein Friesenhengst

Babette Staiger

Von Babette Staiger

Di, 04. September 2018 um 17:00 Uhr

Seelbach

Bei den Proben zum neuen Freilichttheaterstück "Zorro" in Seelbach ist auch der 18-jährige Friesenhengst Binne dabei. Er spielt Zorros treuen Begleiter Tornado.

Während die Öffentlichkeit bereits gespannt auf die Premiere des Freilichttheaterstücks "Zorro" wartet, laufen die Bühnenproben in Seelbach auf Hochtouren. Doch sind nicht nur übliche Darsteller im Klostergarten zugange – Binne ist mittendrin dabei: Er ist der 18-jährige Friesenhengst von Walter Schindler. Binne wird Zorros treuen Begleiter Tornado spielen.

Es ist wie bei einem Starinterview: Alle warten auf ihn. Sogar der Hauptdarsteller Thomas Koziol, der die Rolle des Zorro spielt, übt sich in Smalltalk, um die Zeit zu überbrücken. Steckt da eine klassische Bühnenausbildung mit Reiten, Fechten und Schießen dahinter?, fragt ihn die BZ-Mitarbeiterin. "Allerdings", antwortet Koziol.

Auch der Zorro-Schauspieler kann reiten und arbeitet sei 30 Jahren mit Pferden auf der Bühne

Doch ist der Österreicher auch ein echter Pferdenarr. "Ich sitze seit 40 Jahren im Sattel, bin begeistert vom Wanderreiten, und für die Bühne arbeite ich seit 30 Jahren auch mit Pferden." Ja, das darf man sich ganz innerhalb des Genreklischees vorstellen: Auch Karl-May-Festspiele in Österreich und entsprechende Tourneen in Deutschland gehören in sein Repertoire.

Da verwundert es auch nicht, dass Koziol, durchtrainiert und im sportlichen Wanderreiteroutfit, auch Stuntman ist. Verzeihung – Cascadeur heißt das in der Bühnenwelt. "Mit den Pferden studiere ich auch an das Skript angepasste Dressuren ein", erklärt er. Das passiere im Fluss, während der Proben. Gelernt habe er das von Mario Luraschi, ein in Frankreich lebender Dresseur, der immer wieder aufsehenerregende Shows kreiere und bekannt dafür sei, Pferde regelrecht zum Tanzen zu bringen.

Nonchalant tritt Binne von einem Huf auf den anderen, während die Menschen reden

Jetzt ist Hufgeklapper zu hören: Gemessen, ja souverän betritt Binne, dessen Heimatstall in Dunningen/Kreis Rottweil steht, die Szene. Zwar führt ihn sein Besitzer Walter Schindler aus Aichhalden am Zaum, aber man hat den Eindruck, dass der Friesenhengst das Set von alleine findet. Rabenschwarz ist er, schlank und hochgewachsen.

Er hat absolut nichts von einem febrilen Andalusier, dafür "Schlaghosen" aus Fell, die über die Hufe wachsen, einen gelockten, ellenlangen Schweif und eine ebensolche Mähne. "Kein Heißblütler, aber ein Warmblütler", wie Schindler bekräftigt.



Binnes Augen blitzen. "Wann ist mein Einsatz?", scheint er zu fragen. Nonchalant tritt er von einem Hinterhuf auf den anderen, während die Menschen sich unterhalten. Seine Ohren folgen der Konversation. "Binne stellt eher den bereits etwas älteren 'Tornado' dar, der erst von Zorro überredet werden muss, sich nochmals einem heldenhaften Abenteuer zu stellen", erklärt Koziol.

Der Friesenhengst spielt in einem Ensemble mit

Im Gespräch mit Schindler zeigt sich: Binne ist kein Anfänger, sondern ein Routinier. Seit 14 Jahren nennt der Freizeitreiter das prachtvolle Tier sein Eigen, und seit elf Jahren sind sie beide Mitglieder einer Gruppe, die Formationsreiten für Veranstaltungen anbietet, "die Schwarzwaldquadrille". Schau an: Binne ist Mitglied in einem festen Ensemble, ganz so wie ein menschlicher Schauspieler, der sich einen Namen gemacht hat. War da nicht gerade ein stolzes Schnauben zu hören? Wohl nicht. Binne hat gerade einen Riesenspaß dabei, sich von Koziol für Selfies ablichten zu lassen: Er scheint genau zu wissen, warum sein Menschkollege ihm das Smartphone vor die Nüstern hält.

Seit drei Jahren gehört Binne auch zum Bild der Hornberger Schlossfestspiele, wenn das historische Hornberger Schießen nachgespielt wird. Einmal war er schon das Pferd des Boten, dann gehörte er zum prachtvollen Tross des deutschen Kaisers – nur gute Rollen eben. Überflüssig zu fragen, ob Binne schusssicher ist. Nur fechten kann er nicht. Aber Stunts scheint er als willkommene Herausforderung zu sehen.

Schon taxiert er die Treppe: Müsste er da nicht hochtrippeln, wenn er mit Zorro zur Cantina (dem Saloon) will? Immerhin sieht das Bühnenbild so aus, als solle er davor angebunden werden. "Also mit der Treppe haben wir bisher noch nichts eingeübt", tastet sich Schindler vorsichtig vor. Da ist Binne zusammen mit Koziol schon am Inspizieren. Vier Szenen hat Binne zu bestreiten; in einer davon wird er sogar zum Helden. . . – mehr wollen wir an dieser Stelle nicht schon verraten.

Jetzt wird erst mal ohne Skript improvisiert. Und es klappt auf Anhieb mit dem Treppen steigen. Ja, die Rolle gefällt Binne. "Wir werden jetzt jeden Tag so zwei, drei Stunden miteinander üben", erklärt Koziol. So gelehrig wie Binne zu sein scheint, muss der Schauspieler aufpassen, dass der Friesenhengst ihm da bei der Premiere nicht die Schau stiehlt.

Premiere: Samstag, 8. September, 18 Uhr.